Parkhaus Österfeld in Stuttgart-Vaihingen Eine Karte im Auto öffnet die Schranke

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Als einzige Park-and-ride-Anlage ist das Parkhaus Österfeld in Stuttgart-Vaihingen Teil des Pilotprojekts Parconomy der EnBW. Geht es nach dem Geschäftsführer des Parkhausbetreibers, könnte das Konzept noch ausgeweitet werden.

Im September startet das Pilotprojekt der EnBW in zehn Parkhäusern der PBW, darunter auch im Park-and-ride-Haus Österfeld. Foto:  
Im September startet das Pilotprojekt der EnBW in zehn Parkhäusern der PBW, darunter auch im Park-and-ride-Haus Österfeld. Foto:  

Vaihingen - In zehn Parkhäusern der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW) geht das Projekt Parconomy der EnBW an den Start. Neun davon befinden sich in der Stuttgarter Innenstadt, eines in Vaihingen. „Als Schnittstelle zwischen dem Individualverkehr und dem ÖPNV bietet sich das Parkhaus Österfeld geradezu an“, sagt Gebhard Hruby, Geschäftsführer der PBW.

Das Geschäftsfeld Parconomy bezeichnet bei der EnBW das bargeldlose Bezahlen in den Parkgaragen. Das Wort ist eine Kombination aus den englischen Begriffen für Parken und Wirtschaft, beziehungsweise Wirtschaftlichkeit. Für den Kunden, also den Autofahrer, stellt das Konzept eine Erleichterung dar. Sie müssen vor der Ausfahrt aus dem Parkhaus nicht zum Automaten, um ihr Ticket zu bezahlen, sondern können direkt ausfahren. Das spart Zeit. Eine Chipkarte im Auto signalisiert der Schranke, dass der Fahrer an dem Projekt teilnimmt.

Parkhaus ist bereits fürs bargeldlose Bezahlen gerüstet

Umgebaut werden müssen die Parkhäuser in Vaihingen und in der Innenstadt übrigens nicht, die Schrankentechnik ist bereits für die Chipkarten ausgelegt. „Die PBW hat an diesen zehn Parkhäusern bereits ihren eigenen bargeldlosen Mobilitätsdienst Parken-Laden, kurz PL, angeschlossen“, erklärt Hruby. Kunden, die eine entsprechende Karte haben, können dort ein- und ausfahren und – falls sie ein Elektroauto haben – dieses dort an den Ladesäulen aufladen. Weil die Infrastruktur bereits vorhanden ist, muss für das Pilotprojekt nichts nachgerüstet werden. Lediglich das PBW-System Parken-Laden und das Open Parking System (OPS) der EnBW seien miteinander vernetzt worden, sagt Hruby.

Was verspricht sich die PBW von der Kooperation? „Um unseren Mobilitätsdienst bekannter zu machen, werden starke Vertriebspartner und weitere Mobilitätsdienste benötigt, die sich an PL anschließen. Die EnBW bietet mit Parconomy, beziehungsweise mit OPS, die notwendige Vertriebsplattform, um diesen Service möglichst vielen Kunden mit ihren bestehenden Mobilitätskarten zugänglich zu machen“, sagt der PBW-Geschäftsführer.

Den Umstieg auf den ÖPNV attraktiv machen

Die Abrechnung erfolgt in der Regel am Monatsende über die Kooperationspartner – im Falle des EnBW-Projekts ist das die Firma Daimler. 1000 Mercedesfahrer können bald mit ihrer Karte in die Parkhäuser ein- und ausfahren, „ohne, dass sie sich zusätzlich bei uns anmelden müssen“, sagt Hruby. „Über die entsprechenden Schnittstellen sind die Karten unseren Systemen bekannt. Der Kunde kann die Parkhäuser nutzen und erhält von seinem Mobilitätsanbieter, in diesem Fall Mercedes, die entsprechende Abrechnung.“ Die Testphase soll Mitte September beginnen und bis Ende November dauern.

Das Parkhaus Österfeld wurde im Rahmen von Move-BW an den Service Parken-Laden angeschlossen. „Um dem Kunden den Umstieg auf den ÖPNV so attraktiv wie möglich zu machen“, sagt Hruby. Bei Move-BW handelt es sich um ein Pilotprojekt des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg mit dem Ziel, Mobilitätsinformationen über alle Verkehrsträger hinweg zu bündeln und in einer App in der Region Stuttgart zur Verfügung zu stellen. Ein Aspekt des Pilots ist eine Handy-App, die sich schwerpunktmäßig an Autopendler richtet und die Buchungsmöglichkeiten für Mobilitätsalternativen, insbesondere ÖPNV-Tickets, beinhaltet. Die PBW ist einer der Kooperationspartner von Move-BW. „Der Kunde fährt mit seiner Parken-Laden-Karte ins Parkhaus, erhält an der Einfahrt automatisch einen VVS-Fahrschein ausgedruckt und kann schlussendlich mit seiner Karte wieder ausfahren – ohne den Weg und die Bezahlung am Kassenautomat. Seine Rechnung erhält der Kunde dann von seinem jeweiligen Mobilitätsprovider“, fasst der Geschäftsführer zusammen.

Ausweitung auf andere Parkhausbetreiber

Geht es nach Gebhard Hruby, könnte das Pilotprojekt noch auf andere Parkhausbetreiber ausgeweitet werden. Sowohl Apcoa, einer der größten Parkraumbewirtschafter in der Region Stuttgart, als auch Q-Park und Evopark haben bereits eigene Systeme, die via Karte oder App funktionieren. Besser wäre es laut Hruby, ein übergreifendes System zu haben. „Wir könnten den Kunden das Parken in der ganzen Stadt möglichst bequem machen“, sagt der PBW-Geschäftsführer.

Das könnte auch zur Mobilitätswende beitragen, sagt Hruby. „Das geht nicht von heute auf morgen, das ist klar. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Man muss den Kunden den Umstieg auf die Öffentlichen möglichst attraktiv machen.“ Das ginge etwa, wenn nicht nur das Park-and-ride-Haus im Österfeld, sondern auch andere Anlagen rund um Stuttgart in dem Projekt eingebunden wären. P&R-Anlagen gibt es beispielsweise noch am Albplatz in Degerloch oder im Industriegebiet Weilimdorf am S-Bahnhof. „Lasst uns das gemeinsam angehen. Dann könnten die Kunden in allen Parkhäusern, egal wo, bargeldlos bezahlen“, appelliert Hruby an die EnBW und weitere Parkhausbetreiber. So könne man insbesondere Autofahrer, die aus dem Umland nach Stuttgart pendeln, am Stadtrand abfangen und ihnen den Umstieg auf den ÖPNV schmackhaft machen.

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