Die Chancen, einen Abstellplatz fürs Auto zu finden, gelten in Bernhausen als niedrig. Eine Untersuchung belegt, dass es 600 zusätzliche Parkplätze bräuchte. Nun gibt es Ideen, wie der Parkdruck sinken soll. Im Kern wird es nur übers Geld gehen.

Ein Ärgernis ist es schon lang. Viele klagen, dass man in Bernhausen schlecht parken kann. Dass das P+R-Parkhaus am Bahnhof 2021 schließen musste und damit 350 Stellplätze futsch waren, hat die Lage verschärft. Nun haben es die Verwaltung, der Gemeinderat, der Einzelhandel und auch die Bürgerschaft schriftlich: Ja, es geht tatsächlich eng zu in Bernhausen.

 

Seit 2019 hat das Planungsbüro Richter-Richard die Parksituation im Stadtteil umfassend und in mehreren Schritten untersucht. Ziel des Ganzen: ein Parkraumkonzept. Im Kern hat sich herausgestellt, dass der öffentliche Straßenraum im Zentrum mancherorts zu maximal 103 Prozent ausgelastet ist, die Stellplätze sind also voll, und etliche Falschparker gibt es obendrein. Die maximale Auslastung der öffentlichen Parkierungsanlagen wiederum liegt bei lediglich 67 Prozent, die der privaten, etwa bei Geschäften, bei 74 Prozent. Die mittlere Parkdauer beträgt mehr als zwei Stunden, laut dem Stadtplaner Jochen Richard zeigt das, dass auch viele Beschäftigte ihre Autos hier tagsüber abstellen.

Ähnlich eng geht es demnach in angrenzenden Wohngebieten zu. Dort kommt es laut der Analyse zu einer maximalen Auslastung von 91 Prozent. Allerdings liege das nicht an Auswärtigen. Vielmehr seien die Leute mitunter selbst verantwortlich für den Parkdruck. „Da steht manches Auto vor der Garage“, sagte Jochen Richard jüngst im Technischen Ausschuss.

Bernhausen bräuchte viel mehr Parkplätze. Den realistischen Neubedarf gibt die Studie mit rund 600 Stellplätzen an – bis zu 100 im öffentlichen Straßenraum und 500 in Parkierungsanlagen, also etwa in öffentlichen Garagen. Die 250 neuen Parkplätze, die im P+R-Parkhaus am Bahnhof entstehen sollen, sind hier bereits eingerechnet. Viele Bürgerinnen und Bürger werden sich durch dieses Ergebnis bestätigt fühlen. Die schlechte Nachricht folgt allerdings auf dem Fuß: Der Platz fehlt. In der Bernhäuser Innenstadt neue Parkplätze zu schaffen, ist schlichtweg nicht machbar.

Laut der Planer gibt es deswegen nur einen gangbaren Weg, um den Parkdruck zu lindern, und der heißt flächendeckende Bewirtschaftung. Der Grundsatz dabei: Das Parken an der Straße muss teurer sein als das in einer öffentlichen Garage oder auf einem offiziellen Parkplatz. Denn Fakt ist, dass der Großteil der Menschen lieber umsonst an der Straße parkt, als auf einem bewirtschafteten Platz zu zahlen. „Solange wir den Straßenraum nicht monetär im Wert steigern, wird keiner bezahlen in Parkhäusern“, sagte der Ordnungsamtsleiter Jan-Stefan Blessing in der Sitzung. Ebenso wird empfohlen, das Parken im Kern der Innenstadt teurer zu machen als in den Randbereichen.

Das Parkraumkonzept sieht mehrere Aspekte vor. Zum einen müsse die Höchstparkdauer im Zentrum auf zwei Stunden begrenzt werden, um Dauerparker aus dem öffentlichen Straßenraum zu verdrängen. Hier könne man sowohl mit Parkscheiben als auch -scheinen arbeiten. Vorgeschlagen wird, Gebühren stufenweise anzupassen. So könnte das Parken im öffentlichen Straßenraum im Zentrum von Bernhausen zunächst 1,60 Euro für zwei Stunden kosten und später auf 2,40 Euro erhöht werden. In Parkgaragen etwa könne man bei einem Euro für zwei Stunden bleiben. Und auch ein Bewohnerparken mit Parkausweisen in Wohngebieten ist nicht mehr tabu, zumal durch eine Novellierung des Straßenverkehrsgesetzes eine Einführung zukünftig einfacher möglich sein soll. Verdrängungseffekte durch die Bewirtschaftung müssten beobachtet werden, ebenso der Einfluss des neuen Fernbahnhofs am Flughafen. „Das ist ja der Elefant im Raum“, sagte Jochen Richard.

Wann was wie umgesetzt wird, das ist noch nicht klar – zum Missfallen der Ausschussmitglieder. Die Konzeption, sofern der Gemeinderat sie am 7. April absegnet, werde die Grundlage für weitere Beschlussvorlagen sein, kündigte der Erste Bürgermeister Falk-Udo Beck an. Ein Ausblick gewährte der Ordnungsamtsleiter. In einem ersten Schritt wolle er noch im Mai dem Gremium Vorschläge zur Bepreisung auf dem Krone- und dem neuen Frech-Areal vorlegen. Um weitere Punkte zur Bewirtschaftung soll es laut Jan-Stefan Blessing im zweiten Halbjahr gehen. Spätestens mit der Inbetriebnahme der S-Bahn solle eine Untersuchung zum Anwohnerparken vorliegen. Die werde unter anderem einen 500-Meter-Radius um den neuen Haltepunkt Sielmingen enthalten.

Wo geht es in Bernhausen besonders eng zu?

Auslastung
Die Parkraumuntersuchung hat ergeben, dass der öffentliche Raum in Bernhausen mitunter zu mehr als 100 Prozent ausgelastet ist. Das trifft laut der Analyse unter anderem auf den Bereich am Friedhof, auf die Flächen rund um die Jakobuskirche, die Obere Bachstraße und die Heugasse, die Plätze am Alten Rathaus, Flächen an der Filderbahnstraße und die Plätze der Kreissparkasse zu.

Vorschläge
Die Analyse schlägt eine Bewirtschaftung der Innenstadt vor. Demnach könnte das Parken an der Volmarstraße, der Kirche, der Heugasse oder der Oberen Bachstraße künftig etwas kosten. Anderswo, etwa am Friedhof, wird eine Parkscheiben-Regelung empfohlen. Wichtig laut der Planer: auch private Stellflächen, etwa an der Kreissparkasse oder bei Geschäften, einbeziehen.