Parken beim Medicum in Böblingen „Eine Zumutung“: Ärger über Schotterparkplatz ist groß

Nach viel Regen sieht der Parkplatz besonders schlimm aus. Foto: /Stefanie Schlecht

Der Parkplatz zwischen Bahn und Medicum hat sich längst zu einem Dauerthema entwickelt. Seit Jahren wird er als Provisorium genutzt und immer wieder notdürftig geflickt. Wird sich das jemals ändern? Der Eigentümer zumindest schürt Hoffnung.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Wie schnell darf ich fahren? Sitzt das Auto auf? Bringe ich es heil ans Ziel? Diese Gedanken macht man sich nicht etwa auf einer Fahrt durch unbewohntes Hinterland, sondern auf dem Schotterparkplatz beim Medicum in Böblingen. Der ist voller Schlaglöcher und „eine Zumutung“, wie eine Leserin aus Altdorf sagt. Sie war für einen Arztbesucht in Böblingen und stellte dort ihr Auto ab. Über den Zustand des Parkplatzes war sie offenbar so empört, dass sie zuhause sofort zum Telefonhörer griff und bei unserer Zeitung anrief. „Ich würde am liebsten die Stadt anzeigen“, macht sie ihrem Ärger Luft.

 

Die ist nur indirekt dafür zuständig. Der Parkplatz an der Konrad-Zuse-Straße befindet sich auf einem Grundstück des Zweckverbands Flugfeld Böblingen/Sindelfingen, in dem die beiden Städte allerdings gleichberechtigte Verbandspartner sind. Dem Zweckverband ist die Situation natürlich bekannt. Pressesprecherin Silvia Held bezeichnet die Situation als „unbefriedigend“ und erklärt: „Die extremen Wetter- und Witterungsverhältnisse in den letzten Wochen haben dem Belag erheblich zugesetzt.“ Die Fahrgasse, die parallel zu den Bahngleisen verläuft, solle deshalb in den nächsten zwei bis drei Wochen erneuert werden.

Hohe Auslastung trotz seines Zustands

Doch das Thema ist nicht neu, der Parkplatz seit mehr als zwölf Jahren ein Provisorium. Ursprünglich war die Idee, dass ein privater Investor darauf ein Parkhaus baut. Immer wieder gab es Lichtblicke, der Zweckverband sprach von Interessenten, von Durchbrüchen, die kurz bevorstünden. Doch immer wieder kam der Rückschlag. Der Parkplatz blieb Schotterwüste, die Schlaglöcher wurden immer wieder geflickt. Ist die Idee einen privaten Investor zu finden also passé? Offenbar nicht.

Der Zweckverband jedenfalls hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Man habe im vergangenen Jahr begonnen, die Situation tiefer zu untersuchen und den Blickwinkel eines potenziellen Investors einzunehmen, teilt Pressesprecherin Held mit.

Investoren fürchteten ein Verlustgeschäft, weil die Parkgebühren im öffentlichen Straßenraum und im benachbarten Parkhaus vergleichsweise niedrig sind, erklärt Held. Doch der Schein trügt, ist sich der Zweckverband sicher. Denn: „Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die heutige Schotterparkfläche – trotz ihres schlechten Zustands – eine erheblich hohe Auslastung aufweist.“ Tatsächlich ist der Platz meistens voll und damit wäre das vermutlich auch ein Parkhaus, so die Hoffnung des Verbands.

Chance für ein Neubaukonzept?

Vor allem Besucher des gegenüberliegenden Gesundheitszentrums Medicum benutzen ihn. Von ihnen sind viele nicht mehr gut zu Fuß, der Zustand des Parkplatzes eine zusätzliche Herausforderung. Held sieht die Chance, „durch ein geeignetes Neubau-Konzept und die Umsetzung sinnvoller Maßnahmen den Benutzerkomfort insbesondere für diese Nutzergruppe zu erhöhen.“ Ziel der Überlegungen sei außerdem, durch „ergänzende lageadäquate Nutzungsbausteine den Betrieb eines zusätzlichen Parkhauses an dieser Stelle auf mittelfristige Sicht rentabel zu machen.“

Damit könnten beispielsweise E-Ladesäulen oder die Erweiterung des Carsharing-Angebots gemeint sein. Ebenfalls hilfreich könnte demnach der Mobilitätsmix sein, der den Parkenden dort zur Verfügung steht: Züge und S-Bahn am nahe gelegenen Bahnhof oder Fahrräder an der dortigen Leihstation.

Was mit den Parkgebühren passiert

Derart mit Argumenten gewappnet hat der Zweckverband wieder Gespräche mit Investoren aufgenommen. Über einen möglichen Erfolg äußert sich die Sprecherin sehr zurückhaltend.„Bis wann mit ersten belastbaren Ergebnissen aus diesen Gesprächen gerechnet werden kann, ist aus heutiger Sicht schwer vorherzusehen“, teilt sie mit.

Die Situation an den Immobilienmärkten sei nicht einfacher geworden und die Baukosten für die Herstellung auch einfacher Parkhäuser hätten sich mehr als verdoppelt. Trotzdem gehe die Verbandsverwaltung davon aus, dass „das eingeschlagene Vorgehen im Laufe dieses Jahres Ansätze hervorbringen wird, wie die unbefriedigende Situation auf dem Schotterparkplatz dauerhaft gelöst werden kann“. Deshalb sehe man vorerst ganz bewusst davon ab, die Schotterfläche auf dem Parkplatz beispielsweise mit Asphalt zu befestigen.

Bis sich herausstellt, wie diese Ansätze aussehen, lebt das Schlagloch-Paradies also weiter – und damit noch ein weiteres Ärgernis für viele Nutzer. „Es ist unverschämt, dass man auch noch Parkgebühren zahlen muss“, findet die Altdorferin. Eine halbe Stunde kostet 30 Cent, wer die Höchstparkzeit von drei Stunden ausnutzt zahlt rund vier Euro. Kostenlos will der Zweckverband den Platz nicht zur Verfügung stellen. Die Einnahmen dienten der Finanzierung der laufenden Instandhaltung, für Verbesserungen und Anpassungen, so die Sprecherin.

Was mit den Parkgebühren gemacht wird

Verwendung
Die Parkgebühren wurden beispielsweise dafür verwendet, schadhafte Stellen auf dem Geh- und Radweg entlang der Konrad-Zuse-Straße auszubessern, besagten Weg von 5,50 Meter auf drei Meter zu verschmälern, sodass auf dem Schotterplatz eine zusätzliche Parkreihe entstanden ist, und zusätzliche Fahrwege auf dem Parkplatz zu schaffen, zählt Zweckverbandssprecherin Silvia Held auf.

Schotterparkplatz
Der Parkplatz befindet sich zwischen Bahnlinie und Konrad-Zuse-Straße in der Nähe des Böblinger Bahnhofs. Das Gelände ist rund 6000 Quadratmeter groß. Ein Teil wird von einem Carsharing-Betreiber und als Park & Ride-Fläche verwendet.

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