Parkour-Crew aus Remshalden Drüber statt dran vorbei

Betonwüste? Für das Obstac Parkour & Freerunning-Team aus Remshalden ist der städtische Raum eher ein Paradies. Weitere spektakuläre Bilder der jungen Sportler zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Frank Eppler 12 Bilder
Betonwüste? Für das Obstac Parkour & Freerunning-Team aus Remshalden ist der städtische Raum eher ein Paradies. Weitere spektakuläre Bilder der jungen Sportler zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Frank Eppler

Acht Jugendliche aus Remshalden brauchen zu ihrem Glück nur ein paar Mauern, Treppenstufen und Baumäste. Drehungen, Präzisionssprünge und andere Moves bringen sie über fast jedes Hindernis.

Rems-Murr: Isabelle Butschek (ibu)

Remshalden - Der Außenbereich der Wilhelm-Enßle-Halle ist nicht gerade ein Schmuckstück. Die Witterung hat den ehemals grauen Mauern zugesetzt, ein paar Bäume fristen in der Mitte des gepflasterten Platzes ihr Dasein. Doch für die acht Jungs von Obstac Parkour & Freerunning ist diese Betonwüste ein kleines Paradies. Hier finden sie alles, was sie für ihr Glück brauchen: Unzählige Möglichkeiten, hinüber, hinauf und hinunter zu springen, zu hangeln, zu klettern und sich in der Luft zu drehen. Jeder noch so winzige Vorsprung, ein Baum, ein Laternenmast, eine Hauswand – alles, woran Finger und Füße ein bisschen Halt finden können, wird mit einbezogen. Die Schwerkraft scheint Pause zu machen, wenn die 17- bis 21-Jährigen von Mauer zu Mauer fliegen.

Wieder und wieder und wieder wird der Sprung geübt

Tapp, tapp, tapp – während die jungen Männer trainieren, hört man nur die Geräusche ihrer aufkommenden Turnschuhe. Durchbrochen wird die konzentrierte Stille von einem leise gemurmelten Fluch, wenn irgendetwas nicht geklappt hat.

Simon Breithaupt arbeitet an einem Präzisionssprung auf die oberste Stufe einer Treppe. Wieder und wieder und wieder. Kein Trainer gibt die Anweisung dafür, trotzdem stellen sich drei Obstac-Mitglieder hinter Simon an. Jeder hilft jedem mit konstruktiver Kritik weiter, gemeinsam wird am Ziel gearbeitet: die größtmögliche Perfektion. Wie man dieses Ziel erreicht, ist dagegen jedem selbst überlassen.

Das hat Janis Mühleisen von Anfang an am Parkour und Freerunning gefallen: „Ich war jahrelang Turner, aber das hat mich irgendwann nicht mehr begeistert, weil alles genau geregelt ist“, erzählt er, der wie die anderen Jungs vor einigen Jahren zur Parkourgruppe beim SV Remshalden gefunden hat. „Ich habe Videos im Internet gesehen und wollte das auch machen. So bin ich dazu gekommen“, erzählt Felix Eiler. Ihm hat an dem vermeintlichen Individualsport noch etwas anderes gefallen: „Ich habe die Erfahrung bei Mannschaftssportarten gemacht, dass man oft erst einmal nur auf der Bank sitzen muss. Beim Parkour darf jeder mitmachen, das ist eine große Familie.“

„Parkour und Freerunning kann man überall machen“

In der damaligen Parkourgruppe des SV Remshalden fand sich schnell eine kleine Schar an Jungs, die sich gut verstanden und oft zusammen trainierten. Weil sie ihren Sport noch intensiver betreiben wollten, beschlossen sie im Dezember 2012, ein eigenes Team zu bilden, das sich mittlerweile Obstac Parkour & Freerunning nennt. Mindestens zweimal in der Woche treffen sich die Mitglieder, um zu trainieren – meistens in Remshalden. „Wir fahren auch mal nach Stuttgart, aber das ist oft ein zeitliches Problem“, sagt Simon Breithaupt. Im Winter üben sie ab und zu in der Wilhelm-Enßle-Halle. Denn es gibt schon einige Bewegungsmuster, bei denen es von Vorteil ist, wenn am Anfang noch eine Matte auf dem Boden liegt. Sonst aber sind die jungen Männer meist draußen unterwegs. „Parkour und Freerunning kann man überall machen, man braucht keine Halle, kein Tor, keinen Ball“, sagt Marc Tolle. Am häufigsten trainiert das Team an seinem Plätzchen in Geradstetten. Ob das nicht langweilig wird? „Wir hatten mal zwei andere Traceure da. Und da haben wir erst gesehen, was unser kleiner Spot noch für Möglichkeiten bietet“, sagt Marc Tolle, der wie die anderen Teammitglieder auch noch Krafttraining betreibt: „Man braucht Muskeln, um sich vor Verletzungen zu schützen.“




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