Parkplatz in Filderstadt-Bernhausen Sensoren vertreiben dreiste Dauerparker

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Der Aldi-Markt in Filderstadt-Bernhausen lässt seine privaten Stellplätze neuerdings elektronisch überwachen. Grund sind die vielen Fremdparker wegen der Nähe zum S-Bahnhof. Das System liegt im Trend.

So sehen die Sensoren aus, die Stellplätze für die Kunden freihalten sollen. Foto: Judith A. Sägesser
So sehen die Sensoren aus, die Stellplätze für die Kunden freihalten sollen. Foto: Judith A. Sägesser

Bernhausen - Kaum waren sie da, ging auch schon die Diskussion los. Seit Mitte Januar befinden sich auf dem Aldi-Parkplatz an der Karlstraße in Bernhausen elektronische Sensoren auf dem Boden. Sie registrieren, ob ein Auto auf ihnen parkt – und vor allem wie lang. Wird die zulässige Dauer von 90 Minuten überschritten, müssen die Autofahrer mit einer Vertragsstrafe rechnen. Eine zehnminütige Kulanzzeit gibt der Betreiber oben drauf. Die Bedingungen sind auf dem Parkplatz gut sichtbar ausgeschildert.

Die Leute sollten aufhören zu meckern, schreibt einer

„DDR 2.0“, kommentiert Sandra M. in der Facebook-Gruppe Treffpunkt Filder die Neuerung auf dem Bernhäuser Parkplatz. Der Post hat jede Menge Kommentare, allerdings scheint die Einschätzung jener Nutzerin eher die Ausnahme zu sein. So schreibt Eric K.: „Inwiefern soll das gleichzusetzen sein mit der Überwachung der DDR? Hier wird gemessen, wie lange ein Objekt dasteht, es wird sonst nichts gesammelt. Wenn es nicht zig illegale Parker geben würde, bräuchte man so was nicht.“ Ebenso sieht dies Thomas S.: „Zum Fremdschämen. Erst reißen manche das Maul auf, wie es sein kann, dass man einen Strafzettel bekommt, wenn man die Parkscheibe vergisst . . . Dann reagieren die Firmen und entwickeln bequemere Lösungen, schon wird wieder ein absurder Grund gefunden, um weiter zu meckern. Nur noch peinlich. Schämt euch, ihr Meckerliesen.“

Die Sensoren liegen im Trend bei Läden, die Privatparkplätze von Fremdparkern freihalten wollen. Manche haben zuvor auf ein anderes System gesetzt: die Parkscheiben-Pflicht. Mitarbeiter privater Parkraumbewirtschafter kontrollieren dabei, ob die Autofahrer eine Parkscheibe aufs Armaturenbrett gelegt haben und sich an die gestattete Zeit halten. Weil sich viele Kunden nur schwer an den Zwang zur Parkscheibe gewöhnen konnten oder wollten, hagelt es dann nicht selten Kritik.

Es gab zu viele Beschwerden wegen der Parkscheiben-Pflicht

Beispiel Filder-Einkaufszentrum in Leinfelden. Dort ebbte die Welle der Entrüstung nicht ab, weshalb sich der Grundstücksbesitzer genötigt sah, die Parkscheiben-Pflicht wieder zu kassieren. Zunächst war im Gespräch, dass auch dort fortan Sensoren die Stellplätze überwachen sollen, daraus geworden ist allerdings bislang nichts. Momentan ist der Parkplatz an der Hohenheimer Straße in Leinfelden wieder für jedermann offen – und deshalb nicht selten zugeparkt. Freilich nicht nur von Supermarkt-Kunden.

Und genau jene Fremdparker sind auch das Problem bei Aldi in Bernhausen. Aufgrund der Nähe zum S-Bahnhof, zur Messe und dem Flughafen sei es dort zu „Engpässen“ gekommen, wie eine Sprecherin von Aldi auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Im Dezember 2017 sei deshalb dort die Parkscheiben-Pflicht eingeführt worden. Das habe zwar gegen die Fremdparker gewirkt, „gleichzeitig nahm aber die Zahl an Kundenbeschwerden zu“, so die Sprecherin. Deshalb sei man vor Kurzem auf die Sensoren umgestiegen.

Immer mehr würden die Sensoren einsetzen

Die Sensoren übermitteln ein Signal an die Parkraumbewirtschafter, wenn ein Parker die erlaubte Zeit überzieht. Ein Mitarbeiter wird dann zu eben diesem Standort entsandt, und er klemmt einen Strafzettel hinter den Scheibenwischer: 25 Euro. Beauftragt ist Park & Control, die Firma bewirtschaftet aktuell nach eigenen Angaben 18 000 Stellplätze, „Anzahl steigend“, sagt ein Sprecher. Die Nachfrage nach der Sensoren-Technologie sei groß. Sie sei eingeführt worden, „um das Parkerlebnis noch komfortabler und fairer zu gestalten“.




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