Panoramacafé in Stuttgart-Degerloch Neues vom Bauprojekt in bester Lage

Dieser Blick vom Haigst auf die Innenstadt soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Foto: Tilman Baur
Dieser Blick vom Haigst auf die Innenstadt soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Foto: Tilman Baur

Auf dem Haigst in Stuttgart-Degerloch werden diese Baupläne kontrovers aufgenommen. Inzwischen hat der beauftragte Architekt das Objekt mit Panoramacafé bis zur Bauauftragsreife vorangetrieben.

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Degerloch - Eine Baufläche von knapp 400 Quadratmeter ist nicht gerade groß für Stuttgarter Verhältnisse. Doch die, um die es auf dem Haigst geht, hat es in sich: Dort ist eine sehr gediegene Wohngegend und der Santiago-de-Chile-Platz, eine Terrasse mit einem tollen Blick auf die Innenstadt. Dort ist auch ein Kiosk aus den 1950er Jahren. Die Frage, was aus diesem wird und was auf dem Grundstück dort geschehen soll, beschäftigt und entzweit die Anwohner.

Der Architekt Martin Stoll hat den Auftrag für die Umgestaltung erhalten. Eines macht er klar im Gespräch: Das Stichwort Panoramacafé möchte er im Zusammenhang mit diesem Objekt vermeiden. „Das ist ja nur ein kleiner Aspekt“, so Stoll. Konkret seien das gerade mal 60 Quadratmeter des Gesamten.

Alarmglocken wegen möglichen Events

Doch genau da schrillen bei vielen die Alarmglocken. Die Furcht ist groß vor einer Verlagerung der Event-Szene raus aus der Innenstadt. Und es gelte, viele Detailfragen zu lösen. Etwa: Welcher Baum wird künftig an dieser prominenten Stelle stehen? „Das wird ein Spitzahorn“, verrät Stoll, „das ist mit dem Gartenamt so abgesprochen. Der jetzige Baum ist schon ziemlich alt und nicht mehr verkehrssicher genug. Aufgrund des Klimawandels müssen die Spezialisten entscheiden, welche Baumsorten für solch exponierte Lagen geeignet sind“. Die Aufgabe des Architekten: „Es muss gut Platz da sein für das Wurzelwerk innerhalb dieses Bauvorhabens.“ Weitere Themen rund ums Projekt am Haigst sind: Was tun gegen mögliche Graffiti-Schmierereien? Wie sieht es mit den Öffnungszeiten aus? Und dann gibt es noch die klassischen Aufgaben eines Architekten, etwa die Außengestaltung des Gebäudes. Zur Stadtseite hin werde die Fassade nach dem Vorbild der Weinberg-Terrassenmauern gestaltet, die es dort ja noch gebe im Umfeld. Und zur Alten Weinsteige hin solle die Fassade durchgehend geschlossen sein, damit sich die Anwohner nicht gestört fühlen. Sie dürfen sich stattdessen auf den Blick auf ein begrüntes Dach freuen. „Das wird schon sehr intensiv begrünt“, so Stoll.

Nicht alle wollen zum Marienplatz oder nach Degerloch

Für Anwohner soll aber noch ein anderer Mehrwert entstehen. Stoll geht es hier nach eigenen Angaben vor allem um die Nahversorgung. Dafür gebe es durchaus Befürworter unter den Haigst-Bewohnern, die nicht immer runter zum Marienplatz oder rauf nach Degerloch wollen. Klar ist: Für einen Discounter sei eine Verkaufsfläche von 140 Quadratmeter keine Option. „Das könnte die Kette Naturgut sein, ein Demeter-Laden wie die Eselsmühle oder die Kombination von Manufactum mit Brot & Butter wie in der Innenstadt“. Aber das alles ist ja nicht die Entscheidung von Stoll. Er schafft die Voraussetzungen dafür, dass dies vor allem für die Anbieter von hochwertigen Produkten attraktiv wird. Dazu gehört eine flexible Raumbelegung: Verkauf und Café-Gastronomie können getrennt wie zusammen betrieben werden.

Zur Nahversorgung gehören ein paar Parkplätze für einen Lieferservice in der näheren Umgebung. Stoll: „Da ist mit der Stadt vereinbart, dass dieser eine Ausnahme zum Befahren der Alten Weinsteige bekommt wie die Taxen und Anwohner.“ Weitere Parkmöglichkeiten sind nicht vorgesehen. Es bleibt Sache des Ordnungsamts, dort einzugreifen bei zu viel Schleichverkehr.

Das komplette Umfeld sollte neu gestaltet werden

Stoll sieht andere Möglichkeiten in der Verkehrsplanung: „Das komplette Umfeld sollte von der Haigstkirche aus einheitlich neu gestaltet werden unter Fußgängeraspekten. Die SSB will ja auch die Zahnradbahn-Haltestelle vor Ort neu gestalten. Da könnte was Neues aus einem Guss entsteht“. Aber das ist nicht seine Baustelle. Stoll hatte zuletzt vor allem damit zu tun, den umfangreichen Fragenkatalog der Stadt mit den hier erwähnten Themen abzuarbeiten und hofft, dies erfolgreich abgeschlossen zu haben. Stoll: „Jetzt wird daraus hoffentlich ein Bauauftrag.“ Nach seiner Erfahrung dauert es meist ein Jahr bis zum ersten Spatenstich.

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