Partnergemeinden Rohrau Schnitzel mit Spätzle oder mit K-Salat? 50 Jahre gelebte Verbundenheit

Bei einer gemeinsame Schauübung vor dem Rathaus stellen die beiden Rohrauer Wehren ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis. Foto: Stefanie Schlecht

Vor einem halben Jahrhundert wurde die Gemeindepartnerschaft zwischen dem schwäbischen und dem niederösterreichischen Rohrau besiegelt. Das wurde nun zünftig gefeiert.

„Aus Begegnungen wurden Beziehungen, aus Besuchen wurden Traditionen und aus Fremden wurden Freunde.“ So fasste Albert Mayer, Bürgermeister des niederösterreichischen Rohraus, die über 50 Jahre gewachsene Partnerschaft mit dem „schwäbischen Rohrau“ zusammen: Diese Freundschaft sei keine, „die von oben herab verordnet wurde, sondern von unten heraus entstand“.

 

Genau diese auf verschiedenen Ebenen und zwischen vielen Menschen über Jahrzehnte immer enger geknüpften Verbindungen waren greifbar am Samstagabend in der Rohrauer Schönbuchhalle. Dort erreichten die dreitägigen Jubiläumsfeierlichkeiten zu 50 Jahren Gemeindepartnerschaft bei einem Festabend ihren Höhepunkt. Begonnen hatte der Festreigen, zu dem 42 Personen aus Österreich die knapp 700 Kilometer angereist waren, bereits am Donnerstag mit einer Vatertagshocketse am Rohrauer Kirchplatz. Am Freitagabend waren bei einer erneuten Auflage der „Rohrauer Nacht“, bei der es die unterschiedlichsten Veranstaltungsformate verteilt über den ganzen Flecken gab, die Menschen zahlreich unterwegs. Besonderer Höhepunkt dabei: eine gemeinsame Schauübung der beiden Rohrauer Wehren vor dem Rathaus.

Die Menschen sind die Grundlage der Partnerschaft

„Wenn es die Menschen nicht gäbe, gäbe es auch die Partnerschaft nicht“, betont Rohraus Ortsvorsteher Torsten Widmann, der – wie auch Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch – die Architekten der Gemeindepartnerschaft hervorhob. Einer davon ist Gerhard Schrade, der die Partnerschaft der beiden Sportvereine bereits 1971 initiierte. Unvergessen ist auch der im vergangenen Jahr verstorbene Walter Kientzle, vor dessen beispielhafter Lebensleistung, mit der er und seine Familie die Freundschaft mit dem niederösterreichischen Rohrau geprägt hat, er seinen Hut ziehe, unterstrich Thomas Riesch.

Dessen Tochter Heike Kientzle sei mit ihrer Familie „nicht nur symbolisch das tollste Sinnbild der Partnerschaft“, so Albert Mayer. Denn seit 2013 hat sie ihren Lebensmittelpunkt der Liebe wegen ins österreichische Rohrau verlegt und ist dort inzwischen Ortsvorsteherin. Ihren Mann kenne „sie von Kindesbeinen an“ von den jährlichen wechselseitigen Treffen an Pfingsten. „Heute haben wie die ersten beiden ‚offiziellen‘ Partnerschaftskinder – ein schöneres Symbol für die Verbindung unserer Orte gibt es wohl nicht“, schreibt sie für die von Karl-Heinz Bohnert zusammengestellte Festschrift.

Spaß beim Dosenwerfen Foto: Stefanie Schlecht

Sie, ihr Mann Uwe Weisz, der Vizebürgermeister Markus Breyer und der Rohrauer Werner Schmid blickten zudem bei einer Talkrunde mit dem ehemaligen Ortsvorsteher Norbert Sünder auf für sie unvergessliche Erlebnisse zurück. So erzählte letzterer von einem wegen nicht fahrender S-Bahnen verpassten Flug – und der letztendlich erfolgreichen Überzeugungsarbeit beim Luftfahrtunternehmen, dass die Tickets für die 40-köpfige Delegation für den Nachmittagsflug gültig blieben. Eine ähnliche Geschichte hat auch Markus Breyer parat – nur ging es bei einer legendären Zugrückfahrt um verlorene Tickets. Dass die Zugbegleiterin, die beide Augen zudrückte, „Frau Fuchs“ hieß, vergesse er nie. Und Uwe Weisz blickte auf die kulinarischen Unterschiede – und zwar nicht auf den Klassiker „Schnitzel, Spätzle und Soße“, der bei Österreichern immer Kopfschütteln auslöst, da bei ihnen Kartoffelsalat und niemals Soße dazu gereicht wird –, sondern er habe sich vielmehr nach dem Verzehr von Gaisburger Marsch – aus seiner Sicht eine Suppe – gefragt, wo denn die Hauptspeise bleibe.

Partnergemeinde spielen zusammen ein Quiz

Ein umfangreiches Quiz „Rohrau gegen Rohrau“, gespielt von jeweils drei Vertretern, moderiert von Ciara Widmann, schloss sich an. Nach fünf Runden konnte das schwäbische Rohrau den Sieg knapp für sich verbuchen. Klarer fiel dagegen mit 4:1 der Heimsieg beim Fußball-Festspiel am Nachmittag aus. Komplettiert wurde das abendfüllende Festprogramm, das musikalisch vom Musikverein Gärtringen und der Leitung von Matthias May umrahmt wurde, durch Verleihung des neu geschaffenen Walter-Kientzle-Gedächtnispreises. Die ersten Preisträger, die sich allesamt um die Partnerschaft verdient gemacht haben, sind: Norbert Sünder, Hans Dexler, Werner Schmid, Markus Breyer, Elisabeth und Helmut Weisz sowie Gerhard Schrade und Margarete Kientzle.

Schon 2027 gibt es gute Anlässe zu einem Gegenbesuch in Österreich, denn die Freiwillige Feuerwehr feiert ihr 150-jähriges Bestehen und der Sportclub Rohrau-Gerhaus wird 100 Jahre alt.

Rohrau in Niederösterreich

Fakten
Rund 40 Kilometer südöstlich von Wien liegt die Marktgemeinde Rohrau in Niederösterreich zwischen Bruck an der Leitha und Hainburg an der Donau in der Weinanbauregion Carnuntum. Zusammen mit den Ortsteilen Pachfurth, Gerhaus und Hollern hat Rohrau knapp 1700 Einwohner.

Kultur
In der Gemeinde sind die beiden Komponisten Joseph Haydn (1732) und sein Bruder Michael (1737) geboren. Im Geburtshaus der beiden zeigt das Haydn-Museum Interessantes über Leben und Werke der beiden Söhne des Ortes. Auch das spätbarocke Schloss Rohrau ist sehenswert. Dort befindet sich mit der Graf Harras’schen Familiensammlung die größte Privatgemäldesammlung spanischer und neapolitanischer Maler aus dem 17. und 18. Jahrhundert in Österreich.

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