Parken in Böblingen Kurios: Uhren an Parkautomaten gehen nach und das ist offenbar ganz normal

Die Uhrzeiten weichen voneinander ab. Foto: Anke Kumbier

Mal zwei, mal vier Minuten. In der Böblinger Poststraße gehen die Uhren an den Parkautomaten falsch. Offenbar ein alltägliches Phänomen – das die Kontrolleure auf dem Schirm haben.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Wer durch die Böblinger Poststraße geht, kann sich auf einer Zeitreise wähnen – zumindest beim Blick auf die Parkautomaten. Während die eigene Uhr 16.32 Uhr anzeigt, ist es auf Parkautomat Nummer eins erst 16.30 Uhr. Einen Automaten weiter das gleiche Spiel, nur mit höherer Abweichung: 16.37 Uhr sagt die eigene Uhr, 16.33 das Parkscheingerät.

 

Nun ist Zeit zwar bekanntlich relativ. Aber von wem, wenn nicht von Parkautomaten hätte man vermutet, dass sie sich an die exakte Uhrzeit halten? Schließlich geht es bei überzogenen Parkscheinen zwar nicht um Sekunden, aber doch manchmal um Minuten. Bei einer nachgehenden Parkuhr im Zweifelsfall um die entscheidenden Minuten – oder?

Automaten dürfen bis zu acht Minuten nachgehen

Eine Nachfrage bei der Stadt Böblingen ergibt: Offenbar ist es völlig normal, dass Uhrzeiten an Parkautomaten abweichen. Äußere Einflüsse wie Sonneneinstrahlung lassen demnach die Uhren mit der Zeit nachgehen. Es gibt sogar einen „Toleranzrahmen“, der noch akzeptiert wird, nämlich bis zu acht Minuten. Und: Die Kontrolleure würden das berücksichtigen, betont die Stadt.

„Abweichende Systemzeiten bei den Parkscheinautomaten sind uns und allgemein den Kommunen bekannt“, heißt es vom städtischen Eigenbetrieb Stadtentwässerung, der sich um die Parkautomaten kümmert. Das städtische Ordnungsamt teilt mit, dass die Kontrolleure die nachgehenden Uhren auf dem Schirm hätten. „Verbunden mit der Anwendung einer Kulanz bei abgelaufenen Parkscheinen entsteht den Fahrzeughalter*innen kein Nachteil.“

Gute Nachrichten für alle Parkenden, dafür mehr Aufwand für die Kontrolleure. Warum also werden bis zu acht Minuten nachgehende Parkautomat-Uhren toleriert? Weil das Stellen der Uhren offenbar ein äußerst heikles Unterfangen ist, das man erst angeht, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt.

Uhren lassen sich nur äußerst aufwendig stellen

Laut Stadtentwässerung gibt es einen bestimmten Typ Parkautomat, der schon älter, aber in Böblingen noch überwiegend im Einsatz ist. Will man an diesem die Uhrzeit einstellen, müsse man direkt in die Zentraleinheit des Automaten eingreifen.

An diesem Automat beträgt die Differenz sogar vier Minuten. Foto: Anke Kumbier

Mit teils schwerwiegenden Folgen: In der Vergangenheit sei es öfter vorgekommen, dass der Automat dadurch in einen „irreparablen Fehlermodus ging und bei Kosten von mehr als 2000 Euro ausgetauscht werden musste.“ Neuere Parkautomaten, die es ebenfalls gibt, stürzen offenbar nicht direkt ab, scheinen aber ebenfalls kompliziert zu steuern zu sein.

Quarzkristalle geraten aus dem Takt

Die Stadtentwässerung fasst das so zusammen: An allen 64 von der Stadt betriebenen Automaten immer wieder die Uhrzeit nachzujustieren würde demnach einen zusätzlichen Aufwand von mehreren Stunden pro Tag bedeuten. Das Wartungspersonal greift deshalb offenbar erst dann ein, wenn der Toleranzrahmen von acht Minuten überschritten wird.

Dass die Uhren überhaupt aus dem Takt geraten, erklärt die Stadtentwässerung mit äußeren Einflüssen. Denn: Die Digitaluhren der Parkautomaten nutzten zur Zeitdarstellung einen Quarzkristall. Dieser Quarzkristall reagiere auf Temperatureinflüsse und Spannungsschwankungen im Stromnetz, dadurch ändere sich seine Schwingungsfrequenz und die Genauigkeit nehme nach und nach ab.

Bedeutet auch: So lange die alten Automaten noch im Einsatz sind, besteht weiterhin die Möglichkeit, eine kleine Zeitreise durch Böblingen zu machen.

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