Paracelsus-Gymnasium Schule bangt um Mittagstisch

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Am Paracelsus-Gymnasium in Hohenheim wird künftig eine bezahlte Küchenkraft in der Schulmensa aushelfen. Denn dem Gymnasium gehen die ehrenamtlichen Helfer aus. Einfacher dürfte es dadurch trotzdem nicht werden.

Immer weniger ehrenamtliche Helfer unterstützen die Mensa des Plieninger Gymnasiums. Das hat Gründe Foto: dpa
Immer weniger ehrenamtliche Helfer unterstützen die Mensa des Plieninger Gymnasiums. Das hat Gründe Foto: dpa

Plieningen - Eines steht auf jeden Fall schon fest: Das Mittagessen für die Schüler des Paracelsus-Gymnasiums (PGH) wird von September an teurer werden. Um wie viel der Preis zu Beginn des neuen Schuljahrs steigen wird, will Sigrun Weinmann vom Team der Schule für den Mittagstisch nicht sagen. „Das kommunizieren wir zu gegebener Zeit den Eltern“, sagt sie.

Nur über den Umstand, dass sie künftig tiefer in die Tasche greifen müssen, um ihren Kinder an der Schule eine warme Mahlzeit zu bezahlen, seien die Eltern bereits informiert worden, sagt Weinmann. Protest habe sich nicht geregt, sagt sie.

Widerspruch wäre allerdings auch erstaunlich gewesen. Denn die Mitarbeiter des Teams Mittagstisch hatten in der Vergangenheit die Werbetrommel für ein verstärktes freiwilliges Engagement der Eltern gerührt. Würden sich nicht mehr Helfer melden, müsste eine bezahlte Hilfskraft her, die Tabletts spült und aufräumt, und die gebe es nun mal nicht umsonst – auf diese Konsequenz haben Weinmann und ihre Mitstreiter auf zahlreichen Elternabenden in der Vergangenheit hingewiesen.

Nach Ostern ist es nun so weit. Die laut Schule geringfügig bezahlte Küchenkraft wird ihren Dienst am PGH beginnen. „Wir haben noch ein gewisses Polster, deshalb müssen wir die Preiserhöhung nicht sofort in Kraft setzen“, sagt Weinmann.

Es gibt Gründe für den Helferschwund

Die Idee, dass die Stadt die Mensa baut, und die Eltern sie auf freiwilliger Basis betreiben, habe sich als realitätsfern erwiesen, sagt Sigrun Weinmann. Sie macht eine Rechnung auf: Pro Schicht seien drei Helfer nötig, um die Arbeit in der Küche gerecht zu verteilen. „Das macht 15 bis 20 Helfer am Tag bei einer Vier-Tage-Woche. Deshalb brauchen wir um die 80 Ehrenamtliche“, sagt sie. Doch nur 50 bis 60 würden regelmäßig aushelfen, sagt sie. „Die bezahlte Küchenkraft ist den ganzen Tag anwesend, also in jeder Schicht. Das heißt, dass wir nur noch zwei freiwillige Helfer pro Schicht brauchen“, sagt sie.

Der Grund für den Schwund an Ehrenamtlichen liegt für Weinmann eindeutig in der zunehmenden Berufstätigkeit beider Elternteile. „Ich glaube, wir haben das maximale Potenzial ausgeschöpft an Eltern, die um die Mittagszeit die Gelegenheit haben, zu helfen“, sagt sie. Sprich: Der Rest ist um die Zeit mit Arbeiten beschäftigt und froh, dass die Schule den Kindern eine warme Mahlzeit serviert.

Manche Schüler benehmen sich schlecht

In der Vergangenheit wurde aber auch Kritik am Benehmen der Schüler während des Mittagstisches geäußert. Diese würden die ehrenamtlichen Helfer bisweilen als „Putzfleck“ einstufen und einfach ihre Tabletts samt Essensresten auf dem Tisch stehen lassen, hieß es in einem Schreiben der Mitglieder des Teams Mittagstisch an die Eltern.

Sigrun Weinmann bestätigt die wachsenden Disziplinprobleme. Allerdings seien sie nicht so gravierend, dass sie Eltern vom Helfen in der Mensa abschrecken würden. „Diejenigen Eltern, die noch Zeit haben, machen es auch gerne“, sagt Weinmann.

Die Stadt bezahlt einen helfenden Ausseher

Das bisweilen unangenehme Benehmen mancher Nutznießer des Mittagstischs hänge wiederum mit den Schwierigkeiten zusammen, Helfer zu finden. Die Stadt hatte die Schule in ihr Programm „Pädagogisches Mittagessen“ aufgenommen. Die Stadt bezahlt einem Erwachsenen 15 Euro pro Tag, damit er darauf achtet, dass die Schüler sich beim Mittagessen sozial verhalten und die Tischmanieren wahren. Das PGH fand aber über lange Zeit niemanden, der dies übernehmen wollte.

Nun hätten sich die Lehrer selbst dazu bereit erklärt, sagt der Schulleiter Siegfried Frey. Obwohl das eigentlich nicht ihre Aufgabe sei. Auch Frey betont, dass die Schule ohne eine bezahlte Hilfskraft kein Mittagessen mehr anbieten könne. Er fürchtet allerdings, dass der eine aus Mitteln des Förderkreises und von den Eltern bezahlte Helfer auf Dauer nicht genügen wird.

Der Schulleiter sieht die Stadt in der Verantwortung

Genau wie Sigrun Weinmann vom Team Mittagstisch sieht Frey die Stadt in der Verantwortung. „Leider haben Gymnasien zurzeit keine guten Karten, zur Ganztagsschule zu werden“, sagt Frey. Sollte die Mensa am Paracelsus-Gymnasium aufgrund des Mangels an Helfern mittelfristig in Gefahr geraten, wäre das allerdings auch schlecht für ein anderes Vorhaben der Stadt, vermutet Frey: Eine Campuslösung, bei der das PGH und die Körschtalschule Einrichtungen teilen.

Der geplante Campus könnte dann den Schülern nicht einmal eine warme Mahlzeit anbieten. Ob es dazu kommt, hängt letztlich davon ab, wie viel Zeit für eigenes Engagement oder Geld für die Bezahlung von Hilfskräften die Eltern der PGH-Schüler investieren wollen.

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