Die Urlauber waren in einem bekannten Nationalpark im Süden des Landes unterwegs. Dann schlug plötzlich das Wetter um. Fünf Wanderer kommen am Berg ums Leben.

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

In Patagonien, tief im Süden Chiles, wartet eines der größten Abenteuer Südamerikas. Im Nationalpark Torres del Paine wandert man zwischen Gletschern, Gipfeln und scheuen Pumas.

 
Die Rettungskräfte haben sich bei sehr schlechtem Wetter und starken Winden auf den Weg gemacht. Foto: AFP
Der Nationalpark Torres del Paine (spanisch: Parque Nacional Torres del Paine) ist einer der bekanntesten Nationalparks in Chile, gelegen im Süden des Landes um die Berggruppe der Cordillera del Paine. Foto: Imago/Zoonar
Paine heißt in der Sprache der Tehuelche-Indianer (Aonikenk-Indianer, Patagonier) „himmelblau“, Torres del Paine also „Türme des blauen Himmels“. Foto: Imago/Dreamstime

Fünf ausländische Touristen, darunter zwei Deutsche, ist die malerische Einöde jetzt zum Verhängnis geworden. Bei einer Wanderung in dem weltbrühmten Nationalpark ist das Quintett ums Leben gekommen.

Es seien zwei Deutsche, zwei Mexikaner und eine Person mit britischer Staatsbürgerschaft tödlich verunglückt, sagte der Regierungsvertreter in der Provinz Magallanes, José Antonio Ruiz, im Fernsehsender T13.

Der Unglücksort sei wegen schweren Schneefalls nur schlecht zu erreichen, erklärte Ruiz. Nach Angaben der Regierung herrschten dort bisweilen Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 Kilometern pro Stunde. Im äußersten Süden von Chile hat gerade der Frühling begonnen.

Der Nationalpark Torres del Paine liegt im Süden Chiles und ist ein Teil Patagoniens. Er gehört zur Región de Magallanes y de la Antártica Chilena (Provinz Última Esperanza) und liegt rund 140 km nördlich der Stadt Puerto Natales. Foto: Imago/Dreamstime
Etwa 600.000 Touristen besuchen die Region offiziellen Angaben zufolge pro Jahr. Foto: Manuel Meyer/dpa
Im Norden grenzt der Nationalpark an Argentinien, wo der Nationalpark Los Glaciares anschließt. Im Westen liegt der Grey-Gletscher mit dem See Lago Grey, im Süden der Lago del Toro und im Osten der Lago Sarmiento de Gamboa. Foto: Imago/Imagebroker

Präsident sichert Opferfamilien Unterstützung zu

„Den Familien, Freunden und Angehörigen der fünf Personen mexikanischer, deutscher und britischer Staatsangehörigkeit, die bei der Tragödie in Torres del Paine leider ums Leben gekommen sind, spreche ich mein tiefstes Beileid aus“, schreibt Präsident Gabriel Boric auf der Nachrichtenplattform X. „Seien Sie versichert, dass Sie in diesen schwierigen Zeiten auf die volle Unterstützung der chilenischen Behörden und Institutionen zählen können.“

Unesco als Biosphären-Reservat und Touristen-Hotspot

Torres del Paine ist einer der bekanntesten Nationalparks Chiles und seit 1978 von der Unesco als Biosphären-Reservat anerkannt. Besonders bekannt sind die drei nadelartigen Granitberge in der Mitte des Parks. Etwa 600.000 Touristen besuchen die Region offiziellen Angaben zufolge pro Jahr.

Die Nationalpark-Fläche umfasst 2420 Quadratkilometer. Er ist durchzogen von bis zu beinahe 3000 m hohen Bergen, Gletschern, Fjorden und großen Seen. Foto: Imago/Zoonar
Die „Torres del Paine“ sind das Wahrzeichen des Nationalparks. Dabei handelt es sich um drei nadelartige Granitberge, die zwischen 2600 und 2850 Meter hoch sind. Foto: Imago/Panthermedia
Die Berge liegen etwa in der Mitte des Nationalparks. Südlich dieser drei Berge liegt der See Lago Nordenskjöld, benannt nach dem schwedischen Geologen Otto Nordenskjöld. Foto: Imago/Panthermedia

Die drei gewaltigen, bis zu knapp 3000 Meter hohen Granitnadeln, die dem Nationalpark ihren Namen geben, sind dessen Wahrzeichen. Der Park im chilenischen Teil Patagoniens erstreckt sich über eine Fläche von gut 2400 Quadratkilometern.

Der höchste Berg im Nationalpark ist der Cerro Paine Grande mit 3050 Meter. Große Teile des Nationalparks sind vergletschert. Der bekannteste Gletscher ist der Grey-Gletscher, der in den Lago Grey kalbt. Foto: Imago/Imagebroker
Im Sommer liegen die mittleren Temperaturen bei 11 Grad Celsius, im Winter bei 1Grad. Foto: Imago/Depositphotos
Der Nationalpark ist gut erschlossen. Die Hauptverwaltung liegt im Bereich des Lago Toro. Der Park wird z. B. von Oktober bis April von Bussen aus Puerto Natales angefahren. Foto: Imago/robertharding

Seine wilde Landschaft ist geprägt von türkisblauen Seen, unberührten Laubwäldern, verschneiten Bergen, Fjorden, reißenden Flüssen, Wasserfällen und Gletschern.

Shuttlebusse fahren vom Eingang bei der Laguna Amarga zum Base de las Torres (Anfang des Wanderweges) und zum Anleger des Katamarans. Foto: Imago/Zoonar
Zu den Besuchern der abwechslungsreichen Landschaft gehören Trekking-Freunde, Bergsteiger, Gletschertouristen sowie Tier- und Pflanzenfreunde. Foto: Imago/Imagebroker
Im Nationalpark gibt es zwei große Wanderwege: das W-Trekking (Ausgangspunkt Puerto Natales; 200 Kilometer) und das O-Trekking / Torres del Paine Circuit (Ausgangspunkt Puerto Natales; 130 Kilometer). Foto: Imago/Zoonar

Die Granitnadeln entstanden vor mehr als zehn Millionen Jahren. Dann formten eiszeitliche Gletscher die Felstürme, über deren Spitzen nicht selten Andenkondore ihre Runde drehen.