Parken im Stuttgarter Westen Autozählen im Dunkeln

Von Kathrin Thimme 

Die neue Zählung der Uni Stuttgart zeigt, dass nachts wieder mehr Fahrzeuge im Westen parken. Die Chance auf einen Parkplatz ist gering.

Studentin Charlotte Ritz prüft den Erfolg des Parkraummanagements im Westen.  Foto: Gottfried Stoppel
Studentin Charlotte Ritz prüft den Erfolg des Parkraummanagements im Westen. Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Kühl weht der Wind in dieser Nacht durch die Bebelstraße. Kaum jemand ist noch unterwegs. Es ist 23 Uhr mitten in der Woche, und hinter den meisten Fenstern der Häuserfassaden ist es schon dunkel. Charlotte Ritz achtet darauf nicht. Ihr Blick haftet ausschließlich an den Windschutzscheiben der Autos, die Blech an Blech am Straßenrand parken. In den Händen hält sie einen Stift und einen Ordner, gefüllt mit Tabellen. Jedes einzelne Auto prüft sie darauf hin, ob es einen gültigen Parkausweis hat, ein Parkticket, oder ob es sich um einen Falschparker handelt. Ein Blick, ein Häkchen und weiter geht es. "Die heutige Route ist die längste", sagt die 25-Jährige. Acht Kilometer liegen vor ihr. Dieselbe Route wird sie am Tag darauf noch mal ablaufen. "Wenn es hell ist, geht es schneller, weil man die Parkausweise besser lesen kann", sagt sie. In der Nacht hilft ihr eine Taschenlampe.

Charlotte Ritz ist eine von vier Studierenden der Uni Stuttgart, die an der Fahrzeugzählung im Westen teilnehmen. Drei Tage und drei Nächte sind sie im Stadtbezirk unterwegs. Es ist die zweite Zählung, seit die neue Parkordnung gilt. Sie soll Aufschluss geben, wie sich die Parksituation verändert hat. Nachfrage und Auslastung, freie Parkplätze und Falschparker jeweils am Vormittag und in der Nacht sind die Kriterien, die erhoben werden.

Auch weiterhin freies Parken?

"Mein Eindruck ist, dass es seit der ersten Zählung wieder mehr Autos geworden sind", sagt Charlotte Ritz, während sie die Vogelsangstraße entlangläuft. Diese war gleich in den ersten vier Tagen des März und jeder stellte sich die Frage: Wo sind all die Autos hin? Viele waren in die Randgebiete des Bezirks ausgewichen, alle können das jedoch kaum gewesen sein. Auch Manfred Wacker, der stellvertretende Leiter des Instituts für Straßen- und Verkehrswesen, der in dieser Nacht auch im Westen ist und nach seinen Zählern Ausschau hält, hat darauf keine abschließende Antwort. "Ich vermute, dass viele Leute anfangs unsicher waren und den Westen gemieden haben", sagt er, "mittlerweile wissen sie, dass man nachts weiterhin frei parken kann."

Und das macht sich auf den Straßen bemerkbar. Mehr als eine Stunde läuft Charlotte Ritz bereits die Straßen zwischen den Parkzonen W5 und W7 zwischen der Schwabstraße und dem Vogelsang ab. Kein einziger freier Parkplatz ist weit und breit zu sehen. Um Mitternacht steht alles still. Einige Autobesitzer haben ihre Gefährte wie in alten Zeiten auf dem Gehweg, auf Sperrflächen und in Kurven sogar in dritter Reihe geparkt - die meisten von ihnen haben einen für die Parkzone gültigen Ausweis.

Nachts über 100 Prozent Auslastung

Das Ergebnis der Zählung birgt kaum Überraschungen. "Auffallend ist die weiterhin hohe Anzahl an Falschparkern", so Wacker. Das Ergebnis decke sich mit den Berichten der Kontrolleure, sagt Hermann Karpf, der persönliche Referent des Ordnungsbürgermeisters. Auch die Auslastung hat in allen acht Zonen wieder zugenommen im Vergleich zur Zählung Anfang März. Zieht man die Zahlen aus dem Jahr 2007 hinzu, als die Uni schon einmal im Westen unterwegs war, damals im Rahmen der Ausarbeitung des Parkkonzepts, ist die Situation heute besser. So lag beispielsweise vor der Einführung des Parkraummanagements in der Zone 7 rund um den Vogelsang die Auslastung in der Nacht bei 116 Prozent. Im März 2011 war sie zurückgegangen auf 93 Prozent. Im April 2011 ist sie wieder auf 106 Prozent gestiegen.

In der angrenzenden Zone 5, die einen Teil der problematischen Reinsburgstraße umfasst, lag die Zahl der Autos laut der Zählung der Studenten vor dem Parkraummanagement bei 1904. Im März 2011 sank sie auf 1703 und stieg im April wieder auf 1734. Auch bei der Auslastung haben sich die Zahlen von April gegenüber März zwar verschlechtert, gegenüber der Zeit vor dem Parksystem aber verbessert. So lag die Auslastung früher in der Zone W5 bei 125 Prozent und aktuell bei 114 Prozent. Gemessen an den Zahlen hat sich die Situation verbessert. "Die Wahrscheinlichkeit, einen Parkplatz zu bekommen, ist höher", sagt Markus Friedrich, Professor am Institut für Straßen- und Verkehrswesen. Der Alltag zeigt jedoch vielen Autofahrern, dass die Chance in manchen Parkzonen immer noch ziemlich gering ist.

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