Pascal Stenzel vom VfB Stuttgart Die Arminia unterschätzen? „Das Dümmste, was wir machen könnten“

Pascal Stenzel steht seit Sommer 2019 beim VfB Stuttgart unter Vertrag. In der Jugend hat er auch schon für Arminia Bielefeld gespielt. In unserer Bildergalerie schauen wir auf weitere Spieler, die für beide Final-Kontrahenten am Ball gewesen sind. Foto: Pressefoto Baumann

Pascal Stenzel trifft mit dem VfB Stuttgart im Pokalfinale auf seine Vergangenheit. Wie sieht er das Duell mit der Arminia? Und: Was hält er von seinem Beinamen „Fußballgott“?

Sport: Dirk Preiß (dip)

Er ist unweit von Bielefeld aufgewachsen, kickte als Kind für die Arminia – und hat nun die Möglichkeit, gegen den Club aus seiner Heimat den größten Erfolg seiner Karriere zu feiern. Wie geht Pascal Stenzel, der Rechtsverteidiger des VfB Stuttgart, mit dieser Situation um?

 

Herr Stenzel, kurze Schätz- oder auch Wissensfrage: Wie weit ist es von Rödinghausen-Bruchmühlen zur Schüco-Arena in Bielefeld?

Luftlinie?

Nein, mit dem Auto.

Dann, schätze ich, sind es 28 Kilometer.

Fast. Die kürzeste Fahrstrecke misst 23,4 Kilometer. Es gibt aber auch eine, die 29 Kilometer lang ist.

(Lacht) Dann bin ich die früher vermutlich immer gefahren.

Sie sind im ostwestfälischen Rödinghausen-Bruchmühlen geboren und aufgewachsen. Welche Erinnerung haben Sie an diese Zeit. Und: Welche Rolle hat die Arminia dabei gespielt?

Es sind besondere und positive Erinnerungen – und die Arminia ist bei uns in der Region einfach der größte Club. Als ich neun Jahre alt war, gab es erstmals den Talentetag direkt neben der Schüco-Arena. Da durfte ich hin, das war eine große Sache. Und danach habe ich auch gleich das Angebot bekommen, zur Arminia zu wechseln. Bis 2011 habe ich dort gespielt und war natürlich auch oft als Fan auf der Alm, wo ich mir damals Bundesligaspiele anschauen konnte. Matthias Hain stand damals im Tor, Fatmir Vata und Rüdiger Kauf spielten im Zentrum, Artur Wichniarek schoss die Tore, Jonas Kamper hat ein Traumtor gegen die Bayern erzielt. Es war alles in allem eine prägende Zeit für mich.

Entsprechend besonders wird für Sie nun vermutlich das Pokalfinale mit dem VfB Stuttgart – ausgerechnet gegen Arminia Bielefeld.

Auf jeden Fall. Aber es gab ja auch schon in den vergangenen Jahren immer wieder Aufeinandertreffen mit der Arminia. Und schon diese Spiele waren für mich immer besondere Anlässe. Vor allem, weil es immer eine Gelegenheit war, Freunde und Familie zu treffen.

Und das Endspiel in Berlin setzt dem Ganzen die Krone auf, oder?

(Lacht) Ich habe es schon öfter mal gesagt: Ein Sieg in meinem ersten Pokalfinale gegen den Verein, bei dem alles begann – das wäre eigentlich das perfekte Karriereende.

Moment, verkünden Sie hier gerade etwas?

Nein, nein. So weit bin ich noch nicht. Und wer weiß? Vielleicht hat der Fußball ja noch ein paar andere Geschichten für mich auf Lager. Aber klar: Das ist schon eine sehr schöne.

Die Arminia darf nicht unterschätzt werden

Ab welchem Moment haben Sie denn auf diese Konstellation im Endspiel spekuliert?

Ich habe im Laufe der Saison eigentlich nie darüber nachgedacht, dass dies das mögliche Finale sein könnte. Als dann die Bielefelder im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen vorgelegt hatten, habe ich Nick Woltemade vor unserem Spiel gefragt: Was meinst du: Haben wir jetzt noch mehr Druck?

Was hat er geantwortet?

Ja. Schließlich ist es ja schon so, dass man gegen einen Drittligisten im Endspiel eine größere Gewinnchance hat als gegen einen Erstligakonkurrenten. Allerdings gilt das nur auf dem Papier.

Die Arminia hat während der Pokalsaison vier Bundesligisten aus dem Wettbewerb geworfen.

Eben. Deshalb freuen wir uns sehr auf das Finale, wir wissen aber ganz genau, welche Ernsthaftigkeit wir brauchen. Die Bielefelder haben gezeigt, dass sie richtig gut Fußballspielen können, einen Lauf haben und eine echte Mannschaft sind. Sollten wir nur ein Prozent zu wenig investieren, wird die Arminia das bestrafen. Das Dümmste, was wir machen können, wäre, den Gegner zu unterschätzen. Gut ist, dass wir zuletzt wieder auf dem richtigen Weg waren.

Pascal Stenzel spielte in jungen Jahren auch für Borussia Dortmund. Foto: imago images/Fotostand

Anders als in den Wochen zuvor, als es sechs Heimniederlagen in Folge und auch insgesamt zu wenig Punkte gab.

Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war auch in dieser Phase nicht so verkehrt. Aber klar: Es war super wichtig, dass wir zuletzt auch wieder Ergebnisse eingefahren haben. Es ist einfach ein Unterschied, ob du nach einer guten Leistung mit einem 4:0 vom Platz gehst, mit einem 0:0 oder gar mit einer Niederlage.

Sie selbst haben lange nicht von Beginn an gespielt – auch das hat sich in den vergangenen Wochen gedreht. Wie haben Sie es geschafft, den Trainer wieder von sich zu überzeugen?

Ich habe es trotz meiner Situation gut geschafft, bei mir zu bleiben – obwohl es nicht einfach war, immer wieder zuschauen zu müssen. Aber ich habe versucht, das zu beeinflussen, was ich beeinflussen kann. Habe viel an mir gearbeitet und daran geglaubt, dass sich das auszahlen wird. Ich wollte da sein, wenn ich gebraucht werde. Dass ich das kann, war schon immer ein großes Plus von mir.

Ihnen wird oft bescheinigt, ein sehr wichtiger Spieler für diese Mannschaft zu sein – in vielfältigem Sinne. Ist es dann umso schwerer zu akzeptieren, wenn man trotzdem meist zuschauen muss?

Es ist ja menschlich, dass dies nicht immer einfach ist. Ich sehe es aber als großes Plus, dass ich der Mannschaft etwas geben kann, selbst, wenn ich nicht jedes Wochenende von Beginn an spiele. Am Ende zählt aber natürlich die Leistung. Mir hilft bei all dem einfach ein klares Mindset. Ich denke, der Trainer weiß, was er an mir hat. Ich weiß, was ich kann. Ich weiß aber auch, in welchen Bereichen andere vielleicht etwas besser sind.

Die Fans verehren Sie als „Fußballgott“ – wie nehmen Sie diese Art der Wertschätzung eigentlich wahr?

Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich das jetzt nicht unbedingt bräuchte. Anfangs bin ich davon ausgegangen, dass es von den Fans eher scherzhaft gemeint ist – und ein Stück weit ist es vermutlich ja auch so. Aber ich sehe es schon auch als Wertschätzung für meine Treue dem Verein gegenüber – und dafür, dass ich der Mannschaft auch etwas geben kann, wenn ich nicht auf dem Platz stehe. Und: So ein ganz schlechter Kicker bin ich ja nun auch nicht (lächelt). Ich freue mich auf jeden Fall darüber.

Pascal Stenzel will weiter für den VfB spielen

Bei Heimspielen des 1. FC Union Berlin wird jeder eigene Spieler als Fußballgott bezeichnet . . .

(lacht) . . . ja, ich hab schon gesagt: Dorthin könnte ich nicht wechseln. Da wäre das ja gar nichts Besonderes mehr.

Stichwort Vereinstreue: Sie sind 2019 nach Stuttgart gekommen, schwierige Jahre mit der Relegation erlebt, aber auch die Vizemeisterschaft und die Champions League. Was bedeutet es Ihnen nun, mit dem VfB die Chance auf einen Titel zu haben?

Der Verein und seine Fans hätten es sich einfach verdient, mal wieder einen Titel zu gewinnen. Ich weiß, wo wir herkommen, dass es nicht immer leicht war. Ich habe aber auch feststellen dürfen: In den entscheidenden Phasen haben hier immer alle zusammengehalten. Daher ist es nach diesen sechs gemeinsamen Jahren etwas ganz, ganz Besonderes, jetzt mit dem VfB um einen Titel zu spielen.

Nach dem Pokalsieg 1997 hat der damalige Trainer Joachim Löw seine Haare lassen müssen. Gibt es denn im Jahr 2025 ähnliche Absprachen?

Nein. Unser Fokus liegt erst einmal voll auf dem Spiel. Danach können wir immer noch sehen, was passiert. Ich bin mir allerdings recht sicher: Mit mir wird diesbezüglich nichts passieren.

Was passiert denn ansonsten in der Zukunft? Einen Rücktritt haben Sie ja bereits ausgeschlossen, Ihr Vertrag in Stuttgart läuft bis 2026. Was sind Ihre Pläne?

Ich habe große Lust, darüber hinaus hierzubleiben. Ich pflege ein gutes Verhältnis zum Trainer, meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl, das Gesamtpaket stimmt einfach. Es muss aber natürlich von beiden Seiten aus passen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf das Finale – danach reden wir ganz entspannt miteinander.

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