Pascal Stenzel und Atakan Karazor Der besondere Wert der Lückenfüller
Pascal Stenzel und Atakan Karazor sind beim VfB Stuttgart keine Stammkräfte – und werden dennoch hoch geschätzt. Warum ist das so?
Pascal Stenzel und Atakan Karazor sind beim VfB Stuttgart keine Stammkräfte – und werden dennoch hoch geschätzt. Warum ist das so?
Stuttgart - So ein kleines bisschen ist es ja ein besonderes Spiel für Atakan Karazor am kommenden Samstag (15.30 Uhr). In der Mercedes-Benz-Arena ist der VfL Bochum zu Gast. Der Club also, zu dem Atakan Karazor als 16-Jähriger kam, bei dem er drei Jahre lang die fußballerische Ausbildung in der VfL-Akademie genoss. Natürlich ist es auch deshalb eine besondere Partie, weil es für den VfB Stuttgart im Kampf gegen den Abstieg um extrem viel geht an diesem 23. Spieltag. Ob Atakan Karazor dieses spezielle Aufeinandertreffen auf dem Spielfeld miterlebt – ist trotz allem nicht gewiss.
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Am vergangenen Samstag, beim 2:4 bei Bayer Leverkusen, gehörte der Mittelfeldspieler zwar zum Startelfpersonal, sicher hat und hatte der 25-Jährige einen solchen Platz aber nie, seit er vor fast drei Jahren nach Stuttgart kam. Er ist: einer der ersten Lückenfüller – und spielt damit in der gleichen Kategorie wie Pascal Stenzel.
Über den ehemaligen Freiburger sagt Sven Mislintat, der Stuttgarter Sportdirektor: „Pascal ist ein wichtiger Faktor in unserem Kader.“ Aber eben keine Stammkraft – ganz im Gegenteil. Achtmal nur kam der ebenfalls 25-Jährige in dieser Saison zum Einsatz, nur zweimal stand er in der Startelf. Und das nur deshalb, weil eine wichtige Stammkraft unpässlich war. Beim 0:0 bei der SpVgg Greuther Fürth fehlte Konstantinos Mavropanos, in Leverkusen Waldemar Anton – also rückte Stenzel, der Defensivallrounder, in die Anfangsformation. Und erledigte seine Sache jeweils so, wie es seinem Typ entspricht. Unaufgeregt, solide, zuverlässig. Auch damit passt er zu seinem Pendant in der defensiven Mittelfeldzentrale.
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Auch Atakan Karazor ist keiner, der mit spektakulären Einlagen beeindruckt. Am meisten Aufsehen erregte er in dieser Saison mit einer Gelb-Roten Karte – die er sich in der Hinrunde beim 1:1 gegen den 1. FC Union Berlin innerhalb von zwei Minuten abgeholt hat. Das waren keine glorreichen Momente, ansonsten aber ist der Mann aus dem Ruhrpott meist da, wenn man ihn braucht. In 14 Partien dieser Saison war das der Fall, 13-mal spielte er von Beginn an. „Mit seiner ruhigen und besonnenen, aber immer sehr klaren Art übernimmt er Führungsaufgaben“, lobt Sven Mislintat.
Atakan Karazor und Pascal Stenzel, ihre Art, ihr fußballerisches Vermögen, ihr Auftreten – all das ist Fluch und Segen zugleich für das Duo.
Einerseits kommen sie meist nur dann zum Zug, wenn Kollegen fehlen (Karazor half öfter aus, als Orel Mangala verletzt war) oder wenn der VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo defensiver agieren ließ – wie in der Vorrunde, als er drei Spieler auf der Sechserposition aufbot. Sie sind eben keine klaren Bessermacher der VfB-Stammelf, wenn alle anderen fit sind. Andererseits sind sie durch ihre Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit unangefochtene Kaderspieler. Solche, die jeder Trainer gerne in der Hinterhand hat. Und die auch abseits der Stadien ihren Wert haben.
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„Seine professionelle Einstellung, seine positive Art und natürlich seine fußballerischen Qualitäten machen ihn zu einem sehr wertvollen Spieler für uns“, sagt Mislintat über Stenzel, den er sowohl „auf dem Platz als auch in der Kabine“ schätzt. Bei Karazor lobt der Sportdirektor dessen „sehr gutes Spielverständnis“. Er könne „sowohl zentral in der Abwehr als auch im Mittelfeld maßgeblichen Einfluss auf unser Spiel nehmen“.
Gegen Bayer Leverkusen bestritt Atakan Karazor die meisten Zweikämpfe aller VfB-Spieler (25), führte die meisten Kopfballduelle (4/wie Tiago Tomás) und spulte die meisten Kilometer ab (12). Pascal Stenzel ging in 19 Zweikämpfe (zweitbester VfB-Wert des Spiels) und hatte nach Konstantinos Mavropanos (4) die meisten Balleroberungen (3). Gute Werte – und dennoch ist fraglich, ob das Duo am Samstag wieder in der Startelf steht.
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Stenzels Platz könnte wieder Waldemar Anton einnehmen. Der bisherige Abwehrchef, der zuletzt auch als Rechtsverteidiger in einer Viererkette eingesetzt wurde, beendete am Dienstag seine Coronaquarantäne. Hat die Infektion keine Nachwirkungen, ist er wieder eine Option am kommenden Samstag. Karazor spielte in Leverkusen vor der Abwehr als zentrale Unterstützung für Orel Mangala und Wataru Endo. Setzt Matarazzo auf letzteres Duo auf der Doppelsechs und einen zweiten Stürmer, ist kein Platz mehr für den defensiven Mittelfeldmann. Wenn es genau so kommt? Nehmen Pascal Stenzel und Atakan Karazor eben einen anderen Platz ein. Und halten sich bereit, um voll da zu sein, wenn sie gebraucht werden.