Parken in Stuttgart-Dürrlewang Neuer Kontrolleur kennt die Grauzone nicht

Von Felix Heck 

Ein kleiner Weg in Stuttgart-Dürrlewang wird vor allem abends zum Nadelöhr für Autos. Die Stadt drückt dort deshalb im Hinblick aufs Parken ein Auge zu. Eigentlich, denn vor Kurzem hat sich das geändert.

Ein neuer Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung hat in den der vergangenen Wochen am Junoweg trotz einer Duldungsregel Falschparker notiert. Foto: Archiv/Rebecca Beiter
Ein neuer Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung hat in den der vergangenen Wochen am Junoweg trotz einer Duldungsregel Falschparker notiert. Foto: Archiv/Rebecca Beiter

Vaihingen - Tagsüber ist die Welt am Junoweg noch in Ordnung: Kaum ein Auto tuckert durch das Wohngebiet an der Straßenbahn-Haltestelle Dürrlewang, am Straßenrand parken nur wenige Fahrzeuge. Doch die Idylle trügt: Seit Jahren beschweren sich die Anwohner der kleinen Seitenstraße über die Parkraumsituation vor ihrer Haustür. Abends gerate die Verkehrswelt am Junoweg regelmäßig aus den Fugen, berichtet einer von ihnen.

Das Kernproblem scheint die Straßenbreite zu sein, die an keiner Stelle mehr als vier Meter beträgt. Spätestens zur Feierabendzeit sind beide Straßenseiten zugeparkt, dann wird die ohnehin beengte Verkehrslage zum kaum bezwingbaren Nadelöhr. Die enge Durchfahrt bekommen unter anderem Müllautos oder Handwerker zu spüren, wenn sie die engen Stellen nur mit Mühe durchfahren können, berichtet ein Anwohner.

Die Betroffenen behelfen sich mit einem verkehrsrechtlich fragwürdigen Parkverhalten: Auf der einen Straßenseite des Junowegs verläuft lediglich ein schmaler Teerstreifen, der Abend für Abend als Abstellfläche für Autos herhalten muss. Und das, obwohl die Straßenverkehrsordnung etwas anderes sagt: Gemäß dem Gesetzgeber sind von Bordsteinen eingefasste Flächen ausschließlich Passanten vorbehalten. Bei Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld.

Man hofft auf eine rechtssichere Lösung

Das kam am Junoweg bereits zum Tragen. Sehr zum Ärger der Anlieger, denn eigentlich habe die Stadt zuletzt Verständnis für das Problem signalisiert. „Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten wird in Absprache mit der Straßenverkehrsbehörde das Parken auf Teilflächen der baulich angelegten Gehwege toleriert“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Amts für öffentliche Ordnung. Zu den Bußgeldbescheiden der vergangenen Wochen sei es durch den Einsatz eines neuen Mitarbeiters gekommen, der über die Duldungsregelung im Junoweg noch nicht informiert gewesen war. Trotz der toleranten Handhabung der Verkehrsüberwachung hoffen die Anwohner auf eine rechtssichere Lösung. So weit ist man bei der Stadt allerdings noch nicht: Im Rathaus möchte man vorerst bei der „Grauzonenregelung“ bleiben.

Eine grundsätzliche Überarbeitung der Situation im Junoweg wurde im Rahmen des städtebaulichen Großprojekts „Soziale Stadt Dürrlewang“ zwar angedacht, bislang aber noch nicht in Angriff genommen. Aus Sicht der Stadt kommt erschwerend hinzu, dass die betreffende Gehwegkante aus „Haftungsgründen für Parkvorgänge baulich angerampt werden müsste“. Das setze jedoch weitreichende finanzielle Kapazitäten voraus, außerdem müsste im Anschluss die Wegführung für Passanten neu bewertet werden.

Fußgänger haben immer häufiger Vorrang

Am Junoweg scheint es darüber hinaus um eine Grundsatzfrage der Verkehrsplanung zu gehen: Das Amt für öffentliche Ordnung lässt durchblicken, dass Gehwegparkregelungen von städtischer Seite immer seltener zugelassen werden. „Angesichts der hohen Bedeutung des Fußgängerverkehrs (...) steht die Stadtverwaltung heute solchen Regelungen grundsätzlich skeptischer gegenüber“, heißt es. Den Bedürfnissen der Fußgänger räume man einen hohen Stellenwert ein.

Eine fußgängerfreundliche Alternative kam auch im Rahmen der „Sozialen Stadt“ zur Sprache: In dem dort erstellten Masterplan wird eine Einbahnstraßenregelung als Option ins Spiel gebracht. Bis es zu einer endgültigen Entscheidung kommt, werden wohl noch viele Müllautos den Junoweg in Dürrlewang mit Rangiermanövern bewältigen müssen: Dem Problem wurde von Bürgerseite aus eine geringe Priorität beigemessen. Zu finden ist sie deshalb erst im hinteren Drittel der Maßnahmenliste.

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