„Er führte mich langsam hinter’s Licht. Sperrte mich ein, meine Würde zerbricht“, singt Pascal Blenke mit klarer und verletzlicher Stimme in seiner neuen Single „Mein Versteck“. Der Singer-Songwriter wurde in seiner Jugend über mehrere Jahre hinweg sexuell missbraucht. Seit letztem Jahr spricht er öffentlich darüber, wie er sich in dieser Zeit gefühlt hat. Besonders wichtig für ihn: Er möchte den Opfern von sexuellem Missbrauch Mut machen und ihnen zeigen, wie schön das Leben sein kann, wenn sie sich jemandem anvertrauen.
Wie alles begann
Schon früh kam Pascal Blenke mit der Musik in Berührung. „Als ich ganz klein war, hat mein Vater hobbymäßig Klavier gespielt. Er hat mich dann immer auf seinen Schoß gesetzt“, erzählt er. Als Jugendlicher wollte er Pianist werden. Doch bei einer Aufnahmeprüfung für ein Klavierstudium wurde ihm ziemlich deutlich gesagt, dass er das vergessen kann. „Das war erst mal ein Schock! Aber im Nachhinein war es gut, dass man so ehrlich zu mir war. Denn ich bin sowieso viel zu hibbelig und umtriebig für jemanden, der still am Klavier sitzt“, erzählt der jetzige Deutschpop-Sänger.
Der Startschuss für seine Sänger-Karriere war witzigerweise ein Schulmusical. „Ein guter Freund von mir wollte sich als Sänger bewerben und hat mich überredet, mit ihm mitzukommen. Am Ende habe ich sogar die Hauptrolle bekommen“, erzählt Pascal Blenke lachend. „Da habe ich gemerkt, dass ich unbedingt als Sänger auf die Bühne will!“
Inspiration durch starke Vorbilder
Nachdem er sein Abitur in der Nähe von Augsburg gemacht hatte, entschied er sich für ein Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Grund dafür: die Professorin und bekannte Musikerin Fola Dada würde ihm Einzelunterricht geben. Der Sänger erzählt: „Sie hat von Anfang an verstanden, dass ich nie den geradlinigen Weg gehen werde. Sie hat verstanden, wo ich hin will und wurde zu meiner Mentorin.“
Ein weiteres Vorbild für Pascal Blenke ist der englische Sänger Jamie Cullum. Diesen hat er persönlich kennengelernt, als er während der Jazz Open in Stuttgart in dessen Vorband auftreten durfte. „Ich finde es großartig, wie viel Spaß und Energie Jamie Cullum auf der Bühne hat. Trotz seiner Musiker-Karriere hat er eine Familie und ist ganz natürlich auf der Bühne. Das wünsche ich mir auch“, erzählt der 25-Jährige mit leuchtenden Augen.
Vom Schweigen zur Stimme
Ein einschneidender Moment im Leben des Sängers war die Veröffentlichung des sexuellen Missbrauchs in seiner Jugend. Das erste Mal redete er öffentlich bei einem Konzert in seinem Heimatdorf darüber. „In dem Publikum waren so viele Menschen, die ich persönlich kannte. Das hat sich wie ein Safe Space angefühlt“, erzählt er. Nach dem Konzert veröffentlichte er im Oktober 2024 ein Video auf Instagram, in dem er über seinen Missbrauch spricht. Darauf folgte schließlich die Veröffentlichung der Single „Mein Versteck“.
In „Mein Versteck“ spricht Pascal Blenke darüber, wie er sich als Opfer von Missbrauch gefühlt hat. „Ich wusste damals nicht, wie ich mich befreien kann. Ich hätte gerne Hilfe gehabt, aber habe mich nicht getraut, um Hilfe zu rufen. Ich habe mich so geschämt und wollte unter keinen Umständen, dass jemand davon erfährt. Ich war scheinbar gefangen“, erzählt er. Der sexuelle Missbrauch, den er erfahren hat, erstreckte sich über Jahre. „Der Missbrauch begann in einem Alter, in dem ich noch kein Bewusstsein für Sexualität hatte. Ich wusste nicht, was man mit mir machen darf und was nicht. Das wurde ausgenutzt. Ich habe nicht verstanden, was passiert und wurde hochgradig manipuliert.“ Es war ein schleichender Prozess.
Ein langer Weg zur Aufarbeitung
Wichtig ist, dass sich der Missbrauch nicht in Pascal Blenkes Familie, sondern in der Musik-Branche ereignete. Bei dem Täter handelte es sich um einen Mann, Pascal Blenke möchte jedoch nicht genauer darauf eingehen, um wen es handelt. Der Mann wurde nicht angeklagt und es kam nicht zum Prozess. „Ich habe mich bewusst gegen einen Prozess entschieden. Das hätte mir zu viel Lebensenergie geraubt. Natürlich hatte ich den Gedanken, dass ich Verantwortung übernehmen muss und durch einen Prozess andere schützen könnte, doch als Opfer von solchem Missbrauch muss man nur die Verantwortung für sich selbst übernehmen. Wenn es einem mit einem Prozess nicht gut geht, dann sollte man es lassen. Das ist sehr wichtig!“
Im Alter von 18 Jahren konnte Pascal Blenke sich von dem Missbrauch befreien, als er für sein Studium nach Stuttgart zog. „Ich war richtig glücklich! Ich habe alles verdrängt und hatte während meines Studiums eine richtig gute Zeit. Erst mit 20 sind die Erinnerungen zurückgekommen und erst da habe ich gemerkt, was mir eigentlich passiert ist und was für Straftaten dahinterstecken“, berichtet er. Es kostete ihn eine große Überwindung, doch er vertraute sich schließlich einer guten Freundin an. Parallel dazu begann er eine Therapie. „Es ist super wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen. Man sollte sich außerdem unbedingt im Privaten einer Person anvertrauen“, betont er. Nach und nach, ganz langsam, zog er immer mehr Personen ins Vertrauen. Und dann, letztes Jahr, nachdem er seine Therapie erfolgreich beendet hatte, ging er den großen Schritt und machte den Missbrauch öffentlich. „Ich habe die Kraft, die andere Betroffene nicht haben. Ich bin zwar einem Gerichtsprozess nicht gewachsen, doch ich kann durch meine Musik einen Beitrag im Hinblick auf die Gesellschaft leisten“, findet der Stuttgarter.
Resonanz und ein musikalischer Blick nach vorn
Das Feedback auf die Veröffentlichung des Missbrauchs fiel sehr positiv aus. „So viele Menschen haben sich mit motivierenden Worten bei mir gemeldet. Sie fanden mein Verhalten stark. Und eine Stärkung von außen ist so wichtig! Viel besser als Beileidsbekundungen“, sagt er. Es kommt auch immer wieder vor, dass Opfer von Missbrauch ihn via Instagram kontaktieren. Oftmals handelt es sich um Personen, die noch niemandem von ihrem Missbrauch erzählt haben. „Die Hürden, sich jemandem anzuvertrauen, sind so hoch, weil man sich so schämt! Wenn eine Person mir schreibt und ich der Erste bin, dem sie sich anvertraut, dann ist das eine ganz große Ehre.“
Doch der Sänger möchte nicht nur mit dem Missbrauch in seiner Kindheit in Verbindung gebracht werden. Nachdem seine Musik im vergangenen Jahr auf Probleme hinweisen sollte, möchte er als nächstes den Fokus auf positiven und hoffnungsvollen Deutschpop legen. „Ich möchte den Menschen zeigen, was man alles aus seinem Leben machen kann. Ich möchte sie begeistern!“, erklärt er.
Wer Lust bekommen hat, Pascal Blenke live zu sehen, hat 15. Juni beim Straßenfest Sindelfingen, am 1. August bei den Songtagen in Böblingen oder am 12. Februar 2026 im Theaterhaus Stuttgart Gelegenheit dazu.