Para-Leichtathlet vom VfB So quält sich Niko Kappel zu WM-Gold

Freude über den WM-Sieg: Niko Kappel Foto: imago/Beautiful Sports

Der kleinwüchsige Kugelstoßer vom VfB Stuttgart holt, geplagt von Ellbogen-Schmerzen, seinen dritten Para-WM-Titel – und jubelt über einen „Sieg auf der letzten Rille“.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Bei der Eröffnungsfeier der Para-WM der Leichtathleten in Neu-Delhi trug Kugelstoßer Niko Kappel die deutsche Fahne, er strahlte dabei übers ganze Gesicht. Doch schon bei dieser feierlichen Zeremonie ist das große Problem des Kugelstoßers vom VfB Stuttgart nicht zu übersehen gewesen: Der rechte Ellbogen von Niko Kappel war dick bandagiert. Trotzdem reichte es in der Nacht zum Dienstag zum großen Coup – nach einem Wettkampf voller Schmerzen.

 

Der kleinwüchsige Kugelstoßer gewann in der Klasse F41 die Goldmedaille, es war sein dritter Titel bei einer Weltmeisterschaft nach 2017 und 2024. „Mir tut alles weh. Mein Ellbogen, meine Finger, alles. Aber das ist mir gerade scheißegal. Heute ging es um den Titel. Und den habe ich gewonnen. Deshalb bin ich extrem erleichtert“, sagte Niko Kappel (30) nach dem Wettkampf, „ich habe die Zähne zusammengebissen und alles rausgehauen, was ging. Aber es war ein Sieg auf der letzten Rille.“

Niko Kappel bedankt sich bei den Medizinern

Schon seit Mitte Juni plagen den kleinwüchsigen Athleten Probleme mit dem Ellbogen, zwei freie Gelenkkörper behinderten die Vorbereitung auf die WM, nach der nun wohl eine Operation unumgänglich ist. In den Wettkampf ging Niko Kappel folglich alles andere als fit. Ihm fehlten mehr als 800 Trainingsstöße, dazu kamen die Schmerzen. Aber auch ein glückliches Ende.

WM-Start unter Schmerzen: Niko Kappel stieß in Neu-Delhi mit dick bandagiertem Ellbogen. Foto: imago/Beautiful Sports

Vor den Titelkämpfen war der Weltrekordler (15,07 Meter) noch davon ausgegangen, dass eine Weite von mindestens 14 Meter nötig sein würde, um gewinnen zu können. Er selbst kam dann in der indischen Hauptstadt trotz seiner Verletzungsprobleme auf 13,34 Meter, womit er angesichts der Umstände jedoch zufrieden sein musste – und es auch sein durfte, denn seine Kontrahenten waren weniger stark als erwartet. Kappels Dauerrivale Bobirjon Omonov (Usbekistan), der 2024 bei den Paralympics in Paris triumphiert hatte, kam diesmal nur auf 12,36 Meter, Bronze ging an den Russen Aiaaal Sivtsev (11,98 Meter). Doch die erzielten Weiten und sein Vorsprung von fast einem Meter waren Niko Kappel am Ende völlig egal – was zählte, war allein die Goldmedaille.

Einen großen Dank richtete der Para-Leichtathlet vom VfB Stuttgart anschließend an seine Ärzte und Physiotherapeuten. „Ohne sie alle hätte ich hier nicht mal an den Start gehen können“, sagte Niko Kappel, „mein letztes Training in der Vorbereitung in Belek war so katastrophal, dass wir überlegt haben, ob ich überhaupt nach Neu-Delhi weiterreise. Aber vor Ort haben wir uns in drei Einheiten nochmal berappelt. Und am Ende war jeder Stoß bis auf einen weiter als das, was ich zuletzt im Training gestoßen habe. Deshalb ist die Erleichterung riesig.“

Bei Yannis Fischer überwog derweil die Enttäuschung. Der zweite Kugelstoßer vom VfB Stuttgart, der in der Klasse F40 der kleinsten Kleinwüchsigen startet, wurde wie schon bei der WM vor einem Jahr Vierter. Er kam auf 10,63 Meter, verpasste das Podest knapp. Der Sieg ging an den Russen Denis Genzdilov, der einen Weltrekord stieß (11,92 Meter). Dahinter folgten Miguel Monteiro (Portugal/11,31 Meter) und Garrah Tnaiash (Irak/10,86 Meter). „Es ist ärgerlich, wieder Vierter geworden zu sein“, sagte Yannis Fischer, „diesmal war es knapper, es haben nur 23 Zentimeter gefehlt. Ich dachte, dass ich das noch aus mir rausholen kann, aber am Ende habe ich es leider doch nicht geschafft. Ich gehe mit gemischten Gefühlen raus, ich hätte mega gerne Bronze geholt.“

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