Parken in Stuttgart Parkgebühren steigen deutlich – Brötchentaste bald nur noch 15 Minuten?

Parken in Stuttgart wird teurer – das soll auch dem Klima nützen. Foto: Lichtgut

Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um den Klimaschutz – Parken in Stuttgart soll von September an teils deutlich teurer werden. Doch Details sind noch umstritten.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Vor zwei Wochen hat sich Stuttgart mit dem Beschluss seines Klimamobilitätsplans dem Land gegenüber verpflichtet, die Parkgebühren in der Stadt vom 1. September an deutlich zu erhöhen. Daran ist grundsätzlich nicht mehr zu rütteln, ohne dass die Stadt Millionen an Fördermitteln des Landes riskiert. Nun hat die Verwaltung ihren Plan im Gemeinderat vorgestellt.

 

Kritik an verkürztem Gratisparken

Ein Detail stieß einigen Mitgliedern im zuständigen Ausschuss auf. Michael Schrade von den Freien Wählern kritisierte die geplante Verkürzung des Gratisparkens mit der so genannten Brötchentaste, wie es sie an 420 Parkscheinautomaten gibt, von dreißig auf 15 Minuten: „Uns liegt das quer.“ Auch Alexander Kotz (CDU) monierte dieses Detail: „Die Schlangen beim Bäcker sind doch nicht kürzer geworden“. In der Form wolle man diesem Punkt keinesfalls zustimmen. Christoph Osazek (PULS) wunderte sich hingegen, warum die Erhöhung in der City niedriger ausgefallen sei als in den übrigen Stadtbezirken.

Je nach Parkdauer und -ort sind die geplanten Erhöhungen unterschiedlich. Die Messlatte sind, wie im Klimamobilitätsplan mit dem Land verbindlich vereinbart, die Tariferhöhungen im öffentlichen Nahverkehr.

Die Stadt nimmt die im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) seit 2024 um insgesamt 13,1 Prozent gestiegenen Preise zum Maßstab. In jenem Jahr hatte die Stadt die Parkgebühren das letzte Mal erhöht. Zusätzlich rechnet man die geplante Erhöhung um durchschnittlich 5,9 Prozent mit ein, die ebenfalls zum 1. September in Kraft tritt.

Eine Stunde Parken in der City 16 Prozent teurer

Da auch die Zeittaktung der Parkautomaten verändert werden soll, kann man keine pauschale Steigerung angeben. Im Innenstadtbereich, der Parkzone City, soll die Grundgebühr um 10 Cent von 1,30 auf 1,40 Euro steigen. Nach einer Stunde würde man 6,40 Euro statt 5,50 Euro zahlen – ein Plus von rund 16 Prozent. Eine halbe Stunde würde um rund 13 Prozent teurer und künftig 3,40 statt drei Euro kosten.

In den anderen Gebieten der Stadt soll man nach einer Stunde 1,50 Euro statt 1,20 zahlen. In Kombination mit dem verkürzten Gratisparken würde man ab einer Parkdauer von 20 Minuten bei einem Plus von 25 Prozent landen.

Erhöhung bei Parkgaragen analog zum VVS

Bei den Parkgaragen, Wohnparkgaragen und Park-and-Ride Anlagen (P+R) sollen die Entgelte im Durchschnitt zwischen 13 und 18 Prozent steigen – recht genau im Korridor der VVS-Preiserhöhungen.

In den von der Stadt betriebenen, öffentlichen Garagen, der Rathausgarage, Rotebühlplatz und Parkhaus Steinstraße würden die Gebühren für jede angefangene Stunde um knapp 19 Prozent nach oben gehen, von 3,20 auf 3,80 Euro. In den Tiefgaragen in den Stadtbezirken soll jede angefangene halbe Stunde zehn Cent mehr als bisher kosten also 60 Cent (plus 20 Prozent).

P+R wird zwölf Prozent teurer

Auf den Park-and-Ride-Plätzen (P+R) in Obertürkheim, Rohr und Weilimdorf würde die Steigerung 30 Cent für Tagesparker betragen, die künftig 2,50 Euro bezahlen (plus zwölf Prozent).

Park-and-Ride in Österfeld Foto: LICHTGUT/Leif Piechowski

In Österfeld gilt dieser Tarif wie bisher nur für Besitzer eines Nahverkehrs-Abos. Für Gelegenheitsparker gilt der Parkschein auch als Ein-Zonen-Tagesticket für Bus und Bahn. Wer hier künftig mit mehreren Personen unterwegs ist, soll künftig 14 Euro fürs Parken inklusive Tagesticket bezahlen. Das wäre 80 Cent teurer, als wenn man ab 1. September ein Ein-Zonen-Tageticket für bis zu fünf Personen am Automaten kaufen würde.

Stadt rechnet mit Mehreinnahmen in Millionenhöhe

Die Stadt rechnet in diesem Jahr mit Mehreinnahmen von knapp einer Million Euro. 2027 sollen es drei Millionen Euro werden. In beiden Jahren zusammengenommen wäre dies eine Million mehr als vor dem Deal zum Klimamobilitätsplan schon im Haushalt 2026/27 an Gebührenerhöhungen veranschlagt war.

Ziel ist ausdrücklich auch eine Lenkungswirkung. „Die Maßnahme führt, sofern sich das Nutzerverhalten nach Erhöhung der Parkgebühren und Parkentgelte ändern sollte, zu einer Abnahme der CO2-Emissionen“, heißt es in der Vorlage der Stadt. Das letzte Wort hat am 26. März der Gemeinderat.

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