Die Stadt Stuttgart will in diesem Jahr bereits frühzeitig mit präventiven Maßnahmen eingreifen um auf mögliche Party-Hotspots, wie den Marienplatz, besser vorbereitet zu sein.

In den Faschingsferien hat laut Baykar Tavit von der Mobilen Jugendarbeit Süd bereits die erste größere Party auf dem Marienplatz stattgefunden: Mit vielen Jugendlichen und reichlich Bier. Noch sind keinerlei Beschwerden von Anwohnern bekannt, aber das kann sich schnell ändern, je häufiger und größer die Partys werden. Ganz so früh war die Stadt Stuttgart dann doch auch nicht darauf eingestellt – aber mit einem so milden Winter, der bereits in den Faschingsferien, Feiern im Freien möglich machte, konnte man nicht rechnen. In den Osterferien, also Mitte April, soll das diesjährige Konzept allerdings das erste Mal greifen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Verweilverbot auf dem Marienplatz

„Es gab bereits im Herbst vergangenen Jahres verschiedene Gespräche zum Thema Wie können wir die Innenstadt sicherer machen“, sagt Gregor Belgardt, Leiter der Stabsstelle Sicherheitspartnerschaft in der Kommunalen Kriminalprävention bei der Stadt Stuttgart. Entsprechend hat man nun die Möglichkeit bereits mit Beginn der „warmen“ Saison erste Maßnahmen zu ergreifen und nicht erst viel später wie im vergangenen Jahr. Die Maßnahmen sollen nicht nur auf dem Marienplatz, sondern auch an verschiedenen anderen Orten in der Stadt umgesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel der Kleine Schlossplatz oder der Feuersee. „Wobei die verschiedenen Orte auch verschiedene Begebenheiten mit sich bringen und wir jeweils flexibel darauf reagieren werden“, so Belgardt.

Zum Konzept gehört eine Durchmischung des Publikums

Dies zeigt sich bereits bei der ersten Säule des Konzepts, dem Thema Veranstaltungen: „Diese sollen unter anderem für eine Durchmischung des Publikums sorgen“, erklärt Belgardt. Am Marienplatz sei dieses aber keine primäre Maßnahme. „Im Vergleich zum Schlossplatz haben wir hier viele Anwohner und wollen nicht noch mehr Publikum anlocken. Zugleich ist die fehlende Durchmischung des Publikums am Marienplatz kein Problem“, so Belgardt weiter.

Anders sieht das natürlich beim Thema Sicherheit aus: Hier möchte die Stadt Stuttgart ab Mitte April einen privaten Sicherheitsdienst einsetzen, der an den Wochenenden zwischen 19 und 3 Uhr eingesetzt wird. „Wobei dieser dann natürlich auf allen Hotspots eingesetzt wird – und entsprechend dort verstärkt zum Einsatz kommt, wo am meisten los ist, beziehungsweise vermehrt Probleme auftauchen“, so Belgardt.

Zusätzlich soll ein neues Stufenkonzept greifen: Dieses setzt zunächst auf personenspezifische, ordnungsrechtliche Maßnahmen, wie zum Beispiel Platzverweise für einzelne Personen bevor dann weitergehende Maßnahmen ergriffen werden, wie zum Beispiel Verweilverbote oder gar Platzsperren. Das Thema Sicherheit soll zudem durch eine bessere Beleuchtung angegangen werden. „Hier sollen jedoch am Marienplatz keine ad-hoc-Maßnahmen gemacht werden, sondern langfristig geplant werden“, sagt Belgardt.

Sicherheit und Sauberkeit sind wichtige Themen

Neben der Sicherheit spielt auch das Thema Sauberkeit im Konzept eine wichtige Rolle. „Im vergangenen Jahr wurden zum Beispiel Toiletten erst sehr spät aufgestellt“, so Belgardt. Dieses Jahr sollen sie bereits in den Osterferien zugänglich sein. Unterstützt wird das Konzept durch die Arbeit von der Mobilen Jugendarbeit aber auch von gemeinnützigen Vereinen wie das Team Tomorrow. Deren Ziele sind langfristig angelegt: „Wir versuchen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und zum Beispiel gemeinsame Projekte aufzubauen“, sagt Tomma Profke von Team Tomorrow. Ziel sei es, dass die Jugendlichen Ansprechpartner haben, so Tomma Profke weiter. Zudem sei es wichtig im Gespräch zu bleiben, da manche Maßnahmen von Seiten der Stadt vielleicht gut gemeint sein können, aber bei den Jugendlichen eine gegensätzliche Wirkung erzielten.

Zustimmung für die Vorgehensweise gibt es auch von Seiten des Bezirksbeirats: „Es ist ein komplexes Thema und man muss flexibel auf die Entwicklungen reagieren können – das gibt die Vorgehensweise aber eindeutig her“, so Roland Petri von der CDU-Fraktion. Für Christa Niemeier von Bündnis 90/Die Grünen werde vor allem spannend, inwiefern das Stufenkonzept funktionieren wird. Und auch Streetworker Baykar Tavit ist schon sehr gespannt, wie die ersten Arbeitsgänge auf dem Marienplatz in den Osterferien sein werden.