Da ist zum einen die Rollstuhlbasketballerin Marie Kier aus Altdorf. Sie spielt an diesem Samstag mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Großbritannien um Platz fünf. Nicht nur diese sportliche Leistung ist aller Ehren wert, die 24-Jährige beeindruckt auch durch ihren unbändigen Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Denn bis 2019 war Kier begeisterte Turnerin, doch ein Trainingsunfall änderte ihr Leben.
Der Triumph ist alles andere als Zufall
Seit dem schweren Sturz damals ist sie querschnittsgelähmt – und hat ihr Schicksal angenommen. Die Altdorferin, die seit 2021 in Jena studiert, fand eine neue Leidenschaft: Rollstuhlbasketball. „Dabei habe ich vor meinem Unfall tatsächlich nie Basketball gespielt“, erzählte sie im Vorfeld der Paralympics, „es war einfach nur total cool, gemeinsam mit Leuten Sport zu treiben, die auch auf den Rollstuhl angewiesen sind.“ Die neue Sportart hat sie so ambitioniert verfolgt, dass sie nun in der deutschen Nationalmannschaft und bei den Paralympics spielt – eine bemerkenswerte Geschichte.
Ganz oben auf das Treppchen sogar hat es der zweite Starter aus dem Kreis Böblingen geschafft. Der Rollstuhlfechter Maurice Schmidt von der SV Böblingen wird tatsächlich eine Goldmedaille mit nach Hause bringen. Am späten Mittwochabend gewann der 25-Jährige das Finale im Säbelfechten. „Ich weiß nicht, was heute passiert ist, es lief einfach alles perfekt“, jubelte er nach dem Sieg. Dabei ist sein Triumph alles andere als Zufall, denn der vielfache deutsche Meister trainiert wie andere erfolgreiche Parasportler schon lange mit großem Einsatz.
Die Ergebnisse sind beeindruckend
Als Jugendlicher kam Schmidt, der mit einer Dysmelie geboren wurde, mit dem Fechten auf dem Böblinger Stadtfest in Kontakt und hat seitdem nicht mehr davon abgelassen. Immer gefördert von seinem Trainer Gavrila Spiridon, der seit 20 Jahren die Böblinger Fechtabteilung prägt.
Die Trainingsintensität der Parasportler ist enorm, die Leistungsdichte hoch, in der Spitze wie in der Breite – das fällt schon länger auf, aber insbesondere bei den diesjährigen Spielen in Paris. Es purzeln die Rekorde, die erreichten Zeiten und Weiten sind beeindruckend. Dass wie früher manche Sportler in mehreren Disziplinen gewinnen und talentierte Quereinsteiger umgehend Erfolge feiern, gehört im Parasport schon längst der Vergangenheit an.
Die Aufmerksamkeit, die den Sportlerinnen und Sportlern bei den Paralympics zuteil wird, ist ein Lohn für all die Mühen. Doch gleichzeitig stellt sich die Frage – wie bei vielen Sportarten der Olympischen Spiele –, wie sich diese Begeisterung der Öffentlichkeit in den Alltag oder zumindest in normale Wettkämpfe und Turniere übertragen lässt. Auf die sportlichen Leistungen sollte immer wieder hingewiesen und der Austausch gesucht werden – sei es bei der kommunalen Sportlerehrung, über Besuche von Schulklassen an den Trainingsstätten oder eine regelmäßige mediale Präsenz.
Gleichzeitig sollte auf die angemessene Infrastruktur und die notwendige Förderung geachtet werden. Behindertengerechte Sportstätten sind eine wesentliche Voraussetzung, dass mehr Menschen mit Behinderung Sport treiben können – und ihre eigene, bemerkenswerte Geschichte schreiben.