Partnerwechsel bei Störchen in Weil der Stadt Wie in einer Telenovela

Brüten jetzt im Nest am Storchenturm: Leon und Heidi. Foto: Anette Frühauf

Das Storchenpaar Leon und Leonie kehrt Anfang März nach Weil der Stadt zurück. Doch dann taucht plötzlich Heidi auf und kickt Leonie aus dem Nest. Doch die gibt nicht auf.

Bei den Weiler Störchen ist immer etwas los, dem einzigen Storchenpaar im Landkreis Böblingen. Kaum war die Störchin Leonie Anfang März ebenfalls aus dem Winterquartier zurück in Weil der Stadt, fand auch schon die Paarung statt. Von da schien eigentlich alles ganz klar – Eier legen, brüten, Brut aufziehen – wie im vergangenen Jahr. Doch so einfach funktioniert auch ein Storchenleben nicht und nun sitzen zwei beringte Störche im Nest auf dem Storchenturm. Da Leonie keinen Ring trug, kann sie also nicht mehr die Störchin sein, die gerade im Wechsel mit Leon brütet – seinen Ring konnte Sabine Holmgeirsson vom Nabu Weil der Stadt zweifelsfrei auf einem Foto auslesen. Was ist da wohl passiert?

 

Die Neue kommt aus der Schweiz

„Am 27. März wurde beobachtet, wie zwei fremde Störche angeflogen kamen und Interesse am Nest hatten. Beim anschließenden Kampf um den Horst ging Leon zwar als Sieger hervor, allerdings muss ein Partnerinnenwechsel stattgefunden haben“, berichtet Sabine Holmgeirsson, die das Treiben auf dem Turm immer im Auge behält. Auf Fotos konnte sie die Daten auf dem Ring der Störchin entziffern und fand heraus, dass sie im Juni 2021 in Damphreux, im schweizerischen Jura, beringt wurde und erst zwei Jahre alt ist. „Da hat sich Leon einfach eine jüngere Partnerin aus der Schweiz genommen. Was wäre als Name nahe liegender als Heidi?!“, stellt Sabine Holmgeirsson lachend fest.

So ein Partnerwechsel sei bei Störchen nicht ungewöhnlich und wirklich treu sind sie nur ihren Nestern. So wird immer wieder ein einzelner Storch gesichtet, der ebenfalls immer wieder um den Turm kreist. „Das könnte Leonie sein“, mutmaßt die Storchenmutter von Weil der Stadt. „Sie möchte ins Nest zurück.“ Die Paarung von Leon und seiner neuen Partnerin scheint allerdings erfolgreich gewesen zu sein, denn seit ein paar Tagen sitzt immer einer der beiden im Nest auf der Eiablage, dabei ist teilweise nur ein Kopf zu sehen.

„Eigentlich sind Störche erst im Alter von drei bis vier Jahren geschlechtsreif, aber mittlerweile gibt es immer mehr Zweijährige, die sich bereits paaren“, weiß die Weiler Storchenmutter dank ihres Interesses an den Vögeln. Der Bruterfolg sei dadurch nicht garantiert. „Daher heißt es nun, Geduld haben.“ Bis die Jungen geschlüpft sind und man die ersten Köpfchen sehen kann, vergehen wohl noch rund sechs bis sieben Wochen.

Zu feuchtes Wetter und Dauerregen kann zu Hochwasser im Nest führen, das sich durch die Nestpflege und Plastikstücken im Horst mit der Zeit immer mehr verdichtet. Das kann ebenfalls zum Misserfolg beim Brüten oder sogar zum Ertrinken der Jungvögel führen.

Anderthalb Kilo Futter pro Tag

Nach dem Schlüpfen, rund 30 Tage nach der Eiablage, fängt für die Eltern der Stress so richtig an. Kurz vor der großen Flatter Richtung Süden brauchen die Jungen etwa eineinhalb Kilogramm Futter pro Tag. „Da es kaum noch Frösche und Kröten gibt, besteht das Nahrungsangebot vor allem aus Regenwürmern, Heuschrecken und Insekten“, weiß Holmgeirsson. Auf ihrer Futtersuche und aufgrund der schwindenden Insekten durchstreifen die Störche die Wiesen und Bachläufe rund um die Keplerstadt.

Die Störche erregen nicht nur bei Einwohnern und Passanten viel Aufmerksamkeit, sondern auch die Kinder des katholischen Kindergartens St. Christophorus sind begeistert von den Turmbewohnern. Da die Einflugschneise der Vögel direkt am Kindergarten vorbeigeht und das Nest gut zu sehen ist, sind die Kinder quasi live dabei. „Es gibt bereits tolle Bilder von den Störchen“, sagt Anja Weidner, Erzieherin der Mäusegruppe. So warten Groß und Klein dort bereits auf den Storchen-Nachwuchs in Weil der Stadt. Bis es soweit ist, heißt es, abwarten und Daumen drücken.

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