Partnerland der Hannover Messe „In Schweden ist es okay zu scheitern“

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Die Schweden sind kreativ, technikaffin und haben keine Angst vor Datenmissbrauch, sagt Mats Gökstorp, Vertriebsvorstand des Sensorenherstellers Sick im badischen Waldkirch. Er muss es wissen. Der Schwede hat viel Erfahrung in einem Start-up gesammelt.

Wer in Schweden scheitert, ist sozial abgesichert, sagt Mats  Gökstorp, Vertriebsvorstand  des Sensorenherstellers Sick. Foto: Sick
Wer in Schweden scheitert, ist sozial abgesichert, sagt Mats Gökstorp, Vertriebsvorstand des Sensorenherstellers Sick. Foto: Sick

Stuttgart - Die Schweden sind kreativ, technikaffin und haben zudem keine Angst vor Datenmissbrauch. Das jedenfalls behauptet Mats Gökstorp, Vorstand des Sensorenherstellers Sick im badischen Waldkirch.

Herr Gökstorp, Schweden und Deutschland sind Hochlohnländer. Beide Länder sind auf Innovationen angewiesen. Doch im Gegensatz zu Deutschland hat Schweden eine rührige Start-up-Szene. Sind Schweden kreativer?

Die Schweden sind sehr kreativ. Sie sind ausgesprochen technikaffin, und sie nutzen technologische Möglichkeiten. Angst vor Datenmissbrauch gibt es nicht. Die Schweden sind es gewohnt, offen mit persönlichen Daten umzugehen. All dies führt dazu, dass sie aufgeschlossen sind, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren. Sie wollen ihre eigenen Ideen am Markt testen. Und dabei sind sie risikobereiter als die Deutschen. Das ist ihre Mentalität. Der schwedische Staat fördert dies. Denn selbst wenn ein Gründer scheitert, verliert er nicht alles. In Schweden gibt es eine gute soziale Absicherung.

Wie werden Gründer in Ihrem Land gefördert?

Es gibt eine Vielzahl von Technologiezentren in der Nähe der Universitäten, die unter anderem mit öffentlichen Geldern der Städte oder des Landes finanziert werden. Gründer können sich dort kostengünstig einmieten. Sie bekommen Unterstützung etwa bei der Erstellung eines Businessplanes und erhalten Tipps, wie sie sich etwa vor Geldgebern präsentieren. Die Zentren veranstalten Marketingaktionen, von denen dann alle Mieter profitieren. Kurzum, in diesen Zentren sind Gründer nicht auf sich alleine gestellt. Das hilft, um Netzwerke zu bilden.

Werden junge Menschen in der Schule vorbereitet?

Nein, erst an den Unis werden unternehmerische Initiativen gefördert. Das muss aber nicht zur Gründung eines Start-ups führen. Man kann technologische Ideen ja auch innerhalb eines Konzerns verwirklichen. Schon zu meiner Studienzeit gab es Programme, um junge Menschen auf den Sprung in die Selbstständigkeit vorzubereiten.

War ein Start-up von Anfang an Ihr Ziel?

Nein, das stand nicht von Anfang an fest. An der Uni hatte ich noch meine Zweifel. Meine Entschlossenheit wuchs während meiner Doktorarbeit. Mein Professor hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Die Idee war, Sensoren mit einem Algorithmus zu kombinieren, um die Sensoren lernfähig zu machen. Das ist die Voraussetzung für Künstliche Intelligenz.

Werden Unternehmer in Schweden gesellschaftlich geschätzt?

Die Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Im Umkreis einer technischen Uni ist Unternehmertum gesellschaftlich sehr anerkannt. Doch außerhalb der technischen Welt, also in ganz Schweden, da dürfte es in Bezug auf gesellschaftliche Anerkennung der Unternehmer kaum Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden geben.

Dürfen Unternehmer in Schweden Fehler machen? Gibt es eine Kultur des Scheiterns? Dürfen Gründer auch Insolvenz anmelden?

In diesem Punkt unterscheiden sich Deutschland und Schweden besonders stark. Anders als in Deutschland ist es in Schweden okay zu scheitern. Man bekommt immer eine zweite, dritte oder gar vierte Chance. Die schwedische Kultur erlaubt es, Fehler zu machen.