Paukenschlag in der Poststraße Böblingen Stadt kauft Seestudio und weitere Gebäude

Seestudio: Nun in städtischem Besitz Foto: jps

Die Stadt Böblingen hat das brachliegende Seestudio erworben sowie zwei weitere Gebäude in der Unteren Poststraße. Angedacht ist eine komplette Neubebauung.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Mit einem Paukenschlag erwacht die Böblinger Kommunalpolitik aus der Sommerpause: Die Stadt Böblingen gibt bekannt, drei Grundstücke in der Unteren Poststraße erworben zu haben. Darunter die Hausnummer 16, an der die brachliegende Diskothek Seaside Club – ehemals Seestudio – seit Jahren vor sich hindämmert. Außerdem gehören der Stadt nun die Grundstücke Nummer 18/3 und 22 im gleichen Straßenzug, auf denen sich Wohn- und Geschäftshäuser befinden. Mit diesen Käufen will das Rathaus eine Neubebauung vorantreiben und in die richtigen Bahnen lenken, heißt es.

 

„Bereits seit Längerem ist es Ziel, die Uferpromenade qualitativ zu verbessern. Zuletzt wurde mit dem Masterplan Schlossbergring vom Gemeinderat die Maßnahme beschlossen, den Entwicklungsbereich weiter aufzuwerten“, sagt Pressesprecher Gianluca Biela. Nachdem der Gemeinderat in seiner Sitzung am 5. Juni nicht-öffentlich dem Kauf der drei Grundstücke zugestimmt hatte, wurden die Kaufverträge am 2. und 9. Juli unterzeichnet.

Der Stadt eröffnen sich damit städtebaulich ganz neue Möglichkeiten an markanter Stelle. Schließlich trennt die Häuserzeile die viel befahrene Poststraße von der Uferstraße entlang des Unteren Sees. Die einstige Kultdisco Seestudio liegt seit dem Weggang der Pächterin Ivana Häcker allerdings brach. Die bescherte dem Etablissement unter dem Namen Seaside Club zwar einen zweiten Frühling. Doch dieser dauerte nur von 2019 bis 2023 an, Häcker gab den Club im Februar 2023 entnervt auf.

Untere Poststraße: Stadt erwirbt drei Grundstücke Foto: jps

Zwischenzeitlich bekundeten Thorsten Bode und Anke Bode-Pickenhahn Interesse daran, die Immobilie zu mieten und mit ihrer traditionsreichen Tanzschule dort einzuziehen. Doch über die Höhe der Miete sei man sich mit der Eigentümerin bei weitem nicht einig geworden, sagten Bodes vor rund einem Jahr. Schon damals sagte die Eigentümerin mit Wohnsitz in Hessen, das Seestudio an die Stadt zu verpachten oder verkaufen zu wollen. Vom Rathaus hieß es zunächst nur, man sei zu Gesprächen bereit. Aus der Idee wurde nun Wirklichkeit. Nur, was schwebt der Stadt dort vor?

„Erste städtebauliche Überlegungen sehen die Möglichkeit einer verdichteten und zur Seepromenade erweiterten Neubebauung vor“, sagt Gianluca Biela. Der Erwerb der Immobilien habe als vorrangiges Ziel die Sicherstellung einer gesteuerten Entwicklung dieses Bereichs durch die Stadt. „Hierdurch kann ein entsprechender städtebaulicher und stadtgesellschaftlicher Mehrwert bezüglich künftiger Nutzungen, die den Bereich um den Unteren See aufwerten, von der Stadt aktiv umgesetzt werden“, sagt er.

Rückansicht von der Uferstraße Foto: jps

Die Immobilie Seestudio ist angebaut an das älteste noch stehende Wohngebäude Böblingens, das die Hausnummer 18 trägt und sich ebenfalls in städtischem Besitz befindet. Dieser einstige Bauernhof ist denkmalgeschützt und im Kern an die 600 Jahre alt. Die oberen Geschosse sind unbewohnt, seit dort Einsturzgefahr besteht. Die Haltung von Böblingens Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger zu dem Haus war vor zwei Jahren die: „Wenn wir den Denkmalschutz ernst nehmen, dann bedeutet dies, dass wir das Haus erhalten.“

Gebäude von Schuh Kurz erworben

Neben dem Seestudio gehören der Stadt nun auch die beiden Gebäude es ehemaligen Schuhgeschäfts Kurz – Hausnummern 18/3 und 22 – das dort zum Jahresende 2023 nach langer Tradition seinen Betrieb aufgab. Welche genauen Pläne zur Neuentwicklung die Stadt hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt.

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