Parasiten und Tierkot im Wasser Aus Brunnen im Schönbuch sollte man nicht trinken

Aus dem Hermann-Löns-Brunnen fließt sehr weiches Wasser – trinken sollte man es allerdings nicht. Foto: /Erich Tomschi

Der Chemiker Walter Jäger hat die Wasserqualität von 37 Brunnen im Schönbuch untersucht – die Ergebnisse hat er in einem Buch zusammengetragen. Bei der Vorstellung des Werks erklärt er, warum die Verunreinigungen für ihn eine Enttäuschung sind.

Trinken sollte man das Wasser aus keinem der 37 Brunnen im Schönbuch, die der Chemiker Walter Jäger für die Recherchen für sein neues Buch untersucht hat. Bei der mikrobiologischen Untersuchung ergab sich, dass sämtliche Wasser keimbelastet sind, sei es aufgrund von Kot und Urin oder verwesenden Tieren, sei es aufgrund des maroden Bauzustands.

 

Nur eines der spannenden Forschungsergebnisse die Walter Jäger, Träger des Bundesverdienstkreuzes und Gründer eines Instituts für Umweltanalytik, im grünen Saal im Schloss Bebenhausen mit den Gästen teilte. Eine passende Umgebung für eine Buchvorstellung. Zum einen beeindruckt der Saal mit seinen Wandmalereien, zum anderen sitzt in Bebenhausen ForstBW, die mit 1800 Mitarbeitern den Staatswald in Baden-Württemberg bewirtschaftet, darunter auch große Teile des Schönbuchs. Vertreter von Kommunen, dem Landkreis, Behörden und Waldbesitzer sind genauso gekommen wie neugierige Naturfreunde, um dem Chemieprofessor und pensionierten Wasserchemiker zu lauschen und einen Einblick in seinen Band „Brunnen im Naturpark Schönbuch“ zu erhalten. Das Bläsercorps des Kreisjägervereins begrüßt alle mit ihren Jägerhörnern.

/Naturpark Schönbuch

Anja Peck ist Försterin und Leiterin der Forstdirektion im Regierungspräsidium Freiburg, welche die kommunalen Teile des Schönbuchs verwaltet, und zugleich Vorsitzende des Naturpark-Schönbuch-Gremiums. Sie erzählt, wie es zu dem Buch kam: Während der Pandemie ist Walter Jäger mit seiner Frau oft durch den Schönbuch gestreift, stieß auf alte Brunnen und hatte die Idee, die Wasserqualität der Brunnen zu testen. Er nahm Proben von insgesamt 37 Brunnen und schuf so ein umfassendes Bild der Wasserqualität.

Sehr weiches Wasser

Walter Jäger ergänzt, dass ein Geologe ihn darauf aufmerksam gemacht habe, dass der Schönbuch im Keuper liegt, und damit habe er sein Interesse geweckt. Der Keuper ist Teil der Trias mit Buntsandstein und Muschelkalk und liegt ganz oben. Die Keuperzeit war vor 205 bis 195 Millionen Jahren. Das Keupergebiet Schönbuch beschreibt Walter Jäger als einen „buntfarbigen Wechsel aus Ton- und Sandsteinen.“ Der Keuper weist eine Vielfalt von Schichten auf, die einen sind wasserdurchlässig, auf anderen bildeten sich Lachen. Nicht zuletzt auch, weil Ton-, Gips- und Kalkanteile variieren. Seine Erwartung war, dass sich auch bei den Wasserzusammensetzungen ein buntes Bild zeigt, was sich zu seiner großen Zufriedenheit bestätigte: Das Wasser hat eine große Variation an Härtegraden. Doch dass der Schönbuch auch Brunnen mit dem weichsten Wassern in Deutschland birgt, damit hatte er nicht gerechnet. Aus dem Kapellenbrunnen bei Altdorf fließt das zweitweichste Wasser in Deutschland. Auch der Hermann-Löns-Brunnen in Ammerbuch-Breitenholz, das Königsbrünnle im Stadtwald Herrenberg und der Senftenbrunnen bei Bebenhausen stehen in der Liste weit oben. Der Grund ist der Rhätsandstein, der kein Kalk enthält.

Die gefundenen Verunreinigungen wie beispielsweise Parasiten seien eine große Enttäuschung für ihn gewesen: „Da war ich drauf und dran, die Arbeit einzustellen.“ Er schildert sogar den Fall eines Ehepaars, dass vom Genuss des Wassers an Leptospirose erkrankte. Aber die Entdeckungen der weichen Wasser habe ihn für seine Enttäuschung mehr als entschädigt. Nutzen ließen sich die Wohltaten des weichen Wassers – wie effizientes Heizen ohne Kalk, längere Lebensdauer von Haushaltsmaschinen, weiches Haar, schöne Haut und ein regeres Wachstum von Zimmerpflanzen – allerdings kaum. Dazu seien die Brunnen zu abgelegen und die Fallleitungen zu undicht. Gelohnt hat sich die Arbeit für den Professor aber aufgrund der erstaunlichen Entdeckung allemal.

Zur Buchpräsentation ist auch Peter Hauk gekommen, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Er weist auf die Besonderheiten des Schönbuchs hin, so etwa darauf, dass er trotz Lage im Verdichtungsraum noch geschlossen sei. Der Grund ist, dass er geschlossen im Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen war, wie Jäger später erklären wird. Auch unterstreicht Hauk die Bedeutung des Waldes für das Wasser. Zum einen speichert er dieses und zum anderen wirkt er als Filter. „Deswegen schützen wir auch Wälder“, so der Minister. Die Sicherung der Wasserversorgung im Kriegsfall ist ebenfalls ein Aspekt und nicht zuletzt der Klimawandel. „Es ist das unbedingte Ziel dieser Landesregierung, auch bei fortgeschrittenem Klimawandel Wälder zu erhalten“, sagt Hauk. Auch wenn diese in Zukunft vielleicht eher aus Eichen, Zedern oder anderen Bäumen und nicht aus Buchen bestünden. Auch Bernd Haug, Vorsitzender des Vereins Naturpark Schönbuch spricht ein Grußwort und weist auf die einzigartige Fülle von Kleindenkmalen im Schönbuch hin, unter welche die Brunnen zählen. Mit den Kleindenkmalen befasst sich sogar ein Arbeitskreis, speichert sie in einer Datenbank und erarbeitet digitale Karten. Zweck sei der „Schutz gegen versehentliche Beschädigung und Zerstörung“.

Hier gibt es das Buch

Finanzmittel des Landes, der Lotterie Glücksspirale, der Kreissparkasse Tübingen, des Fördervereins Naturpark Schönbuch und des Zweckverbands Ammertal-Schönbuchgruppe machten das Forschungs- und Buchprojekt möglich.

Erhältlich ist das Buch „Brunnen im Schönbuch“ bei der Naturpark Geschäftsstelle in Bebenhausen oder über E-Mail: naturpark.schoenbuch@rpf.bwl.de.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Schönbuch Naturpark Brunnen