Esslingen - Die Nerven liegen blank. Die schlechte Laune steigt. Die Wut kocht hoch. In und um den neuen Sportpark im Esslinger Stadtteil Weil sind Parkplätze Mangelware, beklagen Anwohner, Besucher, Sportler und Gäste der Anlagen. Falschparker, die Nutzung nicht öffentlicher Stellplätze, das illegale Belegen der für die Gastronomie reservierten Parkplätze und Abschleppaktionen unerlaubt abgestellter Fahrzeuge sorgen für böses Blut: „Ich bin am Ende meiner Kräfte“, schreibt eine Leserin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Und sie spricht von einer „katastrophalen Parkplatz-Situation“. So kann der Besuch der Sportanlagen schon bei der Anfahrt zu einer Herausforderung werden. Doch das Pressereferat der Stadt verweist auf öffentliche Verkehrsmittel, die gute Busanbindung und zusätzliche Abstellmöglichkeiten im Umfeld der Anlage: „Für den Trainings- und den Regelbetrieb können die Parkflächen als ausreichend erachtet werden“, teilt Niclas Schlecht aus dem Stab des scheidenden Oberbürgermeisters Jürgen Zieger mit.
Kein Grund für Nervenflattern
Langes Suchen nach einem Parkplatz, mehrfaches Herumkurven um die Sportanlagen, endloses Ausschauhalten nach einem Abstellplatz – das ist anstrengend. Doch in und um den Sportpark Weil gibt es nach Ansicht der Stadt Esslingen keinen Grund für ein autobedingtes Nervenflattern. Auf dem Gelände würden 47 Parkplätze zur Verfügung stehen, betont Niclas Schlecht. Zudem könnten Parkflächen auf der gegenüberliegenden Straßenseite genutzt werden. Sollten diese Stellflächen nicht ausreichen, würde es weitere freie Flächen geben: „Bei Mehrbedarf durch Veranstaltungen besteht zusätzlich noch die Möglichkeit des Parkens entlang der Champagnestraße.“ An bestimmten Tagen und zu bestimmten Zeiten könne aber auch auf die Parkflächen des Neckarcenters oder des Daimler-Werks Brühl zurückgegriffen werden.
Gute Busanbindung und Taktung
Zudem verweist Niclas Schlecht auf die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die schnelle Taktung der beiden Buslinien. Der Sportpark Weil und die Haltestelle Eberhard-Bauer-Stadion würden von den beiden Omnibuslinien 102 und 103 angefahren. Die Taktung sei sehr gut: Zu den Hauptverkehrszeiten montags bis freitags und samstags könnten sich Passagiere über einen 15-Minuten-Takt freuen. Zu den normalen Verkehrszeiten bestehe montags bis freitags sowie samstags und sonntags eine Anbindung im 30-Minuten-Takt. Und der persönliche Referent von OB Jürgen Zieger nutzt die Gelegenheit, um auf die veraltete Bezeichnung der Bushaltestelle Eberhard-Bauer-Stadion hinzuweisen: „Eine Umbenennung ist vorgesehen“.
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Mit Blick auf die von Nutzern der Anlagen kritisierte geringe Anzahl der Parkplätze verweist Niclas Schlecht zudem auf einen Gemeinderatsbeschluss vom Oktober 2019. Die Kosten für den Sportpark Weil hatten sich nach der Ausschreibung und der Abgabe der ersten Angebote für die Baumaßnahmen hochgeschraubt: Sie lagen um 1,15 Millionen über der vom Stadtparlament ursprünglich genehmigten Summe in Höhe von 5,4 Millionen Euro. Um Ausgaben einzusparen, wurde die Planung deutlich verschlankt. Die Fachämter, das beauftragte Planungsbüro und die Landschaftsarchitekten hatten verschiedene Maßnahmen zur Ausgabensenkung vorgeschlagen. Der Sparkatalog sah als Unterpunkt die Halbierung des Stellplatzangebots von ursprünglich 100 auf nun 47 Parkplätze vor. Durch die Reduzierung konnte die kostenintensive Verlegung der Tennishalle eingespart werden.
Zwei Freilufthallen auf dem Gelände
Der Gemeinderat hatte das gesamte Maßnahmenpaket mit einer Mehrheit von 15 Ja-Stimmen bei vier Gegenstimmen und 13 Enthaltungen abgesegnet. Ungeachtet der Parkplatzfrage wird am Sportpark Weil weiter gebaut. Zwei Freiluftsporthallen entstehen auf dem Areal, und zurzeit werden nach Angaben der Stadtverwaltung die Erd- und Fundamentarbeiten dafür umgesetzt. Danach stehen der Auf- und Hochbau sowie die Dachbegrünung und eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Plan. „Der Baufortschritt wird im Herbst stark witterungsabhängig sein, sodass dies beeinflussen wird, ob eine Fertigstellung noch 2021 oder erst 2022 erfolgen kann“, heißt es. Für die Maßnahme fallen Kosten in Höhe von etwa 1,1 Millionen Euro an, wobei Zuschüsse von Bund und Land in Höhe von ungefähr 712 000 Euro gewährt werden. Außerdem stehen Restmittel aus dem Projekt Sportpark Weil in Höhe von 250 000 Euro zur Verfügung.
Die Baumaßnahmen
Der Sportpark Weil
Für Kosten in Höhe von etwa 5,4 Millionen Euro wurden ab Januar 2020 die Sport- und Freianlagen des Sportparks Weil neu geordnet. Etwa die Hälfte der Kosten wurde durch einen Zuschuss von 1,98 Millionen Euro aus dem Förderprogramm Soziale Stadt abgedeckt. Entstanden sind im Zuge der Maßnahme auch ein Eingangsbereich mit Vorplatz, ein Naturrasen- und ein Kunstrasenspielfeld, eine 100-Meter-Laufbahn, ein Trainingsspielfeld sowie ein Bürgerpark mit öffentlichen Freizeit-, Aktiv- und Bewegungsflächen.
Die Sporthalle Weil
Die Eberhard-Bauer-Halle war für Gesamtkosten in Höhe von fast neun Millionen Euro ab Frühjahr 2017 saniert worden. Durch die Bauarbeiten, die mit einer Förderung des Bundes von 3,2 Millionen Euro unterstützt wurden, hat sich die Anzahl der Sportflächen von drei auf sechs und die Zuschauerkapazität auf bis zu 1000 Menschen erhöht. Eine dreigeteilte Multifunktionshalle mit Gymnastikräumen ist entstanden. Zusätzlich zum sportlichen Angebot wurden Sozial- und Gruppenräume geschaffen. Sie sollen Integration und Inklusion sowie der Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit dienen. eine Betreibergesellschaft mit der SV 1845 Esslingen und dem FC Esslingen soll die Gruppenräume bespielen.