Papst Franziskus ist im Vatikan angekommen: Er pflegte den Kontakt zu den Menschen und scheut auch nicht davor zurück, seinen Bischöfen und Kardinälen unangenehme Wahrheiten zu sagen. Die Kurie weiß noch nicht so recht, wie sie damit umgehen soll.

Doch, gibt etwas, das Franziskus in seinen zwei Monaten als Papst noch nicht verändert hat. „Brüder und Schwestern!“, sagt er, wenn er die immer größeren Massen auf dem Petersplatz anspricht: Die Männer kommen im vatikanischen Sprachgebrauch immer noch zuerst. Alles andere am Erscheinungsbild dieses Papstes ist neu. Verschwunden sind aus den Gottesdiensten die „Gardinen“, jene fast nur aus Spitze bestehenden Chorröcke seiner Assistenten; Jorge Mario Bergoglio selbst hat sich bisher keines jener Messgewänder aus Goldbrokat umgelegt, die seinen körperlich sowieso zarteren Vorgänger Benedikt XVI. fast erdrückt haben und die dessen Festgottesdiensten eine Ästhetik anderweitig verflossener Kirchenpracht verliehen. Franziskus bleibt bei seinem eigenen, schlichten Messgewand, das er im Koffer aus Buenos Aires mitgebracht hat. Und nicht nur, dass er auf die roten Schuhe verzichtet, die Joseph Ratzinger als Papst für unentbehrlich hielt: bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch trug Franziskus zum Entsetzen seiner auf formale Ästhetik getrimmten Umgebung unter der weißen Soutane wieder einmal seine schwarze Klerikerhose.

Das herrschaftliche barocke Schau-Ambiente des Apostolischen Palasts benutzt Franziskus höchstens vormittags: zum Empfang von Staatsgästen. Den Rest erledigt er im Hotel. „Außerordentlich wohl“ fühle dieser Papst sich dort, im vatikanischen Gästehaus Sankt Martha, sagt Pressesprecher Federico Lombardi. Da hat er zwar – anders als Benedikt – keine vier Schwestern, die ausschließlich ihn umsorgen; da kocht eine Mannschaft für bis zu 120 Gäste gleichzeitig, und Franziskus isst mit allen zusammen im Speisesaal. „Heiliger Vater, darf ich mich zu Ihnen setzen?“, sprach ihn dort der junge philippinische Kardinal Luis Tagle an: „Aber bitte doch, Heiliger Sohn“, antwortete Franziskus. Und während unter seinem Vorgänger selbst die Chefkardinäle großer Kurienbehörden monatelang warten mussten, bis man sie ins päpstliche Appartamento vorließ, berichten nun viele im Vatikan, es sei ein Leichtes, mit Franziskus ins Gespräch zu kommen – oder besser: Kontakt suche und halte er von sich aus.

Jeden Morgen um sieben Uhr beispielsweise. Die Frühmesse des Papstes in der Kapelle des Gästehauses ist zu einem Referenzpunkt für dieses Pontifikat geworden. Da feiert mit, wer gerade im Sankt Martha wohnt; da werden Vatikanbedienstete eingeladen (und jeder mit Handschlag begrüßt); da predigt Franziskus Tag für Tag. Gegen eine Kirche, die auf sich selber bezogen ist und nicht hinausgeht „in die Peripherie der Städte und des Geistes“. Gegen „diese Salon-Christen, die hier auch unter uns sind, nicht wahr: diese Wohlerzogenen, Braven, die der Kirche aber keine Kinder schenken, weil sie die apostolische Leidenschaft nicht haben, Christus zu verkündigen, und weil sie die Welt nicht aufrütteln, nicht stören“.

Er predigt in volkstümlicher Sprache

Den Bischöfen und Priestern seiner Kirche sagt er, sie sollten sich „nicht lächerlich machen und der Kirche schaden, indem sie dem Geld und der Karriere folgen“. Seine Zuhörer bittet Franziskus: „Betet für uns Hirten, dass wir arm bleiben, demütig, milde, im Dienst am Volk.“ An anderer Stelle drückte er es ganz direkt aus: „Der Hirte muss riechen nach seinen Schafen.“ Den Nachsatz verkniff sich Franziskus, aber jeder konnte ihn sich denken: „. . . und nicht nach Weihrauch.“

Es sind kurze, aber eindringliche Predigten. In volkstümlicher Sprache. Alle aus dem Stegreif. Nach dem großen Gott-ist-Barmherzigkeit-Auftakt zu Ostern legen sie schrittweise das Denken dieses Papstes offen, und doch veröffentlicht der Vatikan sie nur in Auszügen. Warum? Um dem Papst die Freiheit zu spontaner, ungeschützter Rede nicht zu nehmen, meinen die einen; Pressesprecher Lombardi sagt, für eine Veröffentlichung müssten die Predigten in Schriftform gebracht werden, „da ginge die Originalität des Mündlichen verloren“. Wie auch immer: das vatikanische Betriebssystem unterstützt dieses neue Format päpstlich-lehramtlicher Äußerungen bis jetzt nicht.

Eine unter diesen Predigten hat besonderes Aufsehen erregt, weil Franziskus sie – mit Hinweis auf den Termin – genau am Geburtstag von Benedikt XVI. hielt, am 16. April. Da vermerkte er in geradezu dramatischer Rede, dass das Zweite Vatikanische Konzil, die große Versammlung zur Kirchenreform, auch nach fünfzig Jahren nicht richtig umgesetzt sei: „Das Konzil war ein schönes Werk des Heiligen Geistes; wir errichten ihm ein Denkmal, aber wir wollen nicht, dass es uns in unseren schönen, bequemen Gewohnheiten stört. Wir wollen nichts verändern, einige wollen sogar zurück.“ Damit aber, fuhr Franziskus fort, „werden wir starrsinnig. Wir wollen den Heiligen Geist zähmen. So geht’s nicht. So werden wir dumm und im Herzen schwerfällig. Der Heilige Geist stört uns, weil er will, dass wir weitergehen. Er drängt die Kirche voran, voran, voran.“

Von fundamentalen Reformen will der Papst nichts wissen

Zwar betonte der Vatikan – jedenfalls bis zu Franziskus’ Konzilspredigt – unausgesetzt, dass theologisch zwischen Benedikt XVI. und seinen Nachfolger „kein Blatt Papier“ passe, der neue Ansatz war gleichwohl unübersehbar: Benedikt hatte im Hinblick auf die Veränderungen des Zweiten Vatikanisches Konzils zwar auch von einer „Hermeneutik der Reform“ gesprochen, diese aber einer „bruchlosen Kontinuität“ untergeordnet.

Kirchenreformen, hatte Benedikt XVI. gesagt, hätten in Zeiten der Glaubenskrise keinen Platz. Von Kirchenreformen hat auch Franziskus bisher nicht gesprochen – jedenfalls nicht in dem Sinn, wie sie in Basiskreisen immer wieder gefordert werden: Abschaffung des Zölibats, Frauenpriestertum, Liberalisierung der Sexualmoral beispielsweise. Kein Wort dazu, bisher. Schon zu Kardinalszeiten hat sich Jorge Mario Bergoglio „an jenen Predigten“ gestört, die „Christus verkünden wollen und doch nur bei Sexualfragen landen“. Der weit größere Schatz des Heiligen Geistes werde vernachlässigt, wenn man nur über das Verbot von Kondomen rede, sagte er damals. Und: „Ich bin davon überzeugt, dass in der aktuellen Zeit die fundamentale Entscheidung der Kirche nicht darin besteht, Vorschriften abzumildern oder zu streichen, sondern auf die Straßen zu gehen, um die Leute zu suchen.“ Dabei, das wiederholte Franziskus jetzt, „können Unfälle passieren, aber eine verunglückte Kirche ist mir tausendmal lieber als eine, die von der verdorbenen Luft in ihrem Zimmer krank wird“.

Eine Kirchenreform, das wird jetzt immer deutlicher, besteht für Franziskus auch nicht darin, dass irgendeine Amtskirche vorangeht und dass die Gläubigen auf sie wie auf einen Babysitter warten, sondern dass sie ihre eigenen Auftrag als Getaufte ernst nehmen. In Japan, sagt er gerne, seien Missionare einmal verboten gewesen. „Als sie nach zwei Jahrhunderten zurückdurften, fanden sie die einstigen Gemeinden wieder vor, alle getauft, alle christlich verheiratet, der Glaube intakt. Ohne jeden Priester. Nur weil die Laien den Mut aufgebracht haben, die Sache weiterzutreiben.“

Der kuriale „Ministerrat“ ist noch nicht zusammengetreten

Die Kurienreform, also der Umbau des vatikanischen Apparats, ist eine andere Sache. Franziskus hat dafür acht Kardinäle aus aller Welt zu einem für die katholische Kirche neuartigen Beratergremium zusammengeholt. Sie sollen auch – darauf hatten die Kardinäle bei den Beratungen zum Konklave einhellig gedrungen – dafür sorgen, dass die „vielfältige Stimme der Weltkirche“ in Rom mehr Gehör findet. Noch sind die Herren nicht zusammengetreten, „aber jeder einzelne“, sagt Pressesprecher Lombardi, „kommt ab und zu in Rom vorbei, und es kann sein, dass sich der Papst mit ihnen trifft“. Eine Tagung der „acht Weisen“ hat Franziskus erst für Oktober einberufen: „Er will sich und ihnen Zeit lassen zur Vorbereitung“, sagt Lombardi. Der Papst selbst verschaffe sich ja derzeit erst einen Überblick, „in vielen Gesprächen mit allen möglichen Leuten und auch in langen, einzelnen Audienzen mit den Verantwortlichen in der Kurie selbst“.

Eines hat auch Franziskus aber bisher unterlassen: er hat die Chefs der Kurienbehörden noch nie zu einer gemeinsamen „Ministerrunde“ versammelt. Benedikt XVI. hat das auch nur höchst selten getan; ihm aber wurde nicht zuletzt deshalb der Vorwurf gemacht, es gebe keine Koordination in der Kirchenleitung, jeder arbeite auf eigene Faust vor sich hin. Warum Franziskus das nicht ändert, bleibt offen. Die wahrscheinlichste Erklärung, so heißt es in Rom, bestehe darin, dass er die „Minister“ sowieso nur vorläufig im Amt bestätigt hat, „bis anderes verfügt wird“. Danach werde man weitersehen.

Zeit glaubt Franziskus offenbar zu haben – trotz seiner 76 Lebensjahre. Leute, die den Argentinier aus seiner Zeit in Buenos Aires kennen, sagen, er sei sich in seiner Geradlinigkeit absolut treu geblieben, aber als Papst noch sichtlich stärker geworden. Das scheint auch Franziskus selbst so zu sehen. Sein Amt übt er mit größter Selbstverständlichkeit aus – er, der vor acht Wochen „vom Ende der Welt“ kam, nur mit einem Koffer, ohne weitere persönliche Gegenstände, ohne Bücher, ohne Mitarbeiter, und der in Rom praktisch von null neu angefangen hat.

Die Bedeutung des Pfingstfestes

Bedeutung Am Pfingstfest, dem „Geburtstag der Kirche“, wird das Kommen des Heiligen Geistes gefeiert. Das Fest ist der dritte Höhepunkt des Kirchenjahres nach Weihnachten und Ostern und steht heute eher für Andacht als für Freizeitgenuss. Dabei hat das Pfingstwunder, wie es die Bibel schildert, eine ordentliche Portion Dramatik.

Geschichte Die Jünger, so heißt es im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte, waren beieinander. Ein gewaltiger Wind, ein Brausen vom Himmel setzte ein. „Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer . . . und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen.“

Taufe Anschließend habe Petrus das Evangelium verkündigt. Tausende wurden getauft. Die erste christliche Gemeinde entstand. Der Name Pfingsten kommt vom griechischen „pentekoste“, womit der fünfzigste Tag nach dem Passah gemeint ist. So folgt Pfingsten sieben Wochen nach dem dieses Jahr auch frühen Ostertermin