Seit September gelten neue Parkregeln beim Sportpark in Leonberg. Wer keine Parkscheibe nutzt, muss zahlen. Das löst bei den Sportlern Unmut aus.
Der Ärger ist noch nicht ganz verflogen. Kürzlich, während eines Heimspiels des Fußball-Landesligisten SV Leonberg/Eltingen gegen die TSG Öhringen, hatten Fußballfans, die ihr Auto auf dem Parkplatz beim Sportgelände an der Bruckenbachstraße abgestellt hatten, ein Knöllchen inklusive einer Verwarnung über 30 Euro erhalten. Weil sie vergessen hatten, eine Parkscheibe ins Auto zu legen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit ertönte die Stadiondurchsage, man möge doch eine solche ins Auto legen, wer es noch nicht getan habe, weil Kontrollen unterwegs seien. Für manche war es aber schon zu spät: Der Zettel klemmte bereits am Scheibenwischer.
Bei den Verantwortlichen der Fußball-Abteilung führte dieses Vorgehen im Auftrag der Stadtwerke zu harscher Kritik. Denn solche Aktionen würden die Zuschauer vergraulen. „Mehrmals täglich werden dort Strafzettel verteilt – mit einer auffälligen Intensität. Das hat nichts mehr mit ordnungsgemäßer Verkehrsüberwachung zu tun, sondern wirkt wie reines Abkassieren“, meint beispielsweise ein Mitglied der SV-Fußballer. „Die Kontrolle am besagten Spieltag war zufällig und nicht gezielt auf diese Veranstaltung ausgerichtet. Es werden Entgelte erhoben, sofern gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen wird“, sagt hingegen die städtische Pressesprecherin Theresa Stiller und widerspricht der Vermutung, die Stadt sei auf Abzocke aus.
Seit Kurzem wird im Auftrag der Stadtwerke die Parksituation beim Leobad kontrolliert. Die Stadt hatte den Werken die Flächen übertragen, um sie zu bewirtschaften. In diesem Zuge brachten sie Mitte September Schilder an, die die Parkplätze P1 bis P4 ausweisen. Auf den Parkflächen P2 bis P4 ist seitdem ein Parkzeitraum von 7 Uhr bis 23 Uhr mit Parkscheibe für maximal 8 Stunden vorgesehen. Eine Regelung, die in Absprache mit den Verantwortlichen des Sportvereins so getroffen wurde. Nachts ist der Platz zu räumen.
Einige Plätze sind für SV-Mitarbeiter reserviert
Der Parkplatz P1 direkt an der Bruckenbachstraße ist ein Dauerparkplatz. Dieser ist für die allgemeine Nutzung nicht freigegeben. Hier sind die nummerierten Parkplätze von den Stadtwerken an Firmen aus dem angrenzenden Industriegebiet vermietet. Wer trotzdem insbesondere auf den nummerierten Parkplätzen parkt, muss damit rechnen, einen Strafzettel zu erhalten oder gar abgeschleppt zu werden. Die weiteren Parkplätze, die mit den Buchstaben SV markiert sind, sind für die Mitarbeiter des Vereins.
Welchen Grund hat diese neue Regelung? Stellflächen in diesem Bereich wurden in der Vergangenheit gerne genutzt, um Fahrzeuge für längere Zeit dort abzustellen. Dem soll mit diesem Nachtparkverbot Einhalt geboten werden. „Die Beschilderung mit entsprechenden Nutzungsbedingungen ist an jedem Parkplatzsegment in gängigem Format gut erkennbar angebracht“, sagt Pressesprecherin Theresa Stiller. Dies diene der Sicherstellung, „dass die zweckgebundenen Parkflächen nicht durch Fremdnutzung wie mit Gewerbeflotten blockiert werden.“ Die Nutzungszeiten seien mit dem Vorstand des SV Leonberg/Eltingen abgestimmt worden. „Stadtwerke und Verein stehen in engem Austausch, so auch bei Ausnahmefällen und längeren Nutzungsdauern. Kontrollen finden regelmäßig in allen Parkeinrichtungen statt, um die Einhaltung der Nutzungsbedingungen zu gewährleisten und der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen“, sagt Stiller.
SV-Geschäftsführer appelliert an die Eigenverantwortlichkeit
Carsten Nestele, der Geschäftsführer des SV Leonberg/Eltingen, weiß um die Spannungen zu diesem Thema in den vergangenen Wochen. „Ich habe mich damit mehr beschäftigt als mir lieb war. Wenn jemand in den ersten zwei Wochen die Parkscheibe vergessen hat, gab es noch eine gewisse Kulanz.“ Selbstverständlich könne er den Ärger verstehen, wenn auf den Wagenbesitzer ein Knöllchen warte. „Allerdings kann man nicht immer sagen, die anderen sind schuld. Wenn man irgendwo auswärts ist und parken will, schaue ich auch, welche Regeln dort gelten.“
Damit die Information über die veränderte Parksituation am Sportvereinszentrum auch alle Mitglieder erreicht, hat er ihnen eine E-Mail mit allen Regeln – inklusive einer Zeichnung, wo und wie geparkt werden darf – geschickt. „In der Regel braucht es sieben Kontakte, bis eine Neuigkeit bei den Menschen ankommt“, sagt Carsten Nestele mit einem Augenzwinkern.