Partnerschaft Scheidung – oder lieber doch nicht?
Was hat mir am anderen früher einmal gefallen? Diese und andere Fragen sollten Sie sich stellen, wenn Sie sich von Ihrem Partner trennen wollen.
Was hat mir am anderen früher einmal gefallen? Diese und andere Fragen sollten Sie sich stellen, wenn Sie sich von Ihrem Partner trennen wollen.
Stuttgart - Der Flow von einst ist längst Vergangenheit. Jetzt gleicht die Partnerschaft einem Minenfeld. Dazwischen Schweigen und Beklemmung. Ergibt es noch Sinn, zusammenzubleiben? Oder wäre ein Neuanfang durch Trennung eine bessere Option?
Um gute Entscheidungen auf den Weg zu bringen, sind Fragen ein wirkungsvolles Werkzeug. Was hat uns verbunden? Was hat mir am anderen gefallen? Und was ist mir das heute wert? Oder: Wofür könnte es sich lohnen, zusammenzubleiben? Diese Frage stellt Paartherapeutin Andrea Köpp-Partenheimer aus Stuttgart Paaren, die nicht wissen, ob sie sich trennen wollen. Manchmal laute die Antwort: „Wegen der Kinder“, berichtet sie. Dann fragt die Psychologin nach: „Inwiefern ist es eine gute Idee, Kinder als Kitt für die Partnerschaft zu nutzen? Und auch: Wollen Sie, dass Ihre Kinder später mal so eine Beziehung führen wie Sie?“
Zu hohe Erwartungen führen zwangsläufig zu Enttäuschungen. Oft entwickeln Partner einen Tunnelblick vor allem auf das, was ihnen fehlt. Die Sicht auf all das, was vorhanden ist, geht dagegen verloren. „Es gibt nicht den Traumpartner, der alle Bedürfnisse erfüllen kann“, sagt Andrea Köpp-Partenheimer. „Erwartungen herunterzuschrauben, entlastet deshalb die Beziehung.“ Konflikte sind immer wieder programmiert, wenn sich Lebensziele und Interessen gravierend unterscheiden. Der eine träumt von einer großen Familie und Haus mit Garten, der andere sieht aber sein vorrangiges Ziel in Reisen?
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Lesen Sie auch: Manchmal stehen bestimmte Vorstellungen einer glücklichen Beziehung im Weg – pauschale Überzeugungen, wie eine Beziehung zu sein hat. „Mit dem richtigen Partner bin ich immer glücklich.“ „Wenn mein Partner mir nicht regelmäßig sagt, dass er mich liebt, liebt er mich nicht.“ „Alle Freunde müssen meinen Partner mögen.“ „Sex muss immer atemberaubend sein.“ Solche unreflektierten Glaubenssätze führen vor allem dazu, sich selbst unglücklich zu machen, denn sie sind zu pauschal. Andrea Köpp-Partenheimer sagt: „Jedes Paar muss für sich selbst schauen, was ihm guttut.“ Richtig und falsch gebe es nicht. „Es ist egal, ob ein Paar sich ein Bett teilt oder getrennt schläft, Hauptsache, die Partner fühlen sich gut miteinander!“
All diese und andere Fragen lassen sich mit Freunden und besonders gut in einer Paarberatung besprechen. Da kann man auch allein hingehen, um etwas Ordnung in die wirren Gefühle und Gedanken zu bringen. Kommen beide zur Paarberatung, ist es allerdings leichter, Verständnis füreinander zu entwickeln.
„Wir stehen kurz vor der Trennung.“ So wenden sich manche Paare, die sich auseinandergelebt haben, Hilfe suchend an den Paartherapeuten. „Dabei handelt sich oft um eine Krise, wie sie zu jeder Partnerschaft gelegentlich gehört, die aber als existenziell erlebt wird“, berichtet Andrea Köpp-Partenheimer. Was diese Paare brauchen, ist ein Schubs, um wieder ins Gespräch zu kommen – nicht über alltägliche Arrangements, sondern über das, was sie wirklich bewegt.
„Was beschäftigt dich? Wie geht es dir damit? Das sind die Fragen, die Nähe schaffen und verbinden“, so Andrea Köpp-Partenheimer. Wichtig im Gespräch sei, einander zuzuhören, ohne Lösungen vorzuschlagen und ohne Vorwürfe zu machen. „Der Zuhörer hat keinen anderen Auftrag als zuzuhören. Das entlastet ungemein.“
Trennen oder bleiben? Muss es denn immer eine Entweder-oder-Lösung sein? „Nein“, meint Andrea Köpp-Partenheimer. „Eine Trennung auf Probe oder ein räumlicher Abstand kann helfen, den passenden Weg zu finden – vorausgesetzt, beide Partner sind mit der Probe-Trennung einverstanden.“ Sie schaffe Distanz, die Erleichterung oder Sehnsucht nach dem anderen auslösen kann – je nachdem. Wichtig sei allerdings, vorher genau die Spielregeln zu vereinbaren. Wie definieren wir den lockeren Beziehungsmodus genau? Wie gehen wir zum Beispiel mit dem Thema Treue um?
„Zu einer Trennung kommt es oft, wenn einer der Partner keine liebevollen Gefühle mehr für den anderen hat“, erklärt Andrea Köpp-Partenheimer. Vielleicht hoffe er, die Gefühle wieder neu entwickeln zu können. Das aber sei schwierig, solange es nicht gelinge, Konflikte zu lösen und Verhaltensweisen, die stören, zu ändern. Der eine weicht aus, der andere klammert: Das ist ein Verhaltensmuster, das sich gegenseitig bedingt und häufig das Ende der Beziehung einleitet.
Auch Resignation erstickt das Leben in einer Beziehung. „Da wird sich eh nichts ändern.“ So hört es sich an, wenn einer der Partner aufgegeben hat. „Viele bleiben trotzdem – unglücklich – in der Beziehung.“ Vielleicht aus Angst vor dem Alleinsein. Denn jeder weiß: Eine Trennung ist hart.
Und sie muss gut vorbereitet werden. Bei einer Trennung kommt der ehemals vertrauteste Mensch abhanden, auch Angehörige, Freunde und Bekannte gehen verloren. Wer weiß schon, wie es danach weitergeht? Das schmerzt, bringt Wut und Verzweiflung. Wappnen kann man sich dagegen nicht. „Gut, wenn man ein soziales Netz hat, das einen auffängt“, so Andrea Köpp-Partenheimer. Nach Trauer und Wut folgen zum Glück auch irgendwann die Phasen des Aufbruchs und des Neubeginns.