Paralympische Winterspiele 2022 Ein Highlight: Toiletten mit Sitzheizung

Benjamin Schieler ist zum zweiten Mal bei paralympischen Winterspielen. Foto: /privat/z

Benjamin Schieler, langjähriger Mitarbeiter der Filder-Zeitung, ist als deutscher Pressesprecher bei den Paralympics in China dabei.

Peking - Vor einem Monat hat Benjamin Schieler die Olympischen Winterspiele in China noch daheim am Fernseher verfolgt. „Um mir einen ungefähren Eindruck zu verschaffen, was mich dort erwartet“, sagt er. Mittlerweile sind die Sportsuperstars wie Mikaela Shiffrin, Johannes Thignes Bö und Irene Wüst längst wieder nach Hause gereist. Dafür ist der 41-jährige Sportjournalist und Schriftsteller aus Stuttgart selbst mitten drin im Geschehen – bei den Paralympics, den Winterspielen der Menschen mit Behinderung. Diese finden noch bis kommenden Sonntag an den gleichen Orten statt.

 

Eine Absage kam zu keiner Zeit in Frage

Die rund 8000 Kilometer lange Reise in die paralympische Blase hat Schieler, der seit zwei Jahrzehnten freier Mitarbeiter der Filder-Zeitung ist, in seiner Funktion als Pressesprecher für den Nordischen Skisport im Deutschen Behindertensportverband (DBS) unternommen. Seit 2014 ist er für die mediale Betreuung der Langläuferinnen und Langläufer sowie Biathletinnen und Biathleten bei Großereignissen verantwortlich – bei Weltcups, Weltmeisterschaften und nun zum zweiten Mal nach 2018 eben auch bei den olympischen Winterspielen. „Die Entscheidung für die Mitreise war diesmal zwar etwas schwieriger, aber letztlich kam eine Absage nicht infrage, weil ich mich den Athleten und der gesamten Delegation gegenüber verpflichtet fühle“, sagt Schieler. In der internationalen paralympischen Wintersportszene fühlt er sich längst aufgehoben und integriert.

Das Erlebnis Paralympics ist diesmal ein anderes als vor vier Jahren

Der aktuelle Arbeitsplatz von Schieler liegt rund 200 Kilometer von Peking entfernt in den Bergen der Region Zhangjiakou, wo an den neun Wettkampftagen insgesamt 38 Entscheidungen im Para-Langlauf und im Para-Biathlon auf dem Programm stehen. „Ich hätte mir in der freien Zeit durchaus auch gerne andere Sportarten wie Ski Alpin oder Snowboard angeschaut, aber dafür bleibt kaum Zeit. Die Entfernungen und die Corona-Einschränkungen machen es auch etwas zu kompliziert“, sagt der Pressesprecher. Er ist zwar wie alle Deutschen in der paralympischen Blase doppelt geimpft und unterzieht sich jeden Tag im Hotel einem PCR-Test, aber durch die Anti-Virus- und Hygienemaßnahmen fehlen die zwischenmenschlichen Begegnungen. „Das Erlebnis Paralympics ist ein ganz anderes gegenüber jenem vor vier Jahren in Südkorea“, sagt Schieler.

Im Hotel fühlt sich Schieler sehr wohl

Allemal positiv: die zahlreichen einheimischen Helferinnen und Helfer seien zwar etwas schüchtern, was den Dialog in Englisch angeht, aber durchweg freundlich und hilfsbereit. In seiner Unterkunft direkt neben der olympischen Sprungschanze fühlt Schieler sich zudem sehr wohl: „Es gibt in unseren Hotelzimmern Toiletten mit Sitzheizung; das ist für mich eines der Highlights dieser Winterspiele“, sagt der 41-Jährige und lacht.

Große Freude auch über Medaillengewinne

Ein weiterer Höhepunkt war für ihn am vergangenen Freitag die Teilnahme an der Eröffnungsfeier im mit 30 000 Zuschauern besetzten „Vogelnest“, dem einst für die Sommerspiele 2008 gebauten Olympiastadion in Peking. Sportliche Glücksgefühle haben bei Schieler, der sich von morgens bis abends um die (Interview-) Wünsche der Medienvertreter von Fernsehen, Zeitungen und Agenturen kümmert, auch schon einige Leistungen der acht nordischen Skisportlerinnen und Skisportler sowie deren Begleitläuferinnen und -läufer (für die Sehbehinderten) ausgelöst. Groß war die Freude beispielsweise am Samstag, als sich beim Biathlon der Frauen hinter der ukrainischen Siegerin Oksana Schischkowa gleich zwei deutsche Teenager auf dem Podium einreihten: Die 18-jährige Südbadenerin Leonie Walter wurde mit Bronze ausgezeichnet, und Silber ging an die ebenfalls sehbehinderte und erst 15 Jahre alte Schwäbin Linn Kazmaier aus Oberlenningen bei Kirchheim/Teck. Sie legte am Montag sogar gleich noch eine zweite Silbermedaille im Langlauf nach.

„Unser Verband hat kein konkretes Medaillenziel für diese Spiele ausgegeben“, sagt Benjamin Schieler. Wir freuen uns aber über jeden Erfolg und natürlich alle guten Leistungen.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Paralympics Peking