Pannen-Lift im Bahnhof Ludwigsburg Endstation Aufzug

Von Felix Ogriseck 

Wer am Ludwigsburger Bahnhof zu den Gleisen möchte und nicht die Treppe nehmen kann, hat schlechte Karten. Kaum ein Aufzug funktioniert. Die Bahn prüft nun, ob neue Aufzüge zuverlässiger wären.

Wenn der Aufzug nicht funktioniert, müssen Fahrräder die Treppe hoch getragen werden. Foto: factum/Bach
Wenn der Aufzug nicht funktioniert, müssen Fahrräder die Treppe hoch getragen werden. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Sichtlich brüskiert steht die ältere Dame vor dem Aufzug, der sie und ihr Pedelec zum Gleis zwei am LudwigsburgerBahnhof hätte heben sollen. Doch an jenem Dienstagnachmittag wird er – wie so oft – repariert.

Drei Aufzüge gibt es am Bahnhof: Einen im Hauptgebäude, der die Fahrgäste in die Unterführung unter den Gleisen bringt und jeweils einen neben den Aufgängen zu den Gleisen zwei und drei sowie vier und fünf. Ein Passant hilft der Dame schließlich, zusammen schleppen sie das mit Elektromotor aufgerüstete Rad die Treppen hoch. Während der Mann das hintere Ende anhebt, schnaubt er unter seiner Mütze hervor: „Ich weiß gar nicht, was man da ständig reparieren muss!“ Die Dame meint, schon öfter Jugendliche im Aufzug hüpfen gesehen zu haben. Wahrscheinlich seien sie deshalb dauernd defekt.

Über Umwege zum Gleis

Tatsächlich jedoch ist Vandalismus nur von nachrangiger Bedeutung. Ein Sprecher der Bahn erklärt, dass der hohe Materialverschleiß für die häufigen Ausfälle verantwortlich sei. Dies führe zu einer Verfügbarkeit von nur etwa 80 Prozent. Der Bahn-Sprecher weiß, dass so etwas bei einem barrierefreien Bahnhof absolut nicht hinnehmbar sei, zumal in letzter Zeit wiederholt sogar Menschen im Aufzug stecken geblieben seien: „Ich kann mich bei den Fahrgästen nur entschuldigen.“

Dabei sind die Pannen-Aufzüge noch nicht besonders alt. Erst im Jahr 2015 hatte die Bahn sie für eine halbe Million Euro eingebaut. Sie waren als Ersatz gedacht, die alten waren ständig kaputt gewesen. Für die Gleise zwei und drei gibt es noch einen Trick: die Aufzüge am Franck-Steg. Sie werden von der Stadt betrieben – und mit ihnen ist immerhin das Gleispaar zwei und drei barrierefrei erreichbar.

Servicepersonal bringt nichts

In ihrer Not hat die Bahn bereits darüber nachgedacht, Servicepersonal einzustellen, das bei Bedarf Rollstühle die Treppen hinauf- oder hinunterträgt. Aus Sicherheitsgründen wurde diese Überlegung aber verworfen. Der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung kann das gut nachvollziehen. Allein schon, wenn die tragende Person stolpere, sei das gefährlich für jemanden, der sich in diesem Moment nicht selbst helfen kann, sagt die Verbandsgeschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl. Das Thema Bahnhofsaufzüge nennt sie ein „Drama in mehreren Akten“ und empfiehlt einen Blick in die Schweiz. „Dort gibt es standardmäßig Rampen. Die sind sicher vor Vandalismus und gehen nicht kaputt.“

Dass Ersatzteile für die Aufzüge fehlen sei natürlich nicht schön, doch viel mehr ärgere es sie, wenn Aufzüge mutwillig zerstört werden: „Viele Menschen denken gar nicht daran, dass so ein Aufzug auch Teil einer barrierefreien Reise ist. Wer Aufzüge kaputt macht, weiß oft gar nicht, was er behinderten Menschen damit antut.“

Ein Tipp von der Bahn

Die letzte Hoffnung scheinen nun also schon wieder komplett neue Aufzüge zu sein. Nach Angaben ihres Sprechers prüft die Bahn aktuell, ob sich diese Anschaffung lohnen würden. Noch gebe es dazu allerdings keine Entscheidung.

Und bis dahin? Welcher der Aufzüge gerade funktioniert, lässt sich im Internet auf www.bahnhof.de und in der „Bahnhof live“-App der Deutschen Bahn herausfinden. Den Angaben dort zufolge, sind die Aufzüge am Ludwigsburger Bahnhof momentan in Betrieb. Falls sie das aber mal wieder nicht sind, hat der Bahn-Sprecher noch einen Rat: Frühzeitig planen und wenn möglich, an der S-Bahn-Station Favoritepark einsteigen. Die sei stufenfrei.




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