Parookaville-Festival Wirbel um „Mini-Bar“ mit Kleinwüchsigen

Von red/epd 

Der Bundesverband kleinwüchsiger Menschen hat Beschwerde gegen eine Aktion beim „Parookaville“eingereicht. Die Organisation will verhindern, dass auf dem Festival Kleinwüchsige an einer Bar Schnäpse ausschenken.

Kleinwüchsige sollen auf dem „Parookaville“-Musikfestival in Weeze an einer Bar „Kurze“  – also Schnäpse  –  ausschenken (Symbolfoto). Foto: dpa
Kleinwüchsige sollen auf dem „Parookaville“-Musikfestival in Weeze an einer Bar „Kurze“ – also Schnäpse – ausschenken (Symbolfoto). Foto: dpa

Weeze - Eine Festival-Bar, in der kleinwüchsige Menschen „Kurze“ ausschenken sollen, sorgt für eine Diskussion zwischen Veranstalter und Verbänden. Der Sprecher des Bundesverbandes Kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien, Michel Arriens, fordert die Stadt Weeze am Niederrhein auf, den Betrieb zu unterbinden. Die Bar soll am Freitag beim dortigen Parookaville-Festival geöffnet werden. Veranstalter und Ordnungsamt verteidigen die Bar als künstlerisches Projekt.

„Diskriminierung hat keinen Lerneffekt“, sagte Arriens dem Evangelischen Pressedienst (epd). Künstlerische Interpretationen, in denen das Thema „Kleinwüchsigkeit“ behandelt werde, seien grundsätzlich okay. Wenn es aber so sei, dass Kleinwüchsigkeit „zum Gespött“ würde, sei eine Grenze überschritten.

Das Ordnungsamt der Gemeinde Weeze will die Bar nicht verbieten

Die „Mini-Bar“ ist den Angaben zufolge Bestandteil des „Wacky Shacks“, eines sogenannten Clubs ohne Regeln auf dem Festivalgelände. Der Alkoholausschank mit Kleinwüchsigen ist dort erstmals vertreten. Das Konzept sei bereits auf anderen Veranstaltungen umgesetzt worden, hieß es. Der kleinwüchsige Schauspieler und Perfomancekünstler Peter Gatzweiler betreibt die Bar. Mit der Aktion spiele er mit Worten und wolle auf sich als Künstler aufmerksam machen, hatte Gatzweiler am Donnerstag seine Entscheidung gegenüber dem WDR gerechtfertigt. Die Aufregung um die Bar könne er nicht verstehen.

Das Ordnungsamt der Gemeinde Weeze werde die Bar nicht verbieten, sagte Leiter Georg Koenen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Man betrachte den Alkoholausschank als Teil einer „künstlerischen Darbietung“. Allerdings werde man den Alkoholausschank durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes regelmäßig kontrollieren.

Festivalveranstalter verweist auf künstlerischen Ansatz

Auch der Sprecher der Festivalveranstalter, Philipp Christmann, verwies auf einen künstlerischen Ansatz, der der „Mini-Bar“ zugrunde liege. Es gehe darum, einen „gesellschaftlichen Diskurs“ zu befördern. Die Bar sei als künstlerische Aktion gedacht, das Konzept sei von Kleinwüchsigen vorgeschlagen worden und werde von ihnen auch umgesetzt. Über die öffentliche Resonanz und Kritik an der Bar sei man überrascht.

Das Parookaville-Festival auf dem ehemaligen Militärgelände des Flughafens Weeze beginnt am Freitagnachmittag und dauert bis Sonntag. Rund 60.000 Besucher werden pro Tag erwartet. Nach Angaben der Veranstalter ist es das größte Festival für elektronische Tanzmusik in Deutschland.