InterviewParkgebühren in Hohenheim „Nicht jeder kann unter seiner Lieblingslaterne parken“

Die kostenlosen Parkplätze am Straßenrand sind belegt, die kostenpflichtigen Stellplätze bei der Uni Hohenheim  indes sind frei. Foto: Torsten Schöll
Die kostenlosen Parkplätze am Straßenrand sind belegt, die kostenpflichtigen Stellplätze bei der Uni Hohenheim indes sind frei. Foto: Torsten Schöll

Die Parkgebühren an der Uni Hohenheim haben Auswirkungen auf die umliegenden Wohngebiete. Die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel erläutert, welche Sicht sie auf die Debatte hat.

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Hohenheim - Frau Lindel, die zugeparkten Anwohnerstraßen rund um die Uni Hohenheim haben in Birkach und Plieningen für viel Wirbel gesorgt. Als eine Gegenmaßnahme gilt ein Parkraummanagement für die öffentlichen Straßen. Hierfür muss der Parkdruck in den Bezirken aber erst einmal evaluiert werden. Gibt es dafür schon einen Terminplan?

Nein. Die Ausschreibung läuft aber. Wir möchten, dass die Evaluierung unter Vor-Corona-Bedingungen stattfindet, also alle Mitarbeiter und Studierende müssen wieder auf dem Campus sein. Und am Flughafen muss wieder Reiseverkehr wie früher stattfinden. Evaluieren kann man nur einmal, die Rahmenbedingungen müssen passen.

Bis dahin kann also noch viel Zeit vergehen. Würde es Übergangslösungen geben, zum Beispiel das Aussetzen der Gebühren für die Uniparkplätze?

Die Stadt wollte sich beim Land dafür verwenden, dass die Parkplatzgebühren auf Null gesetzt werden. Da laufen die Gespräche noch. Im Übrigen gab es ja bereits eine Gebührenreduzierung für die Wochenenden und Abende.

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Das Anwohnerparken oder die Parkraumbewirtschaftung in den Wohnquartieren bringt auch Nachteile für die Bewohner. Gibt es für das Problem überhaupt einen Königsweg?

In der Innenstadt hat das Parkraummanagement dazu geführt, dass wieder mehr Parkflächen zur Verfügung stehen. Dort war es ein Erfolg. Dass andererseits Besucher in den Wohnvierteln künftig Parkgebühren bezahlen müssten, wird nicht jedem gefallen. Einen Königsweg gibt es nicht. Man sollte sich von der Vorstellung, dass jeder unter seine Lieblingslaterne parken kann, verabschieden.

Eine bessere Anbindung der Innenstadt an den ÖPNV könnte helfen. Wie müsste die Uni idealerweise angeschlossen sein?

Wir haben ja immerhin die Zusage, dass die sogenannte Möhringer Kurve bis 2025 gebaut werden soll. Damit wird von Plieningen aus eine umsteigefreie Direktverbindung in die Innenstadt möglich. Eine noch bessere U-Bahn-Anbindung wäre nur über Birkach nach Degerloch oder zur Ruhbank möglich. Doch da argumentiert die SSB, sei die Topografie einfach schwierig, was den Bau einer möglichen Strecke sehr verteure.

War die Entscheidung der Landesregierung, pauschal alle Uniparkplätze im Land zu bewirtschaften, durchdacht? Oder hätten nicht die lokalen Gegebenheiten stärker berücksichtigt werden müssen?

Mit der Einführung eines Abend- und Wochenendtarifs hat das Land der Tatsache Rechnung getragen, dass die Universität Hohenheim Wohngebiete eingebettet ist. Was den Parkraum angeht, waren Birkach und Plieningen bislang sehr privilegiert. Am Ende muss man auch anerkennen, dass der Straßenraum allen Menschen zur Verfügung steht, nicht nur den Anwohnern. Hinzu kommt: Manche Garage wird auch für den Rasenmäher oder die Fahrräder zweckentfremdet oder ist, weil die Autos immer größer werden, mittlerweile schlichtweg zu klein.




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