Pannen-S-Bahn Nicht nur aus dem Schiebetritt

Die neue S-Bahn ET 430 hat mit ihrem nicht funktionierenden Schiebetritt für viel Ärger gesorgt. Foto: Michael Steinert
Die neue S-Bahn ET 430 hat mit ihrem nicht funktionierenden Schiebetritt für viel Ärger gesorgt. Foto: Michael Steinert

Dass der Verband Region Stuttgart das Risiko übernehmen muss, wenn auch der modifizierte Schiebetritt der neuen S-Bahnen nicht funktioniert, ist eine bittere Pille, kommentiert der StZ-Redakteur Thomas Durchdenwald.

Lokales: Thomas Durchdenwald (dud)
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Stuttgart - Alternativlos ist einmal das Unwort des Jahres gewesen. Es suggeriere, so die Jury damals, dass es keine Alternative zu Entscheidungen geben würde und Debatten darüber von vorneherein überflüssig seien. Alternativlos – das war der Beschluss der Regionalversammlung, zehn neue S-Bahnen des Typs ET 430 anzuschaffen. Doch die Debatte darüber, wie sich der Verband Region Stuttgart künftig gegenüber Verkehrskonzernen von Bombardier bis Bahn verhält, muss spätestens jetzt geführt werden. Das ist überfällig.

Vieles spricht gegen die Bedingungen, zu denen die Region die Züge kauft. Der Preis ist (zu?) hoch, vor einigen Jahren waren sie noch gut 25 Prozent billiger. Mindestens so kritikwürdig ist, dass die Region die Kosten übernimmt, falls die modifizierten Schiebetritte in den zehn neu bestellten S-Bahnen nicht funktionieren und ausgebaut werden müssen. Selbst vor dem Hintergrund, dass der Hersteller Bombardier die bereits ausgelieferten 87 Fahrzeugen auf eigene Kosten nachrüsten muss und ein Ersatz den Konzern mindestens 40 Millionen Euro kosten würde, ist dies für die Region eine bittere Pille. Doch die Position des Verbands war schwach. Er braucht die neuen Züge dringend für Taktverbesserungen und andere Angebote. Er muss sie jetzt kaufen, weil sonst die Betriebszulassung erlischt.

Wagen eines anderen Herstellers wären teuer geworden

Die Alternative wäre gewesen, andere Züge eines anderen Herstellers, für die ein langwieriges Zulassungsverfahren nötig geworden wäre und die im Betrieb neue Probleme aufgeworfen hätten, zu kaufen – das wäre auf jeden Fall teurer geworden. Pragmatisch gesehen ist der Kauf also die günstigste Lösung für die Region, was natürlich auch die Bahn und Bombardier wussten und so wanderte das Risiko mit den Schiebetritten dorthin, wo man sich nicht wehren konnte – zur Region. So macht Bombardier, der sich mit der peinlichen Pannenserie disqualifiziert hat, ein Bombengeschäft. Das Spiel von Angebot und Nachfrage treibt kuriose Blüten.

Die Region muss Konsequenzen ziehen, um sich nicht wieder in eine derartige Sackgasse zu manövrieren, aus der es nur den einen teuren Ausweg gibt. Auch gegenüber der Bahn, die als Betreiber der S-Bahn und des Netzes für die wachsenden Verspätungen zumindest mitverantwortlich ist, und der SSB, die kürzlich eher beiläufig eine Kostenexplosion beim S-2-Ausbau verkündete, spielt die Region die Rolle des Bittstellers und willigen Zahlmeisters. Es ist aber das Geld des Steuerzahlers, das die Region ausgibt. Alternativen sind gefragt.




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