Partnerland von Baden-Württemberg Burundi will Weg aus Armutsfalle finden

Bauern transportieren in Burundi Kochbananen mit einem Fahrrad auf den Markt Foto: Imago

Mit Hilfe von Manager ohne Grenzen aus Stuttgart sucht das afrikanische Land Burundi eine volkswirtschaftliche Strategie. Der Staat verfügt über sechs Prozent der Nickelvorräte – und trotzdem gibt es keinen Bergbau.

Stuttgart - Wer auf dem Flughafen von Bujumbura im ostafrikanischen Burundi landet, dem fällt zuerst das satt leuchtende Grün des Landes auf, das Gras steht fast meterhoch. Regen gibt es hier im Überfluss, und Burundi, seit den 1980er Jahren Partnerland von Baden-Württemberg, ist in erster Linie ein Agrarland. Rund 90 Prozent der gut elf Millionen Burunder leben von Ackerbau und Viehzucht, Kaffee und Tee sind derzeit die stärksten Devisenbringer. Anders als das auf IT-Technologie setzende Nachbarland Ruanda, das eine ähnliche ethnische Zusammensetzung hat und ebenfalls zu den am dichtest besiedelten Ländern Afrikas zählt, hat Burundi den Weg aus der Armutsfalle jedoch bisher noch nicht geschafft. Zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze und verfügen über weniger als 1,25 US-Dollar am Tag, auf dem UN-Index der menschlichen Entwicklung liegt Burundi auf einem der letzten Plätze. Die Devisenreserven des Landes sind ausgedünnt, betragen nur 50 Millionen US-Dollar, das Handelsdefizit ist hoch.

 

Mögliche Strategie skizziert

Gemeinsam mit Vertretern der Stuttgarter Stiftung Manager ohne Grenzen, die seit 2005 Führungskräfte in ärmeren Staaten entsendet, um dort Unternehmer zu beraten und zu unterstützen, hat jetzt der Wirtschaftsdekan der Universität von Bujumbura, Alois Misago, vor der Presse in Stuttgart eine mögliche Strategie für die Entwicklung des Landes skizziert. Eines der Grundprobleme sei das Fehlen von Fach- und Führungskräften, so Misago. „Gleichzeitig finden 65 Prozent der Absolventen unserer Hochschulen keinen Arbeitsplatz“, sagt Misago. Der Staat, in vielen ärmeren Ländern Afrikas einer der Hauptarbeitgeber, habe die Einstellung gestoppt. Nur wenn ein Beamter in den Ruhestand gehe, werde er ersetzt. Auf der anderen Seite bewegen sich die Studentenzahlen auf niedrigem Niveau, so der fließend Deutsch sprechende Misago. 0,3 Prozent der Bevölkerung studierten – meist an privaten Unis –, in Deutschland sei der Anteil zehnmal so hoch.

Obwohl Burundi relativ klein ist, findet zwischen den wenigen Firmen im Land – die vornehmlich in der Nahrungsmittelveredlung, dem Energiesektor oder der Telekommunikation tätig sind – und den Hochschulen kaum ein Austausch statt. „Wir regen die Gründung einer gemeinsamen Plattform für Universitäten, Studierende, Unternehmen und Organisationen an – genannt Academia Public Private Partnership, kurz: APPP“, sagt Misago. Dabei gehe es um die Vermittlung von Praktika, ein Feedback zu den Lehrplänen und eine Zusammenarbeit in der Forschung. Es könnte ein Mosaikstein für eine Wirtschaftsstrategie des Landes sein und ein Impuls für Geschäftsideen und die Gründung von Start-ups.

Eine Industrie- und Handelskammer im Kleinen

Hermann Berkhan, einst Führungskraft in der deutschen IT-Branche, war für Manager ohne Grenzen bereits in Burundi aktiv und kann der Idee etwas abgewinnen. „Diese APPP könnte eine Industrie- und Handelskammer im Kleinen sein, es geht darum, ein Netzwerk von verschiedenen Teilnehmern zu schaffen: von der Uni über die Unternehmen bis zur Regierung.“

Hermann Berkhan ist wichtig, dass der Impuls für diese Plattform aus Burundi selbst kommt. Eine Wirtschaftsentwicklung „von außen“ habe es lange genug gegeben für Entwicklungsländer, und sie sei stets gescheitert. „Wir brauchen Führungskräfte und Unternehmer in den Ländern selbst, die sagen: Ich mache das.“ Potenziale sieht Berkhan auf vielen Feldern: Bevor politische Krisen Burundi schüttelten, gab es in dem malerisch am Tanganjikasee gelegenen Land sogar Tourismus. Sollten Touristen eines Tages wieder kommen – noch gibt es eine scharfe Reisewarnung wegen der prekären Sicherheitslage –, dann könnte eine Attraktion auch der Kibira-Nationalpark sein, der in den Bergen liegt, dessen dort liegende Quellen den Kongo und den Nil mit Wasser speisen.

Politische Spannungen sind ein Problem

Für Berkhan verwunderlich ist auch, dass Burundi keinen Bergbau hat. „Wir verfügen über sechs Prozent der Nickelvorräte der Welt“, berichtet Alois Misago. Das Land habe Vorkommen an Gold, Wolframit, seltenen Erden, Vanadium, Coltan und Gold. Die Chinesen, so Misago, hätten sich bereits Konzessionen für den Nickelabbau gesichert. Der Universitätsdozent sieht die Zukunft seines Landes wegen der zentralen Lage in Afrika – über den See vis-à-vis von der Demokratischen Republik Kongo und Tansania – als ein Zentrum für Handel und Dienstleistungen. Neben dem Hafen von Bujumbura werden zwei weitere Anlegestellen ausgebaut. Ein Problem sind nach wie vor die heftigen politischen Spannungen mit dem Nachbarland Ruanda, Misago nennt es „unser Zwillingsland“. Doch irgendwann werde sich die Lage bessern.

Manager ohne grenzen will bei Plattform-Aufbau helfen

Helene Prölß, die Gründerin von Manager ohne Grenzen, kündigte an, dass ihre Stiftung beim Aufbau der APPP-Plattform beratend tätig sein werde. Dabei gehe es um die Organisation und um Arbeitsmodelle. Mit dem Aufbau regionaler Business-Hubs, Außenstellen in den Ländern des Südens, die auf eine bestimmte Kompetenz spezialisiert sind, hat die Stiftung bereits gute Erfahrungen gemacht. Das eigentliche Geschäftsprinzip aber ist die Entsendung von deutschen Managern zu Kurzzeiteinsätzen: „Sie beraten Unternehmer und tragen zur Schaffung lokaler Jobs bei, der Klein- und Mittelstand profitiert davon“, erklärt Helene Prölß.

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