Rosensteinbrücke in Bad Cannstatt Petition für einen Park über den Neckar gestartet

Links die neue, rechts die alte Eisenbahnbrücke in Bad Cannstatt. Noch rollen die Züge über das mehr als 100 Jahre alte Bauwerk. Foto: /Sebastian Steegmüller

Was wird aus der Rosensteinbrücke in Bad Cannstatt, sobald Stuttgart 21 fertiggestellt ist? Ob sie in eine Grünanlage umgewandelt werden kann, ist Anfang Oktober Thema im Rathaus. Ein „Neigschmeckter“ kämpft dafür.

Reporter: Sebastian Steegmüller (seb)

Die Brooklyn Bridge, das Empire State Building und der Central Park sind Sehenswürdigkeiten, die bei vielen New-York-Besuchern oben auf der Liste stehen. Einen Höhepunkt stellt aber auch die High Line dar, eine mehr als zwei Kilometer lange, stillgelegte Hochbahntrasse. Sie sollte abgerissen werden, doch Anwohner kämpften für den Erhalt und machten sich für die Umwandlung in eine Grünanlage stark. Mit Erfolg: Der Park, der sich quer durch den Westen von Manhattan schlängelt, lockt jährlich rund sieben Millionen Besucher an.

 

„Rosenstein Line“ gefordert

Einen Hauch von New York könnte man auch bald in Stuttgart verspüren. In der Landeshauptstadt werden die Forderungen immer lauter, die mehr als 100 Jahre alte Eisenbahnbrücke, die in Bad Cannstatt nur noch bis zur Fertigstellung von Stuttgart 21 von Zügen befahren wird, zu erhalten. Unter anderem fordert die Initiative Rosensteinbrücke seit vielen Jahren die Umnutzung zur „Rosenstein Line“. Die Grünen, vor allem Peter Mielert, haben sich schon seit 1998 im Bezirksbeirat für den „Park über den Neckar“ mit einem getrennten Rad- und Fußweg starkgemacht. „Vorstellbar ist, dass er entlang der Gleise bis zum Bahnhof Bad Cannstatt weitergeführt wird“, sagt der Grünen-Stadtrat Björn Peterhoff. „Wir sind von dem Projekt begeistert. Aber auch im Gemeinderat gibt es mittlerweile eine Mehrheit für diese städtebauliche Großchance.“

Online-Petition gestartet

Der deutsch-schweizerische Mathematiker Klaus Glashoff, der in Bad Cannstatt lebt und sich selbst als „Neigschmeckten“ bezeichnet, teilt diese Meinung ebenfalls. Er hat am 8. September eine Online-Petition zum Erhalt der 322 Meter langen Brücke gestartet – 640 Menschen haben unterzeichnet. „Mir liegt das Schicksal der Römerstadt Bad Cannstatt sehr am Herzen, und ich versuche, die Aufmerksamkeit des Stuttgarter Gemeinderats auf diesen historischen Stadtteil zu lenken. Verglichen mit Esslingen und Waiblingen ist Bad Cannstatt immer noch im Dornröschenschlaf. Es fehlt ein umfassendes Konzept, um die historische Bausubstanz vor dem Verfall zu retten“, sagt der 75-Jährige. Er sei überzeugt, dass die umgestaltete Eisenbahnbrücke einen wichtigen Beitrag zur Aufwertung des Stadtbezirks leisten würde.

Sein Wunsch könnte Realität werden. Eine Machbarkeitsstudie, die im Herbst 2019 von den Grünen beantragt wurde, ist fertiggestellt. Die Ergebnisse sollen am Dienstag, 4. Oktober, im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik vorgestellt und diskutiert werden. Unter anderem wurde die Statik der Brücke unter die Lupe genommen. Sie besteht aus 40 000 Kubikmetern Beton, die Pfeiler sind teilweise mit Sandstein verkleidet. Geprüft wurde auch, ob das Bauwerk „verschlankt“ werden kann, um die neue S-21-Brücke besser zur Geltung kommen zu lassen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die nächsten Schritte einzuleiten, damit der Park über den Neckar bald Wirklichkeit wird“, so Peterhoff. Er könne sich auch eine interimsweise Öffnung der Brücke zur Internationalen Bauausstellung (IBA) im Jahr 2027 vorstellen, sollten hierfür „keine größeren Umbaumaßnahmen notwendig sein“. Einen ähnlichen Antrag hat auch die Fraktion Puls im Gemeinderat bereits gestellt. Sie fordert einen städtebaulichen Ideenwettbewerb, der insbesondere die IBA im Blick hat.

Bevor es jedoch an das Ausarbeiten eines Nutzungskonzepts geht, müssen noch einige offene Fragen beantwortet werden. Wie kann eine barrierefreie Anbindung an das bestehende Wegenetz realisiert werden? Welche Sicherungsmaßnahmen müsste man treffen, um Personen auf die Brücke zu lassen? Und natürlich muss die Stadt das Bauwerk, das ein technisches Kulturdenkmal darstellt, erst einmal erwerben. Noch ist es im Besitz der Deutschen Bahn, die auch für den Abriss zuständig wäre. Offen ist, ob sich das Schienenunternehmen auch an  einer Sanierung beteiligen würde. „Das sind wohl die Knackpunkte“, sagt Peterhoff.

Schleusenerweiterung eine weitere Hürde

Darüber hinaus stellen die viel diskutierten Schleusenerweiterungen eine weitere Hürde dar – zumal der Neckar als Bundeswasserstraße in den Zuständigkeitsbereich des Bundesverkehrsministeriums fällt. Die Cannstatter Anlage grenzt an die alte Eisenbahnbrücke. Ob unter ihr ausreichend Platz für die Verlängerung ist, wurde in der Machbarkeitsstudie ebenfalls untersucht. Dementsprechend werden am Dienstag im Rathaus neben Mitarbeitern der Verwaltung auch Verantwortliche des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Stuttgart sowie der Hafen GmbH Stuttgart zu Wort kommen. „Sinnig wäre es, die Schleuse im Zuge einer Brückenertüchtigung direkt zu sanieren und zu verlängern“, sagt Peterhoff, der hofft, dass Stuttgarts „High Line“ umgesetzt wird. „Wir wären doof, wenn wir die Möglichkeit nicht nutzen würden.“

Mehr Infos zur Petition gibt es im Internet unter: www.change.org/p/erhalt-der-rosensteinbrücke-nach-bad-cannstatt.

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