Papierkunststipendium Waiblingen Ein Stelldichein der Papierkünstler im Sommer

Die Papierbildhauerin Angela Glajcar nutzt im Sommer die Galerie Stihl Waiblingen als Atelier. Rechts ist eine ihrer Papierskulpturen zu sehen. Foto: Maximilian Brucker/Gottfried Stoppel

Angela Glajcar erschafft raumfüllende Papierinstallationen und arbeitet diesen Sommer öffentlich in Waiblingen. Zudem sind drei Nachwuchskünstler ebenfalls vor Ort tätig.

Wer beim Wort Papierkunst an Begriffe wie leicht, fragil oder zart denkt, liegt im Fall der Arbeiten von Angela Glajcar ziemlich falsch. Die deutsche, international gefragte Künstlerin erschafft aus handgerissenen Papierfragmenten beeindruckende Installationen mit räumlichem Charakter. Eine riesige Raumskulptur dieser Art mit dem Titel „Papier ist (un)geduldig“ war im Jahr 2024 in der Waiblinger Michaelskirche zu sehen.

 

In diesem Jahr kommt Angela Glajcar selbst nach Waiblingen (Rems-Murr-Kreis): Sie ist Hauptstipendiatin des zum zweiten Mal vergebenen Papierkunststipendiums der Stadt Waiblingen, arbeitet mehrere Wochen vor Ort in Waiblingen und zeigt anschließend in der Galerie Stihl Waiblingen ihre bundesweit erste und umfangreiche monografische Werkschau mit einem Rückblick auf die vergangenen 20 Schaffensjahre. Die Papierbildhauerin hatte zunächst mit Holz und Metall gearbeitet, aber während der Konzeption ihrer schweren Skulpturen den zweidimensionalen Werkstoff Papier entdeckt.

Zudem ist sie Mentorin für drei Nachwuchskünstlerinnen und -künstler, die ab Mitte Juni das Kameralamt als Atelier nutzen dürfen. Mehr als 500 Kunstschaffende aus fünf Kontinenten haben sich für ein Stipendium beworben. Nun steht fest, wer im Sommer nach Waiblingen kommt: die Niederländerin Aleida van Dijk, der Chilene Rodrigo Arteaga und Kuan Lin Chen aus Taiwan.

Stipendiaten aus Taiwan, Chile und den Niederlanden

Aleida van Dijk, darunter Rodrigo Arteaga, rechts Kuan Lin Chen Foto: Aleida van Dijk/Kuan Lin Chen/Lisa Whiting

Aleida van Dijk, Jahrgang 1966, hat ihr Studium an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste 2023 in Den Haag abgeschlossen. Das künstlerische Schaffen der Niederländerin zeichne sich durch beeindruckende Vielseitigkeit aus und umfasse detailreiche Monumentalzeichnungen, räumliche Papierarbeiten und Multimedia-Projekte, heißt es vonseiten der Jury.

Der Chilene Rodrigo Arteaga, geboren 1988, studierte an der Kunstschule des University College London. In Arteagas Werken sei Papier als Material ständig präsent, als Ausdrucksmittel unterliege es jedoch einem ständigen Wandel, beschreiben die Juroren seine Arbeiten. „Der Künstler platziert das Papier in überraschend vielseitige Kontexte und untersucht damit auf einzigartigen Wegen Fragen in Relation zu Kultur und Natur.“

Auch in der Arbeit des dritten Stipendiaten, des Taiwanesen Kuan Lin Chen, der 1997 geboren wurde, spielt Papier eine wichtige Rolle – allerdings aus der Perspektive eines Fotokünstlers. Kuan Lin Chen studierte an der Nationalen Universität der Künste in Taipeh und erforscht Papier anhand von Fotodokumentationen, gesammelten Materialien sowie experimentellen Formen hinsichtlich seiner sozialen und materiellen Geschichte. Er zeichnet den Lebenszyklus von Papier nach – von der Forstwirtschaft bis hin zum Blatt Papier als Träger der Erinnerungen. Die in Waiblingen entstandenen Arbeiten präsentieren die Stipendiatinnen und Stipendiaten vom 25. Juli bis zum 18. Oktober in Waiblingen.

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