Passanten in der Stuttgarter City Abendlicher Ansturm auf der Königstraße

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An Wochenenden sind auf der Königstraße abends und nachts wieder mehr Menschen unterwegs als in der Vor-Corona-Zeit. Umso auffälliger ist der Einbruch tagsüber. Der Citymanager will über Außenbeheizung diskutieren.

Abends und nachts sind wieder viele Menschen auf der Königstraße unterwegs – seit der Krawallnacht aber auch viel Polizei. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Abends und nachts sind wieder viele Menschen auf der Königstraße unterwegs – seit der Krawallnacht aber auch viel Polizei. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Spätestens seit Anfang Juni findet das Leben in einer „neuen Normalität“ statt. Sie ist unter anderem geprägt von den weiterhin zum Teil geschlossenen Kultureinrichtungen, einer Maskenpflicht sowie abgesagten Veranstaltungen. Während sich die finanziellen Folgen noch kaum beziffern lassen, kann man zumindest zählen, wie viele Menschen sich in der Öffentlichkeit bewegen.

Im Portal Hystreet finden sich entsprechende, per Laserschranke erfasste Daten zu den Passantenströmen in der Königstraße. Eine Analyse zeigt, wie dramatisch der Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ausfällt – und dass zumindest nachts die Passantenfrequenz teilweise sogar über der Vor-Corona-Zeit liegt.

Das folgende Diagramm visualisiert die gezählten Passanten für die Tagstunden (6 bis 20 Uhr) sowie abends und nachts (übrige Zeit) – und zwar im Vergleich zum entsprechenden Tag des Vorjahrs. Visualisiert wird die mittlere Abweichung an gezählten Passanten pro Stunde für Samstage und Sonntage.

Es wird deutlich, dass sich in den zurückliegenden Wochen immer mehr Menschen wieder in die Stuttgarter Innenstadt bewegt haben. Die Differenz ist kleiner geworden, teilweise sind sogar mehr Besucher in der City als im Vorjahr:

Auffällig ist beispielsweise der starke Ausreißer in der Nacht auf den 21. Juni, als allein in den Abendstunden im Schnitt 800 Menschen mehr in der Stadt waren als im Vorjahr. Dennoch dürfte das hohe Besucheraufkommen nur bedingt die Krawallnacht erklären. Am entsprechenden Samstag des Jahres 2019 hat es fast den ganzen Tag geregnet, was logischerweise zu weniger Passanten führt.

Während man an Wochentagen inzwischen bei den Passantenzahlen wieder auf dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie angekommen ist, ergibt sich gerade unter der Woche ein deutlicherer Rückgang. Von den 230 000 Menschen, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fehlen, blieben drei Viertel unter der Woche weg – also in der Zeit, wo auch Umsatz gemacht werden könnte. Im Schnitt werden etwa 350 Menschen weniger pro Stunde gezählt als vergangenen Juni und Juli.

„Ich kann den Zahlen selbst kaum glauben, weil die Stadt so voll aussieht“, sagt der Citymanager Sven Hahn. Und doch sprechen die Daten eine deutliche Sprache, werden diese Woche auch gemeinsam mit der Kommunalpolitik diskutiert. Denn, so Hahn, mit Weindorf, Fischmarkt oder Volksfest fallen in den kommenden Wochen und Monaten etliche Frequenzbringer aus.

Und dann wird irgendwann auch das Wetter wieder schlechter. „Gastronomen mit Außenfläche machen derzeit ordentlich Umsatz“, sagt Sven Hahn. Die relativ hohen Besucherzahlen gerade in den Abendstunden erklärt er sich mit vielen abgesagten Veranstaltungen und ausgefallenen Angeboten in der Region. Da kämen eben viele auf die Idee, nach Stuttgart reinzufahren.

Wäre Außenbeheizung okay?

„Wenn es genau so weitergeht wie bisher, haben die Gastronomen im Winter ein riesen Problem“, sagt Sven Hahn. Man müsse sich Gedanken machen, wie man Gäste auch bei niedrigen Temperaturen draußen bedienen kann. „Klar ist Außenbeheizung aktuell verboten“, sagt der Citymanager, „aber wir haben jetzt auch eine ganz andere Situation als im Winter 2019.“

Gut möglich, dass in der Stadt schon bald über die Bedingungen der Außengastronomie im Corona-Winter diskutiert wird. Letztlich geht es auch darum, wie man langfristig weitermache. „Derzeit sind alle im Überbrückungsmodus“, sagt Sven Hahn, „aber können wir wirklich sicher sein, dass nächstes Jahr wieder alles ist wie vor Corona?“

Die Passantenzahlen werden auch künftig eine Ahnung von der „neuen Normalität“ geben – wie auch immer die genau aussehen mag.




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