Panoramabahnstrecke in Stuttgart Zukunft der Gäubahntrasse klärt sich

Von Josef Schunder 

Manche Anwohner, die gehofft haben, dass mit dem neuen Stuttgarter Hauptbahnhof die Panoramabahnstrecke stillgelegt wird, werden enttäuscht sein. Die Trasse wird weiter gebraucht.

Anwohner hoffen auf Ruhe, doch die Trasse wird weiter gebraucht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Anwohner hoffen auf Ruhe, doch die Trasse wird weiter gebraucht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Manche Anwohner der Panoramabahnstrecke in Stuttgart freuen sich schon auf die Zeit nach der Inbetriebnahme des neuen Bahnknotens – weil bei ihnen Ruhe einkehren könnte, wenn die Gäubahnzüge via Flughafen zwischen dem neuen Tiefbahnhof und dem südlichen Landesteil verkehren. Doch der Zug fährt diesbezüglich in eine andere Richtung. Am Dienstag sind sich im Gemeinderats-Unterausschuss Stuttgart 21/Rosenstein die Repräsentanten von Stadt, Land und Region bezüglich der Modalitäten eines späteren Schienenverkehrs auf dieser Trasse näher gekommen. Dass sie angesichts des Bedarfs an mehr öffentlichem Nahverkehr „nicht den Eidechsen überlassen“ werden sollte, wie es Thomas Bopp (CDU) ausdrückte, hatte sich schon zuvor zum Konsens verdichtet. Der Regionalpräsident: „Die Nachnutzung ist auch ein Auftrag aus der Schlichtung zu S 21.“

Positives Signal für OB Kuhn

OB Fritz Kuhn (Grüne) erhielt erstmals ein Signal, dass die Stadt als Eigentümerin der Trasse nicht auf dem befürchteten Instandsetzungsaufwand in der Größenordnung von 80 Millionen Euro sitzen bleiben wird. Gerd Hickmann, Vertreter des Verkehrsministeriums, wollte „durchaus Mut machen“. Man werde ein Finanzierungsmodell finden. Auch die Bestellung von Fahrleistungen auf dieser Strecke könne man sich beim Land vorstellen. Das ist umso wichtiger, als sich nach Bopps Urteil der ­S-Bahn-Verkehr, dessen Träger der Verband Region Stuttgart (VRS) ist, auf dieser Strecke zunächst noch nicht rechnen wird. Bopp hat aber die wachsende Bevölkerung in der Region im Blick.

Engpass Hauptbahnhof meiden

Sechs bis neun Monate vor Inbetriebnahme von S 21 wird die Gäubahn im Bereich des heutigen Gleisvorfelds wegen der Neuordnung der S-Bahn-Trasse gekappt werden müssen. In der Sitzung herrschte Konsens darüber, dass die Panoramabahnstrecke dann eine zumindest interimsweise Endstation zwischen dem S-Bahnhof Nordbahnhof und der Stadtbahnhaltestelle ­Löwentorbrücke haben soll, nicht am Eckartshaldenweg. Das passt in den Plan der S-Bahn-Strategen des VRS, in Stuttgart und der Peripherie Umsteigepunkte zu schaffen, damit Fahrgäste den Engpass Hauptbahnhof vermeiden können. Auf lange Sicht erwägt man bei Stadt, Land und Region mehrere Varianten für die Nutzung der aufgelassenen Gäubahnstrecke. Das beginnt bei ihrer Anbindung an Feuerbach/Zuffenhausen über die S-Bahn-Strecke oder über Fernbahngleise. Davon erhofft sich Bopp langfristig eine am Zentrum vorbei laufende Verbindung zwischen den Siedlungsschwerpunkten und prosperierenden Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg. Die Engpässe im Streckenzulauf von Norden in Richtung Hauptbahnhof zu beseitigen, gilt ohnehin als besonders dringlich.

Weitere Tunnel und Spangen

Daneben gibt es etliche Ideen, das ÖPNV-Netz mit weiteren Tunneln und Spangen zu verbessern. Die Bewertungen waren nicht durchweg einmütig. Dass von der künftigen S-Bahn-Station Mittnachtstraße eine zusätzliche Gleisverbindung zum neuen Tiefbahnhof nötig ist, glaubt die CDU nicht. Dagegen fanden die Grünen, man sollte diese Option wahren. SSB-Technikvorstand Wolfgang Arnold warf ein, man brauche nicht nur für Tangentialverkehre ums Zentrum herum Optionen, sondern auch für mehr Kapazität auf den Radialverbindungen, also auf den durchs Zentrum führenden Linien.

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