Vor dem Konzert der britischen Metal-Band versammelten sich ihre Fans im LKA – das an diesem Tag zu Eddie’s Dive Bar wurde.
Iron Maiden sind ein Mythos. Eddie, das Maskottchen der britischen Heavy-Metal-Band, gehört dazu. Eddie’s Dive Bar, der Pop-up-Klub, den Iron Maiden in einigen, aber nicht allen Städten, die sie besuchen, erblühen lassen, ist schon fast ein anderer Mythos, der im Schatten des größeren wächst.
In Stuttgart ist das LKA der Ort, an dem Iron Maiden und ihre Subunternehmen die Fans am Samstagnachmittag bewirten lassen. Und wie das bei Mythen nun einmal so ist: Manchmal entfernen sie sich ein wenig von der Wirklichkeit. Das Gerücht jedenfalls, die Maiden-Fans würden im LKA mit Rehbraten und Rotwein bewirtet, ist gewiss nicht wahr.
Vor dem LKA: Das Bier im Foodtruck ist echtes Iron-Maiden-Bier
Ein Foodtruck steht vor der Halle, aber in ihm gibt es nur Burger: den „The Number of the Beast“, besonders scharf, mit Jalapenos, den „Run to the Hills“ (Doppelcheeseburger mit Zwiebelsauce) und den „2 Minutes to Midnight“, vegetarisch, mit Roter Beete und Haferflocken. Wein gibt es auch, er steht in Flaschen mit enorm buntem und fantasievollem Eddie-Etikett bereit und wird nur wenig gekauft, denn Maiden-Fans trinken in Stuttgart lieber Bier.
Das Bier – ein weiterer Irrtum, der bei der Warm-up-Party zum großen Maiden-Konzert kursiert – ist nicht etwa von der bewährten Stuttgarter Hausmarke des LKA. Nein, es ist echtes Iron-Maiden-Bier, „Trooper Craft Beer“, ein ganz besonderes Gebräu, das sicher nicht schmeckt wie Kölsch – denn jeder Iron-Maiden-Fan weiß, dass Bruce Dickinson, Sänger der Band, dem Hopfengebräu der rheinischen Stadt den schlimmsten Kater seines Lebens zu verdanken hat und niemals solche „Plörre“ verkaufen würde.
Vor und nach Iron-Maiden-Konzert in Stuttgart: Eddie’s Dive Bar im LKA
80 Fässer Iron-Maiden-Bier wurden also ans LKA geliefert, beziehungsweise an Eddie’s Dive Bar, erzählt Björn Thoröe, Betriebsleiter im Club. Gerne hätte die Band noch mehr Bier nach Stuttgart geschickt, im Kühlhaus aber mussten noch ein paar andere Getränke untergebracht werden. 30 Fässer sind leer, vor Konzertbeginn, und manch einem Iron-Maiden-Fan traut man zu diesem Zeitpunkt bereits zu, vom Auftritt seiner Lieblingsband in Stuttgart nur noch sehr vage Bilder mit in sein weiteres Leben zu nehmen, wenn überhaupt welche.
Viele andere dagegen sind noch sehr frisch und sehr guter Dinge. Carsten und Simone beispielsweise, die aus Oberbayern angereist sind, wobei er eigentlich aus Bietigheim-Bissingen stammt. Sie reisen mit Hund. Apollo, französische Bulldogge, darf nicht mit aufs Konzert. „Aber er ist auch ein Fan“, versichert Carsten. Sehr viele Fans sind aus Bayern angereist, Carsten und Simone begegneten ihnen auf dem Weg. „Maiden“, sagt Carsten, „ist echte, handgemachte Musik. Das ist der Sound meiner Kindheit“. Und er erinnert sich an seine Tante, die sehr erschrak, als er sich seine erste Maiden-Platte zu Weihnachten wünschte. 1985 war das. Eddie blickte die Tante vom Cover her an.
Iron-Maiden-Fan aus England: „Stuttgart is lovely“
Graham kommt aus dem englischen Ipswich und ist Fans von Iron Maiden seit 1981. 14 Jahre war er damals alt. Er hat weit mehr als 100 Konzerte der Band gesehen. Wo ein Iron-Maiden-Fan einen Iron-Maiden-Fan trifft, ist die Stimmung immer gut: „Wir sind eine große Familie!“ Außerdem: „Stuttgart is lovely!“
Ein anderer Fan, auch er heißt Carsten, übertrumpft Graham locker, was die Zahl der Konzertbesuche angeht. Er kommt aus Pforzheim, kennt das LKA schon seit den frühen 1980er Jahren, war ein Fan auch der Ludwigsburger Rockfabrik und hat Iron Maiden schon mehr als 300 Mal gesehen: „Zum ersten Mal 1983 auf der ‚Piece of Mind‘-Tour. Er ist seiner Lieblingsband um die ganze Welt nachgereist, in die USA, nach Japan, in viele europäische Länder. „Ich bin mit Iron Maiden aufgewachsen“, sagt er. Von Eddie’s Dive Bar in Stuttgart hat er erst zwei Wochen zuvor erfahren, über die Homepage der Band – und musste natürlich dabei sein.
Enttäuscht wurde er nicht. In Eddie’s Dive Bar gibt es zwar kein Programm, sondern am Samstagnachmittag nur Musik und sehr viel Merchandise-Artikel – aber die Bar ist Treffpunkt für all die Fans, die zum Konzert wollen. Sie kommen, sie gehen, sie posieren vor der Plakatwand mit dem finster grinsenden Maskottchen Eddie, sie prosten sich zu. Dann machen sie sich langsam auf den Weg.
Am Ende sind es rund 45 000 Fans, die sich auf dem Cannstatter Wasen einfinden. Schwarze Kluften, wohin das Auge blickt, dazu der Iron Maiden-Schriftzug und Eddie in allen erdenklichen Variationen – wie es der Code vorgibt. Einmal schüttet es noch wie aus Kübeln, ehe die Vorband Avatar auftritt, die den Metallern schon gut einheizt.
Als dann endlich am Abend die große Show losgeht, nachdem der Ufo-Einspieler „Doctor Doctor“ gelaufen ist, und der Song „Murders in the Rue Morgue“ gespielt wird, bedankt sich Frontmann Bruce Dickinson bei seinen vielen Fans. Rund zwei Stunden später ist das Konzert vorbei und die Mercedesstraße wird nochmal zur Fanmeile.