Pariser Bürgermeisterin Hidalgo will Präsidentin werden Hidalgo hofft auf den Scholz-Effekt

Gibt sich kämpferisch: Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Foto: AFP/Jose Jordan
Gibt sich kämpferisch: Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Foto: AFP/Jose Jordan

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo geht für die französischen Sozialisten in die Präsidentschaftswahl und fordert Emmanuel Macron heraus. Aussichtslos? Nicht unbedingt.

Koresspondenten: Stefan Brändle (brä)
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Paris - Es war eine klare Sache: Anne Hidalgo setzte sich in einer parteiinternen Wahl gegen den früheren Agrarminister Sébastien Le Foll durch. Sie erhielt rund 70 Prozent der Stimmen. Mit einer roten Rose in der Hand erklärte sie sich willens, eine „Regierung der gesamten Linken“ anzuführen. Le Foll hatte den Urnengang schon zuvor als abgekartete Sache bezeichnet: Hidalgo habe zusammen mit Parteichef Olivier Faure jede inhaltliche Debatte verhindert.

Dem Autoverkehr setzte sie klare Grenzen

Die 62-jährige Bürgermeisterin von Paris ist nach Ségolène Royal im Jahr 2007 die zweite Präsidentschaftskandidatin der Parti Socialiste (PS). Sie stammt aus Andalusien und war mit ihren Eltern – sie Näherin, er Elektriker – im Alter von drei Jahren nach Lyon gekommen. In Paris wurde sie nach der Einbürgerung und „Franzisierung“ ihres spanischen Vornamens Ana María zuerst Arbeitsinspektorin, bevor sie in die Politik einstieg. Von ihrem Mentor, dem langjährigen Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë, übernahm sie die neue Verkehrspolitik, die dem Auto Schranken setzt. Die Rechte wirft der Sozialistin mit der weichen Stimme und dem eisernen Willen vor, sie denke nicht an die Vorstadtpendler, die nun in den Staus vor den Toren von Paris steckenblieben, sondern nur an ihre Wähler. Für die „Bobos“ (bourgeois-bohème) baue sie Wohnungen und Radwege. Die Kriminalität, die Drogenmisere oder die Rattenplage in Paris aber bekomme sie nicht in den Griff. Es half nichts: Bei den Kommunalwahlen 2020 wurde die Sozialistin wiedergewählt.

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In den landesweiten Umfragen startet Hidalgo aus einer schlechten Position: Sie kommt derzeit auf nur etwa sechs bis acht Prozent Stimmen – weniger als der grüne Kandidat Yannick Jadot, viel weniger als Linkenchef Jean-Luc Mélenchon von der Partei La France insoumise („Unbeugsames Frankreich“). Doch das kann sich ändern. Die Parti Socialiste ist zwar weite entfernt von den glorreichen Zeiten unter François Mitterrand, aber sie ist lokal verwurzelt, was für eine Präsidentschaftskampagne wichtig ist. Hidalgo setzt auf den „Scholz-Effekt“, also auf einen Aufschwung im Wahlkampf.

Zudem ist Hidalgo wohl die einzige der diversen rot-grünen Kandidatinnen und Kandidaten, die für alle Linkswähler akzeptabel wäre. Und falls sie Jadot in den Umfragen überholt, könnte er gezwungen sein, aufzugeben, denn der grüne „Realo“ steht für eine linke Einheitskandidatur. Der Populist Mélenchon und die zwei Kandidaten der Kommunisten und Linkssouveränisten wollen sich aber auf keinen Fall zugunsten Hidalgos zurückziehen.

Hidalgo will mit sozialen Themen punkten

Bisher dreht sich der Wahlkampf fast nur um Themen wie Migration oder nationale Identität – und um die Bannerträger der Rechten wie Eric Zemmour oder Marine Le Pen. Wenn die Energiepreise aber weiter steigen, kann Hidalgo mit sozialen Themen punkten. Die in Frankreich traditionell sehr niedrigen Lehrergehälter will sie verdoppeln, die Arbeitszeit über die 35-Stundenwoche hinaus weiter verkürzen.

Ob sie damit den Umfragefavoriten Emmanuel Macron unter Druck setzen kann, muss sich weisen. Der zur Wiederwahl antretende Präsident führt das Feld derzeit klar an. Die Frage scheint nur, wer es gegen ihn in den zweiten Wahlgang schafft. Hidalgo startet von weit hinten. Da hilft vielleicht ein Besuch von Genosse Scholz in Paris.




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