Parteienkommunikation CSU und SPD im Kommunikationssumpf

Michael Adam steht zu seiner Kritik an der bayerischen SPD. Foto: dapd
Michael Adam steht zu seiner Kritik an der bayerischen SPD. Foto: dapd

Die verbalen Entgleisungen von Politikern im Netz haben schon häufig zu Rücktritten geführt. CSU und SPD in Bayern scheinen dennoch nichts gelernt zu haben.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Mirko Weber (miw)
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Stuttgart - In seiner „Kritik der reinen Vernunft“ findet Immanuel Kant das zeitlose Bild vom Menschen, welcher am liebsten immer wieder einen Turm errichtete, der dann womöglich bis zum Himmel reiche. In Wirklichkeit jedoch, meinte Kant, könne man’s für gewöhnlich gerade mal zu einem „Wohnhaus“ bringen – also erfahrungsgemäß und gedanklich. Mit anderen Worten riet Kant unter anderem allen Schustern dringlich, bei ihren Leisten zu bleiben, und wurde von den Zeitgenossen und der Nachwelt ziemlich geliked. Andererseits haben wir jetzt Hornbach. Und Facebook. Und es gibt wirklich immer irgendwas zu tun.

Nur zum Beispiel hat am Wochenende der niederbayerische SPD-Landrat Michael Adam über den Facebook-Account einer Genossin einige seiner Meinung nach wahre, aber unschöne Dinge die bayerische SPD („Speichellecker“) betreffend zum Besten gegeben. Er wollte auf diesem Wege, wie er sich später ausdrückte, eine „innerparteiliche Diskussion“ in Gang zu bringen. Das hat so weit geklappt, wenn auch vielleicht nicht ganz wie intendiert. Die Bekannte des geborenen Einzelkämpfers Adam war dann zwar so geistesgegenwärtig, den Eintrag bald zu löschen, und Adam bedauert ihn mittlerweile formal, aber nicht inhaltsgemäß. Eine vermutlich nicht ganz spannungsfreie Unterhaltung mit dem SPD-Vorsitzenden Florian Pronold steht aber noch aus.

Dass weitaus größere Grenzüberschreitungen generell wiederum nicht das Ende aller menschlichen Turmbauerei bedeuten müssen, kann man umgekehrt am Fall des ehemaligen CSU-Sprechers Hans Michael Strepp erkennen. Wie vielleicht noch erinnerlich, hatte Strepp sich berufen gefühlt, die Nachrichtenprogrammplanung des ZDF in Sachen bayerischer SPD ein bisschen energischer in die Hand zu nehmen, was dann doch ziemlich auf Protest gestoßen war. Strepp wurde als Sprecher zurückgetreten. Innerparteilich jedoch bleibt Strepp, was er war, nämlich Chef des Planungsstabs, wo die Partei sich ausdenkt, was man von ihr halten können sollte. Das ZDF, erläuterte ein sichtlich mit sich im Reinen befindlicher Horst Seehofer, habe die Causa Strepp einfach als „Vorfall überhöht“. Manchmal ist Seehofer fast bei Kant. Unbewusst.




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