Papst in Südamerika Franziskus ruft zur Rettung des Regenwalds auf

Von red/dpa/AP 

Tief im Amazonasgebiet fordert der Papst ein Ende der Rodung des Regenwalds und des Abbaus von Bodenschätzen. Die Ureinwohner müssten als erste Hüter der Zukunft „unseres gemeinsamen Zuhauses“ anerkannt werden.

Papst Franziskus im peruanischen Puerto Maldonado. Foto: Agentur Andina/dpa
Papst Franziskus im peruanischen Puerto Maldonado. Foto: Agentur Andina/dpa

Puerto Maldonado - Tief im peruanischen Amazonasgebiet hat Papst Franziskus zu Erhalt und Rettung des riesigen Regenwaldes in Südamerika aufgerufen. Die rücksichtslose Rodung und Ausbeutung von Bodenschätzen müssten beendet und die Ureinwohner als erste Hüter des Waldes anerkannt werden. Sie sollten über die Zukunft des Regenwaldes entscheiden, sagte Franziskus am Freitag nach seiner Ankunft in Puerto Maldonado.

Tausende indigene Gläubige hatten Franziskus einen freundlichen Empfang bereitet. Der Papst erklärte den Amazonas zum „Herzen der Kirche“ und rief zur dreifachen Verteidigung des Lebens in ihm, seines Landes und seiner Kulturen auf. Denn die Ureinwohner seien mehr in ihrer Existenz bedroht als je zuvor, sagte Franziskus. Regierungen und Institutionen müssten sie als gleichberechtigte Partner behandeln, wenn über Bau- und andere Projekte verhandelt werde. Ihre Rechte, Kultur, Sprache und Tradition müssten respektiert werden. Er sagte: „Ihr seid lebendes Gedächtnis der Mission, die Gott uns allen aufgetragen hat: Den Schutz unseres gemeinsamen Zuhauses.“

Franziskus verurteilt Gewalt gegen Frauen

Franziskus verurteilte die Unterdrückung von Frauen im Amazonas, von denen viele in die Prostitution gezwungen würden. Es sei schmerzlich zu sehen, wie „so viele Frauen entwürdigt, verunglimpft und endloser Gewalt ausgesetzt werden“. Das finde oft in Bars von Goldgräbersiedlungen statt. „Wir dürfen die Gewalt nicht als normal hinnehmen. Damit würde eine Macho-Kultur aufrechterhalten, die die maßgebliche Rolle der Frauen in unseren Gemeinschaften nicht anerkennt.“

Die Goldsucherstadt im Regenwald wird teilweise von Verbrecherbanden kontrolliert. Sie zwingen Mädchen und junge Frauen in Bordellen zur Prostitution. „Die Gewalt gegen Jugendliche und Frauen ist ein Klageschrei, der zum Himmel steigt“, sagte Franziskus. „Tun wir nicht so, als sei alles in Ordnung. Es gibt viele Arten von Mittäterschaft. Die Frage geht uns alle an.“

Gier mache korrupt

Ferner mache die Gier nach Gold Menschen und Institutionen korrupt und ruiniere den Wald, sagte der Papst. Er verurteilte die „falschen Götter der Habgier, des Geldes und der Macht“, die die Suche nach Gold und anderen Bodenschätzen im Amazonas antrieben und dessen empfindliches Ökosystem zu zerstören drohten.

Viele Gläubige riefen und winkten dem Papst in den Straßen der Stadt nahe der bolivianischen Grenze zu. Andere liefen mit Ballons in den Vatikanfarben weiß und gelb neben seiner Autokolonne her. In Chile, wo Franziskus Anfang der Woche gewesen war, hatte es Proteste gegen seinen Besuch gegeben und es waren auch weniger Menschen auf den Straßen.

Ein führender Vertreter der Ureinwohner, Hector Sueyo, sagte dem Papst, die Ureinwohner fürchteten, dass die Bäume am Amazonas gefällt, die Flüsse vergiftet und die Fische sterben würden. „Der Himmel ist zornig und weint, weil wir den Planeten zerstören“, sagte Sueyo.