Partys im Dorotheen-Quartier Im neuen Stuttgarter Einkaufsviertel wird gefeiert

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Der Juwelier Wempe stößt mit Champagner an, das Restaurant Oh Julia feiert in FlipFlops – das neue Einkaufsviertel hat die ersten Partys gefeiert – weitere folgen.

Marc Uebelherr (links) und Michael Käfer im Oh Julia. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Marc Uebelherr (links) und Michael Käfer im Oh Julia. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Kein Paukenschlag, eher ein Triangelgeläut: So klang der Start des Dorotheen-Quartiers. Zwei Events gab’s dann doch: Bei Oh Julia ging’s entspannt zu, bei Rolex gediegen.

Schon bevor die Nobelboutique des ­Uhrenherstellers unter der Regie des Juweliers Wempe eröffnete, wartete fast ein Dutzend Kunden geduldig vor der Tür. „Kaum zu glauben“, entfuhr es Kim-Eva Wempe, die aus Hamburg angereist war. Sie streute erst mal Kupfermünzen auf den ­Boden: „Das machen wir seit 1878, diese Tradition haben schon mein Großvater und mein Vater gepflegt.“ Also unterdrückte der Schwabe den Bückreflex, griff lieber zum Taittinger-Champagner und pickte sich ein Schnittchen von der Etagere.

Stuttgart habe ein gutes Publikum, ja sogar ein stilvolles, bemerkte Peter R. Streit, der Rolex-Chef Deutschland mit Schweizer Zurückhaltung. Der Rolex-Laden ist der vierte nach Köln, Berlin und München, es werden zwei in Frankfurt und Hamburg folgen. „Das war’s dann“, sagte Streit.

Die Sporerstraße als neue Edelmeile? Lieber nur ein Laden, sagte Kim-Eva Wempe, dafür in bester Lage: „In New York geht nur die 5th Avenue, zwischen 52. und 56. Straße.“ Wie das mit dem Dorotheen-Quartier ausschaut, sagt sie in einem Jahr. Wenn man die Schmuckdesignerin als Beispiel nimmt, haben Juweliere noch lange genug zu tun. „Ich habe schon den dritten Ehering und immer noch denselben Mann.“

Zieh einfach was an

Am Vorabend hatte das Oh Julia eine Eröffnungsparty mit 50 Gästen gefeiert – eine Viertelstunde vorher war das Lokal fertig geworden, die Terrasse war noch Baustelle. Auf der Einladung stand: „Our dresscode – wear some“, zieh einfach was an. Entsprechend lässig kamen die Gäste, mit Flipflops und in den kurzen Hosen. So mag es der Oh-Julia-Erfinder Marc Uebelherr, der seinen neuen Laden – es ist der vierte – als Generationenkonzept sieht, als Marktplatz, wo ein ständiger Durchlauf herrscht. Entsetzt war er über das Umfeld. „Mir hat der Vermieter ein halbes Jahr lang Druck gemacht. Ich mit meinem fetten Laden bin fertig – warum viele andere nicht?“

„Hammer“, entfuhr es dem Schauspieler Wilhelm Schneck, der in der Nachbarschaft wohnt und oft am Eingang entlanggeradelt ist. „Das Restaurant ist ja riesig und so hell.“ Bei Livemusik probierten sich die ersten Gäste durchs Angebot, die Party war der Testlauf, wie Bar und Küche funktionieren. Dort steht anfangs Frank Uebelherr. „Er ist mein älterer Bruder“, so der Gastgeber, „auch wenn er viel jünger aussieht.“ Könnte an den Tattoos liegen.

Leo Hillinger, Winzer aus dem Burgenland, hatte kurzfristig abgesagt, er stand für den Sender Puls 4 vor der Kamera. Hillinger sucht Österreichs „Topwinzer“ – jedem das Seine. Aber er werde bald nach Stuttgart kommen, versprach sein „persönlicher Assistent“, der den Secco ausschenkte.

Spät aber doch kam Michael Käfer, Feinkostguru und Festwirt aus München. Seine Firma ist seit Januar zu 40 Prozent an der Oh Julia Gastro- und System GmbH beteiligt. Selbstverständlich kenne er Stuttgart, sagte er. „Mein Opa kommt aus Feuerbach, meine Oma aus Bissingen, er stammt aus dem Weinhandel, sie aus einer Metzgerei.“ In den 30er Jahren seien sie nach München gezogen, „weil sie in Stuttgart nichts verdienen konnten“. So kam der kleine Michael oft zur Verwandtschaft nach Bietigheim-Bissingen. „Von dort ist es ja nicht weit nach Stuttgart und zum Breuninger.“ Heute hat der 59-Jährige selbst Kinder, die Zwillinge sind sechs. „Jetzt darf ich endlich wieder einen Hund haben.“

DJ am Sonntag

Für Singles oder Familien mit älteren Kindern legt das Nesenbach eine neue Serie auf. Sonntags (und donnerstags) von 15.30 Uhr an wird DJ Uwe Sontheimer auflegen, dazu gibt’s Drinks und Häppchen. Vorbild sei der Sunday Lunch, sagt der Gastronom Marco Grenz, der lange in London gelebt hat. „Wir haben Mittag gegessen und dann bis 21 Uhr getanzt.“ Seine Gäste dürften gern zum „Tatort“ wieder „abwackeln“. Zur Sonntags­session gehört Mut – „aber wenn man’s nicht probiert“, so Uwe Sontheimer, „dann weiß man nicht, ob’s funktioniert“. Los geht’s jetzt am Sonntag.

Das Enso wartet mit der Party bis Ende Juni. „Wir wachsen mit dem Quartier“, sagt Phuc Nguyen Duc, der auch das Origami betreibt. Es sei erst ein Viertel des Gebäudes bezogen, also sei er nur mit 25 Prozent der Karte gestartet. Ihn ärgert, dass seine Terrasse nicht fertig ist. Den Gästen scheint’s einerlei. „Wir haben für die ersten zwei Wochen 300 Reservierungen.“

Geht gut Wer im Supermarkt einkauft, parkt eine halbe Stunde gratis.

Geht gar nicht Wer ins Parkhaus ­abbiegt, muss aufpassen, dass er ­keine Radfahrer aufgabelt.

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