Parkraummanagement im Süden Kein Parkplatz soll nachts ungenutzt sein

Die Grünen im Stuttgarter Süden wünschen sich eine weitere Verbesserung der Parksituation. Vorhandene Kapazitäten sollen optimiert und neue Parkhäuser, die gebaut werden, für Anwohner nachts günstiger zur Verfügung gestellt werden.

Nach den Vorstellungen der Grünen könnten Parkhäuser nachts für Anwohner geöffnet werden. Foto: dpa
Nach den Vorstellungen der Grünen könnten Parkhäuser nachts für Anwohner geöffnet werden. Foto: dpa

S-Süd - Eine Wunderwaffe gegen jegliche Verkehrsprobleme in der Stuttgarter Innenstadt ist das Parkraummanagement definitiv nicht. Lediglich tagsüber zeigen sich erste kleine Verbesserungen. Nachts hat sich jedoch nichts geändert: Autos parken in zweiter und dritter Reihe, auf Kreuzungen oder mitten auf Gehwegen. Vor allem im Lehen- und Heusteigviertel ist der Parkdruck groß. Es gibt einfach nicht genügend Parkplätze. Die Grünen-Fraktion im Bezirksbeirat Süd fordert nun in einem Antrag, welchem das Gremium mehrheitlich auch zustimmte, die Stadtverwaltung auf, die vorhandenen Kapazitäten besser auszuschöpfen.

Am Marienplatz, beim Marienhospital oder beim Statistischen Landesamt – aus Sicht der Grünen gibt es noch unzählige ungenutzte Parkplätze im ganzen Stadtgebiet. Denn die Parkhäuser und institutionellen Stellplätze sind nachts leer. In ihrem Antrag fordern sie die Stadtverwaltung auf, zunächst mit den Betreibern des Parkhauses am Marienplatz, der Firma Apcoa Parking, Verhandlungen aufzunehmen. Die Einführung eines verbilligten Nachttarifs für Bewohner des Südens kann sich die Partei gut vorstellen.

Parkhäuser sollen nachts für Anwohner öffnen

In einem zweiten Schritt soll die Verwaltung prüfen, wo – vor allem nachts – weitere Kapazitäten im Bezirk vorhanden sind. Das könnten, so die Vorstellung der Grünen, auch Schulparkplätze sein. Neu ist diese Idee im Süden nicht. „Jahrelang haben wir Anträge gestellt“, sagte Wolf-Dieter Wieland (FDP) in der Sitzung. Immer wieder habe man gefordert, nachts die vorhandenen Parkhäuser für Anwohner aufzumachen. „Nichts ist passiert bisher.“ Dennoch war auch er der Meinung, dass es nicht schaden könne, erneut einen Antrag zu stellen. „Auch ich gehe, wie die Grünen, mit offenen Augen durch die Gegend“, sagte Wieland. „Nach wie vor ist vor allem nachts jeder Parkplatz ein Gewinn.“

Durch das Parkraummanagement kommt zudem langfristig mehr Geld in die Stadtkasse. Das soll laut den Grünen nun nicht einfach sang-und klanglos in den Haushalt fließen und dort irgendwo untergehen, betonte der Grünen-Bezirksbeirat Norbert Retlich. „Wir würden schon gerne wissen, was für Beträge da erwirtschaftet werden“, ergänzte er. Und wie das Geld genau verwendet werden könnte, auch dafür hat die Fraktion schon Ideen. So könnte man damit weitere Wohnparkhäuser bauen und damit dann tatsächlich mehr Parkplätze schaffen.

Die Diakonie geht im Westen mit gutem Beispiel voran

Ein Musterbeispiel hierfür entsteht im Stuttgarter Westen am Diakonissenplatz: Dort baut die Diakonie-Klinikum-Stuttgart-Immobiliengesellschaft derzeit ein Gesundheitszentrum sowie eine vier- und eine fünfgeschossige Wohnanlage mit zusammen fast 50 Mietwohnungen. Die fünf Gebäuderiegel umschließen einen Innenhof. Unter dem Gelände entsteht eine Tiefgarage mit 612 Stellplätzen, deren Zufahrt an der Rosenbergstraße liegen wird. 100 Plätze werden für Bewohner reserviert, die übrigen sind frei verfügbar. Um die Stellplätze am Diakonissenplatz optimal auszulasten, will die Bauträgerin ein Time-Sharing-Modell einführen: Tagsüber parken Personal, Patienten und Besucher des Gesundheitszentrums, abends und am Wochenende stehen die Plätze den Bewohnern der näheren Umgebung zur Verfügung. Ihnen soll ein vergünstigter Nacht-Tarif angeboten werden, von morgens an gilt wieder Normaltarif. Wo dies im Süden allerdings passieren soll, ist für Wolf-Dieter Wieland fraglich. „In welchem Gässle im Lehenviertel wollen Sie denn das bauen?“, fragte er deshalb erstaunt. Aus Wielands Sicht sind die Vorschläge der Grünen allesamt sinnlos. „Das bringt nichts“, betonte er.

Das langfristige Ziel ist weniger Verkehr insgesamt

Den Stadtisten wiederum scheinen die Wünsche noch nicht weit genug zu gehen: „Wir wollen erreichen, dass überhaupt weniger Individualverkehr in der Stadt ist“, sagte Jens Hermann. Da sich an der allgemeinen Situation in absehbarer Zeit aber wohl nichts ändern wird, unterstützt die Wählervereinigung die Idee, ungenutzten Parkraum ausfindig zu machen. „Die Parkhäuser sind eine gute Idee“, lobte Hermann.

Bezirksvorsteher Raiko Grieb ist indessen bereits an die Stadtverwaltung herangetreten. Er fordert einen Ansprechpartner bei der Stadt, der sich um dieses Anliegen kümmert und zum Beispiel auch Eigentümer von Parkraum rechtlich berät.

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