Parken in Leonberg Wie fair ist „Fair Parken“?

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Damit ihre Kundenstellplätze nicht von Fremden blockiert werden, holen sich einige Einzelhändler jetzt Hilfe.

Rewe  in Leonberg will künftig das wilde Parken kontrollieren lassen. Foto:  
Rewe in Leonberg will künftig das wilde Parken kontrollieren lassen. Foto:  

Leonberg - Die Römerstraße in Leonberg mausert sich immer mehr zur Einkaufs-Mall. Der Neubau von Rewe, der erst vor knapp drei Wochen eröffnet worden ist, kam als weiterer Kundenmagnet hinzu. Das freut die Bürger, weil die Wege zwischen den Ladengeschäften kurz sind.

Doch es bringt auch Probleme. Weil die großen Einzelhändler, von Obi über dm und Kaufland bis zu Rewe, gut mit dem Auto erreichbar und für Kofferraumkunden attraktiv sind, werden Parkmöglichkeiten vor allem in Stoßzeiten Mangelware.

Wer überzieht, muss ordentlich blechen

Damit die Stellplätze nicht von dauerparkenden Anwohnern oder Menschen blockiert werden, die die Nähe zum Bahnhof für eine Weiterfahrt nutzen, hat die Drogeriemarktkette dm als erstes Unternehmen reagiert: Seit einiger Zeit weisen blaue Schilder an den Einfahrten darauf hin, dass die Abstellzeit auf 90 Minuten ­limitiert ist und die Mitarbeiter der „Fair Parken GmbH“ die Parkscheiben kon­trolliert. Wer überzieht, zahlt stolze 24,90 Euro. Rewe wird nach Auskunft der Presseabteilung jetzt nachziehen.

Das Lokalblatt Filderzeitung hat über die umstrittene Praxis der Parkplatzüberwacher berichtet. Ein Fall spielte in Echterdingen. Dort auf dem großen Parkplatz eines Einkaufszentrums sorgt die ­Firma Park & Control seit Anfang 2018 für „Recht und Ordnung“.

Strafen dürfen nicht sittenwidrig ausfallen

Deren Geschäftsmodell wie auch das von „Fair Parken“ scheint sich in einer Grauzone zu bewegen. Das ist aus dem zu schließen, was Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale sagt. Grundsätzlich sei auf privaten Parkflächen wie in Echterdingen erlaubt, Vertragsregeln aufzustellen. Die Strafen dürften jedoch nicht sitten­widrig ausfallen. Dies sei dann der Fall, wenn sich der geforderte Betrag deutlich von ortsüblichen Bußgeldern abhebe. Das sind fünf bis zehn Euro. Die in Echter­dingen ­angedrohten 30 Euro erscheinen ihm zufolge fragwürdig. Auch die bei dm in Leonberg fälligen Bußgelder von 24,90 Euro wären demnach sehr hoch.

Abgesehen davon, dass bei diesem Ge­baren die Kundenfreundlichkeit auf der Strecke bleibt, wie mancher anmerkt. Josef Wölfling hatte abends im Dunkeln sein Auto – mit sichtbarer Parkscheibe – dort abgestellt und fuhr mit seiner Frau nach zwei Minuten wieder weg, weil eine dm-Angestellte seinem Wunsch nach einem Artikel nicht entsprechen konnte. Erst zuhause bemerkte er einen Strafzettel über 24,90 Euro an der Scheibe und fuhr direkt zurück. Erst nach einem nervenaufreibenden Hin und Her mit einer Verkäuferin und kurzer und heftiger Diskussion mit der ­Filialleiterin sei die Sanktionierung wieder vom Tisch gewesen. „Kundenfreundlich war das nicht“, sagt der Leonberger.