Party in der Alten Reithalle Die Logenplätze sind an der Maritim-Bar

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Eine Schlange für die Ewigkeit: Die große Party der Stuttgarter Kultdisco Boa war seit Wochen ausverkauft. Alte Rituale lebten auf.

Geburtstagsparty unter Kronleuchtern: Rund 800 Gäste feiern in der Alten Reithalle. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 3 Bilder
Geburtstagsparty unter Kronleuchtern: Rund 800 Gäste feiern in der Alten Reithalle. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

STUTTGART - Verzweifelte Frauen, die sich mitten unter der Woche zu höchstens halb so alten Discogängern in die Schlange stellen und doch keine Karten mehr bekommen. Oder ein Clubchef, der plötzlich weit mehr als doppelt so viele Freunde hat, wie er kennen könnte. Es ist jedes Mal dasselbe, wenn die Stuttgarter Uralt-Disco Boa am Jahresanfang ihre große Geburtstagsparty in der Alten Reithalle feiert – die Tickets sind Wochen im Voraus ausverkauft. Liegt es am Ambiente unter den Kronleuchtern? Oder daran, dass für manche diese eine Nacht mit schnellen Beats und lautem Gewummer schon fast wieder genug ist fürs ganze Jahr?

Fragen, die auch bei der 41. Geburtstagssause mit rund 800 Gästen am Samstag nicht hinreichend geklärt werden konnten. Einfacher war für viele die Antwort auf: Wodka-Red-Bull oder Champagner? Wer etwas auf sich hielt, orderte gleich die ganze Bouteille. Und zur Feier des Tages kramte Boa-Boss Werner „Sloggi“ Find seinen dunkelroten Seidenblazer aus dem Schrank. Da konnte ja nichts schiefgehen.

Das Publikum ist gut aufgestellt

Mancher, der keine Karte mehr ergattert hatte, nahm einen der Logenplätze in der Maritim-Bar ein und schaute zu, wer so alles ins Hotelfoyer stöckelte. Das Publikum war auch in der gehobenen Altersklasse gut aufgestellt: gestandene Mittelständler, Juristen, (Schönheits-)Chirurgen . . . und vielleicht auch der ein oder andere, der tatsächlich auch mal unterm Jahr im Stammladen in der Tübinger Straße vorbeischaut. Zum Beispiel donnerstags mal zur After-Work-Party. Die bietet ein Büfett, wie es Mutti nicht besser machen könnte, und begeisterte Tänzer, die schon zu bester „Tagesschau“-Zeit einfach alles geben. Später ist kaum mehr ein Durchkommen zwischen Tanzfläche und Bar, und die Schlange vor der Damentoilette ist mindestens so lang wie damals in den legendären 80ern und 90ern.

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