Wenn in den nächsten Jahren das neue Quartier Fuchshof aufgesiedelt wird, nahe gelegen dann auch die Oststadthalle und das neue Großspielfeld gebaut werden, droht dort mehr Parksuchverkehr. Denn gleichzeitig werden geplante Parkhäuser erst einmal nicht gebaut (Berliner Platz) oder abgespeckt (Wegfall einer Parkierungsebene an der neuen Oststadthalle), weil sie nicht mehr finanzierbar sind. Oder aber, weil sich – wie im Fall der geplanten Fuchshof-Quartiersgarage mit öffentlichen Stellplätzen – die Prioritäten verschoben haben: Dort gehen wegen der fragileren Energiebeschaffungslage seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine rund 50 Stellplätze flöten, weil der Platz jetzt für einen großen Pufferspeicher gebraucht wird. Im Parkhaus am Berliner Platz hätten rund 140 Autos Platz gefunden, in der gestrichenen Ebene an der Oststadthalle knapp 50.
„Es haben sich einfach Rahmenbedingungen geändert“, sagte Baubürgermeisterin Andrea Schwarz, als sie die Lage im Bauausschuss und im Mobilitätsausschuss vorstellte. Faktoren seien hinzugekommen, die man bei der Planung vor vier Jahren noch nicht habe absehen können. „Wir müssen nach Lösungen suchen, die mit weniger Geld umzusetzen sind.“
Die Verwaltung ist der Auffassung, dass sie den Wegfall der geplanten neuen Parkplätze auf vorhandenem Raum kompensieren kann. Zum Beispiel dadurch, dass auf der eigentlich autofrei geplanten Fuchshofstraße nun doch rund 90 Stellplätze beibehalten werden, im Vorfeld des Stadions neue Parkflächen gebaut werden und die Stadt eine Parkraumbewirtschaftung einführt. Dauerparkern soll dann ebenso ein Riegel vorgeschoben werden wie den Eigentümern von kostenfrei abgestellten Anhängern oder Wohnmobilen.
Im Endeffekt sollen danach unterm Strich sogar mehr öffentliche Stellplätze zur Verfügung stehen – statt jetzt rund 550, die es zwischen Berliner Platz / Stadionbad, Fuchshofstraße, Bebenhäuser Straße, Brünner Straße, Hockeyclub und MTV gibt, dann mehr als 600. Vor allem CDU, Freie Wähler und FDP halten die Berechnungen aber für bloße Schönfärberei. Sie befürchten viel Ärger und übten in der Sitzung daher massive Kritik.
„Das wird nicht funktionieren!“, regte sich Jochen Eisele, FDP-Stadtrat und MTV-Vorstand, auf. „Schon dass wir eine Osthalle und ein Spielfeld ohne zentrale Parkierung bauen ist etwas, das ich noch nirgendwo sonst erlebt habe. Das gibt einen Parksuchverkehr ohnegleichen!“ Wenn Übungsleiter, die von außerhalb kämen, oder Senioren und andere Sportler keine Parkplätze mehr fänden oder Parkgebühren zahlen müssten, sei das ein Standortnachteil für den Sport in der Oststadt. Klaus Herrmann (CDU) schimpfte: „Bei allen Neubaugebieten erzählt man uns, mit den entsprechenden Parkierungskonzepten funktioniert es schon, aber in der Realität heißt es überall, wo ich hinkomme, der Parkdruck ist riesig und es gibt viel zu wenige Stellplätze.“
Das Geld ist knapp – die Stadt sieht keine Alternativen
Dass mehr Autofahrer auf der Suche nach einem freien Platz durchs Quartier kurven werden, wenn es kein gebündeltes Angebot gibt, hatte die Stadt selbst schon als Nachteil identifiziert, ebenso, dass die Konkurrenz zwischen Anwohnern und Sporttreibenden wachsen wird. Weniger Aufenthaltsqualität und „Flächenkonflikte mit dem Fuß- und Radverkehr“ ebenfalls. Weiteres Konfliktpotenzial birgt, dass künftig auch noch ein Schnellradweg durch das Areal führen soll.
Die Stadt sieht aber keine Alternativen: Bei begrenzten finanziellen Mitteln könne sie es sich immer weniger leisten, öffentlichen Parkraum für private Bedarfe zur Verfügung zu stellen, erklärte die Baubürgermeisterin. Der Gewohnheit, dass Bewohner von Wohngebieten günstig am Straßenrand parkten statt in den Tiefgaragen, zu deren Bau man Bauträger verdonnere, gelte es den Riegel vorzuschieben. Wer ins Fuchshofquartier ziehe, wisse von vornherein, dass für Autos nur begrenzt Platz sei – für das Wohngebiet ist ein reduzierter Stellplatzschlüssel beschlossen worden. „So muss das Gebiet auch beworben werden“, sagte Schwarz.
„Und jetzt? Wie gehen Sie mit unseren Bedenken um?“, wollte Stefanie Knecht (FDP) wissen. Andrea Schwarz konterte: „Wir haben im Moment keine Wahl, außer wir sagen, wir machen gar nichts.“ Bei Christine Knoß (Grüne) verursachten die Bedenken einen Emotionsausbruch. „Wir wissen alle, dass wir keine Flächen haben, machen Sie doch mal Gegenvorschläge“, raunzte sie in Richtung CDU, FDP und FW. „Und seien Sie ehrlich: Wie soll das finanziert werden?“ Grüne, SPD, Linke und Lubu sahen das Konzept als unumgänglich an, hoffen aber auf bessere ÖPNV-Taktung, mehr Car-Sharing und viele Fahrradstellplätze. Selbst Christine Knoß hatte eingeräumt: „Mit dem Bus aus der Weststadt zum Sportzentrum zu wollen, ist eine Katastrophe. Es gibt schon gute Gründe, das Auto zu nehmen.“
Man verschenke sich nichts, das Konzept stufenweise, parallel zur Aufsiedelung, umzusetzen, sagte Andrea Schwarz. Zur Not gebe es auch noch Puffer wie den Spielplatz in der Brünner Straße. Den will im Moment aber niemand für Autos opfern.
Parken rund um das neue Wohngebiet
Das Fuchshofquartier
Im Neubaugebiet im Ludwigsburger Osten, das in den nächsten Jahren aufgesiedelt werden soll, sind rund 530 Wohnungen für bis zu 1300 Menschen vorgesehen. Laut Bebauungsplan stehen Wohnungen bis 63 Quadratmeter Größe 0,6 Stellplätze zur Verfügung, Wohnungen bis 79 Quadratmeter 0,8, größeren Wohnungen 1,0 und Doppel- und Reihenhauseinheiten je 1,2 Stellplätze.
Die Autos
Geplant ist im verkehrsreduzierten Fuchshof eine Quartiersgarage mit 58 öffentlichen Stellplätzen, außerdem soll es mehrere Tiefgaragen unter den Wohnblocks geben. Oberirdisch soll es im Wohngebiet kaum Parkplätze geben, allerdings Gelegenheiten zum Be- und Entladen und auch Stellplätze für barrierefreies Wohnen. Wegen der Sportanlagen in der direkten Nachbarschaft und des teils verdichteten Bestandsbaus ist aber wohl dennoch ein steigender Parkdruck zu erwarten.