Pannenserie bei der Stuttgarter S-Bahn Region: S-Bahn muss endlich richtig informieren

Von wos 

Der Verband Region Stuttgart (VRS) will, dass die Bahn nach Pannen wie am Freitagabend künftig schnell und umfassend informiert – und zwar nicht nur den VRS, sondern auch die von den Verspätungen betroffenen Fahrgäste.

Viele Fahrgäste sind inzwischen von den Pannen bei der S-Bahn genervt. Foto: Steinert
Viele Fahrgäste sind inzwischen von den Pannen bei der S-Bahn genervt. Foto: Steinert

Stuttgart - Nach dem jüngsten S-Bahn-Zwischenfall am Freitag hat der Verband Region Stuttgart (VRS) die Bahn aufgefordert, Fahrgäste bei Zwischenfällen und Verspätungen endlich rasch und richtig zu informieren. Wie berichtet, hatte eine S-Bahn am Freitagabend gegen 17 Uhr vor der Station Stadtmitte die Oberleitung abgerissen. Danach kam es im gesamten Zugverkehr über Stunden zu chaotischen Zuständen.

Die Informationspolitik der Bahn war desaströs“, kritisierte VRS-Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler. Auf dem im Herbst geplanten S-Bahn-Gipfel müsse es eine genaue Analyse aller Probleme geben. „Es steht außer Frage, dass die Zuverlässigkeit des gesamten S-Bahn-Systems unter solchen Vorfällen leidet“, so Wurmthaler. „Ich erwarte eine vollständige und detaillierte Fehleranalyse.“ Bis jetzt sei nur klar, dass die betroffene S-Bahn technisch in Ordnung gewesen sei. „Wir erwarten von der Bahn einen vollständigen Unfallbericht“, so der VRS-Verkehrsdirektor.

Die Ursache für den Unfall ist laut Bahn noch nicht bekannt

Nach Auskunft der Bahn ist die Ursache für den Unfall allerdings noch nicht bekannt. „Die Untersuchungen laufen noch“, erklärte ein Sprecher. Die betroffene Oberleitung sei gemäß den Vorschriften überprüft worden. Anfang des Jahres habe es eine große Inspektion, im Mai eine Routinekontrolle gegeben. Bei der Information der Fahrgäste sei aber viel zu viel schief gelaufen. Man sei aber bereits dabei, diese Pannen genau zu untersuchen, hieß es am Montag bei der Bahn.

StZ-Leser schildern ihre Erlebnisse

Laut einem Augenzeugen hat sich bei dem Unfall in der Station Stadtmitte eine rund drei Meter lange und mit Isolatoren bestückte Eisenstange in der Klimaanlage der S-Bahn verkeilt. Dabei soll es sich um eine entfernbare elektrische Schiene handeln, mit der die 15 000-Volt-Oberleitung entkoppelt werden kann. Dieses Relikt stammt noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Damit sollte die Oberleitung im Ernstfall stromlos geschaltet werden, um die Station im Gleisbereich durch vier massive Tore abschotten zu können. Ende der 70er Jahre wurde die Haltestelle auch als Schutzraum mit Küche, Vorratsräumen, Toiletten sowie eigener Stromversorgung und Lüftungstechnik für 4500 Personen ausgebaut. Mehr als 1000 Menschen sollten in zwei in der Station stehenden S-Bahn-Langzügen notfalls Schutz finden.

In der Online-Ausgabe der StZ kommentierten zahlreiche Leser ihre Erlebnisse und Betroffenheit: „Vor der Haltestelle Stadtmitte hat es einen lauten Schlag getan, dann gab es um uns herum nur noch Feuer und Funkenflug. Weitere extreme laute Schläge folgten, die S-Bahn bebte, ich dachte, wir entgleisen. Dann fiel die Beleuchtung noch während der Fahrt aus. Mit letzter Kraft schleppte sich die S-Bahn zur Stadtmitte und Gott sei Dank ging der Notstrom und wir konnten die Türen öffnen. So etwas habe ich noch nie erlebt und will es auch nie wieder. Mir schlottern jetzt noch die Knie.“

S-Bahn-Nutzer kritisieren die Informationspolitik der Bahn

Viele Mitfahrer beschwerten sich auch massiv über die katastrophale Informationspolitik der Bahn. „Steigen Sie aus und nehmen Sie die U-Bahn“, wurde einem ratlosen Fahrgast an der Haltestelle Universität von Mitarbeitern des Schienenkonzerns empfohlen. Wo sich diese U-Bahn befinden sollte, konnte ihm allerdings niemand erklären. „Laufen sie einfach den Menschen hinterher.“




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