Panzerkaserne in Böblingen Nach 26 Jahren hat der Schießlärm ein Ende

Trotz Pandemie: Eine kleine Feier zum Baubeginn des Schallschutzes musste sein. Foto: Stadt Böblingen

Die Bauarbeiten für den Schallschutz auf dem Areal der Böblinger Panzerkaserne haben begonnen. Bald sollen sich die Nachbarn nicht mehr wie auf dem Schlachtfeld fühlen. Warum hat es nun doch noch geklappt?

Böblingen - Mehr als ein Vierteljahrhundert hat Ulrich Durst auf diesen Tag gewartet. Dass er ihn wirklich noch erleben würde, daran hatte der Mann in den 80ern zeitweise selbst nicht geglaubt. Doch am Dienstag vergangener Woche war es soweit: Feierlich wurde der Baubeginn eines Lärmschutzes für die Schießanlage der US-Army auf dem Areal der Panzerkaserne begangen. Trotz Coronapandemie wimmelte es beim Feierakt von Promis: der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz – der dritte OB, der sich mit dem Thema Schießlärm befasst hat –, die Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger, der Noch-Kommandant der US-Army in der Region Stuttgart Colonel Jason Condrey und sein Nachfolger Colonel Matt Ziglar, außerdem die Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz (CDU) und Florian Toncar (FDP), die sich für den Schallschutz eingesetzt hatten.

 

„Ein Leben wie auf dem Schlachtfeld“, hieß es

Vor Ort waren auch Ulrich Durst und seine Nachbarn Lucienne Graupe und Dieter Schühle, die Ulrich Durst in den vergangenen Jahren beim Kampf gegen den Schießlärm unterstützt hatten. Sie alle wohnen Luftlinie nur 300 Meter von dem Gelände entfernt. Dauerfeuer und Kanonenschläge bestimmten ihren Alltag, oft bis in die späten Abendstunden hinein. „Ein Leben wie auf dem Schlachtfeld“, hat Durst das Wohnen auf dem Rauhen Kapf einmal genannt.

Als Durst vor 40 Jahren ins Wohngebiet zog, da gab es die US-Army als Nachbarn nebenan bereits und auch den Schießstand. Doch das war anfangs kein Problem. Es wurde nur selten dort trainiert, die Lärmbelästigung war auszuhalten. Das änderte sich in den 1990er Jahren, als die Armee die so genannte Range ausbaute und zum zentralen Trainingsplatz für ihre Soldaten aus den Krisengebieten in aller Welt machte.

Schallgutachten bestätigten, dass es zu laut sei

Die ständige Dauerbeschallung mit Schusssalven zermürbte die Anwohner. 1995 gründeten sie eine Bürgerinitiative gegen den Schießlärm. Anfangs wurden sie belächelt, doch bald erhielten sie Unterstützung durch die Bundestagsabgeordneten. Der frühere CDU-Abgeordnete Clemens Binninger brachte das Thema Böblinger Schießlärm schließlich ins Verteidigungsministerium nach Berlin. Uns es begann die Zeit der Runden Tische. Dort saßen Vertreter der US-Army mit dem Böblinger OB zusammen. Schallgutachten wurden erstellt, die den subjektiven Eindruck der Anwohner bestätigten: Es war dauerhaft viel zu laut im Wohngebiet Rauher Kapf.

Eine Lösung wurde gefunden: Eine Kassettendecke sollte die offenen Schießbahnen vier und fünf dämmen. Doch dann scheiterte die Umsetzung am Geld. Denn das muss vom Senat in Washington genehmigt werden. Der Schießlärm ging weiter, der Unmut in der Bevölkerung wuchs. „Die Amis machen, was sie wollen ohne Rücksicht auf ihre Nachbarn und die geltenden Gesetze“, so der Tenor.

Am Ende erweist sich die US-Army als guter Nachbar

Der Kampf der Bürgerinitiative ging weiter, Ulrich Durst erhielt Unterstützung von neuen Nachbarn. Diese waren auf den Rauhen Kapf gezogen, weil sie der Zusage zum Schallschutz geglaubt hatten. Ein deutscher General in der US-Army, Markus Laubenthal, brachte im Jahr 2015 wieder Bewegung in die unendliche Geschichte. Doch es sollte noch weitere sechs Jahre dauern, bis endlich mit den Bau eines Lärmschutzes begonnen wird. Auch die Stadt Böblingen hat mitgeholfen: Sie trägt 300 000 Euro der mindestens 1,5 Millionen teuren Arbeiten, den Großteil zahlt die Army.

Bereits im April war mit dem Abriss der bestehenden Bahnen begonnen worden. „Man sieht, dass schon gearbeitet wurde“, stellte Ulrich Durst bei seinem Besuch auf der Baustelle zufrieden fest. Glücklich sind er und seine Mitstreiter, dass es während der einjährigen Bauphase deutlich ruhiger werden wird. Denn der Schießbetrieb auf den Bahnen vier und fünf muss solange eingestellt werden. Wenn der Schallschutz fertig ist, wird das Leben auf dem Schlachtfeld endgültig vorbei sein, davon ist Durst überzeugt. Er dankte dem scheidenden Colonel Condrey: „Sie werden in der Erinnerung der verantwortungsbewusste Nachbar bleiben.“

Für die Anwohner ein historischer Tag

Die Presse, die den Kampf der Bürgerinitiative zwei Jahrzehnte mitverfolgt hatte, war zum Festakt nicht geladen. Drei Tage brauchten Stadt und Army, um eine Mitteilung darüber zu verfassen – unverständlich für die Anwohner. Für sie markiert der Baubeginn des Schallschutzes ein historisches Ereignis, das einer Würdigung wert ist.

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