Paul-Bonatz-Ausstellung Vom Hauptwerk Stuttgarter Schule zum funktionslosen Torso

Von Eva Kirn-Frank 

Doch ist das Landesdenkmalamt in Baden-Württemberg keine eigene Behörde mehr, sondern seit 2005 – wie übrigens auch die Fachleute für Geologie – den Regierungspräsidien unterstellt. Daher hätte es, daran hat Bongartz anlässlich der Ausstellungseröffnung in Tübingen erinnert, seinen Protest ohne Erlaubnis des Dienstherrn nicht öffentlich machen dürfen. Der Regierungspräsident aber hieß bis 2007 Udo Andriof. Der war nicht gewillt, fachliche Einwendungen gegen Stuttgart 21 ernst zu nehmen. Inzwischen ist Andriof einer der beiden Sprecher des Projekts.

Wenn sonst Denkmalschutz und ein neues Bauanliegen einander widersprechende öffentliche Interessen vertreten, sucht man, so ist Bongartz’ Erfahrung, in öffentlicher Diskussion gemeinsam eine Güterabwägung. Hier aber habe Andriof den Dialog mit den Fachleuten des eigenen Hauses abgebrochen.

"Unwürdig einer Kulturnation"

Als Joker hätte ihm gedient, dass die Planungen der Bahn auf einer Betriebsanlage des Bundes nicht den Landesgesetzen unterworfen sind. Die Denkmalpfleger waren nach diesem Zeugnis nicht stumm: sie waren durch Beamtenrecht geknebelt.

Zudem sei die Kritik der Denkmalpfleger aus dem Planfeststellungsverfahren seines Wissens, so Bongartz, den Unterlagen für den Wettbewerb nicht wie sonst üblich beigefügt worden. Also seien die Architekten bei ihrer Planung davon ausgegangen, hier gebe es nichts zu schützen. Die Fachleute habe man damals, während die Zerstörung der Gesamtanlage geplant wurde, gerade mal gefragt, welche Größe von Werbesprüchen und Verkaufsständen die Bahnhofshalle allenfalls noch ertrüge. Und am Ende war der Abrissbagger da.

So brachten Politik und Regierungspräsidium in Stuttgart es fertig, das Hauptwerk der Stuttgarter Schule, das internationale Nachfolgebauten gefunden hatte, ohne öffentliche Diskussion zum funktionslosen Torso zu machen. „Blamabel“, meint Bongartz, „unwürdig einer Kulturnation.“