Paula Ausserdorfer aus Denkendorf (Kreis Esslingen) strickt leidenschaftlich gerne. Das hält die 75-Jährige nicht nur fit. Sie macht damit auch anderen eine Freude.

Im zweiten Stock des Seniorenzentrums Martin-Luther-Haus klappern täglich die Stricknadeln. Zu hören ist Paula Ausserdorfer schon auf dem Flur: ein leises, rhythmisches Klacken. Für die 75-Jährige ist Handarbeiten mehr als nur Zeitvertreib. Es ist Konzentration, Kreativität und ein Stück gelebtes Ehrenamt.

 

Seit zwei Jahren lebt sie im Denkendorfer Seniorenzentrum der Zieglerschen. In ihrer liebevoll eingerichteten Ecke mit Blick auf den Eingangsbereich und die Goethestraße sitzt sie oft mit Wolle und Nadeln in den Händen. Von hier aus beobachtet sie das Kommen und Gehen im Haus – und arbeitet gleichzeitig an ihren nächsten Projekten.

Früher war Stricken ein Ausgleich zu ihrem anspruchsvollen Beruf als Juristin. Heute ist es für sie vor allem eine geistige Herausforderung. „Wenn ich stricke, muss ich immer mitdenken“, sagt sie. Dass sie ein besonderes Gespür für Farben und Stil hat, kommt nicht von ungefähr. In ihrer Jugend arbeitete sie sogar zeitweise als Model für den Verlag Burda.

Das Stricken kommt sozialen Projekte in der Gemeinde zugute

Stricken gelernt hat sie schon als Kind. Vor etwa zehn Jahren bekam ihr Hobby eine neue Bedeutung. Als der Wolleclub im Generationentreff der Gemeinde Denkendorf gegründet wurde, wurde sie gefragt, ob sie mitmachen möchte. Paula Ausserdorfer sagte sofort zu. Seitdem strickt sie regelmäßig Socken für Basare des Generationentreffs Denkendorf. Der Erlös unterstützt soziale Projekte in der Gemeinde – zuletzt etwa ein Theaterprojekt der Albert-Schweitzer-Schule und den Schulgarten der Ludwig-Uhland-Schule.

Auch wenn sie inzwischen im Seniorenzentrum der Zieglerschen lebt und nicht persönlich an den Treffen teilnehmen kann, ist sie weiterhin ein fester Bestandteil des kreativen Netzwerks. Jeden Tag greift sie zu Wolle und Nadeln – oft sechs bis sieben Stunden lang.

Besondere Technik: Stricken aus den Handgelenken

Besonders am Herzen liegt ihr ein weiteres Projekt: die sogenannten Hoffnungsbären. In Denkendorf wird diese Aktion vom Sozialverband VdK Denkendorf in Kooperation mit dem Generationentreff Denkendorf organisiert.

Hier entstehen liebevoll gestaltete Teddybären, die handgestrickte Kleidung erhalten. Anschließend werden sie an kranke Kinder oder Menschen in schwierigen Lebenssituationen verschenkt. „Die Hoffnungsbären sollen Trost spenden und Freude bereiten“, sagt die 75-Jährige. Sie arbeitet nicht nach festen Mustern. Sie überlegt sich vorher das Design, zählt Maschen und Reihen und lässt Farben und Formen intuitiv entstehen. Für einen Bären benötigt sie meist zwei Tage, bei aufwendigeren Kleidungsstücken auch drei.

Da ihre Schultern empfindlich sind, strickt sie überwiegend aus den Handgelenken heraus. So kann sie ihre Kräfte einteilen und trotzdem täglich weiterarbeiten. Einige Hoffnungsbären sind inzwischen auch im Seniorenzentrum selbst angekommen, etwa bei einer Bewohnerin mit Demenz, die ihren Teddy besonders gerne bei sich hält.

Paula Ausserdorfer verfolgt täglich im Internet das Weltgeschehen

Auch im Alltag des Seniorenzentrums bringt sich Paula Ausserdorfer ein. Wenn die frisch gewaschenen Handtücher von der Wäscherei geliefert werden, hilft sie beim Zusammenlegen. Und in der Adventszeit unterstützte sie beim Dekorieren der Kränze in den Wohnbereichen. Die Mitarbeitenden wissen diese Unterstützung sehr zu schätzen.

Neben dem Stricken hält sie sich geistig auch auf andere Weise fit. Paula Ausserdorfer spricht mehrere Sprachen und verfolgt täglich im Internet das Weltgeschehen. Beruflich war sie früher viel unterwegs und lebte mehrere Jahre in Italien. Ihre Leidenschaft für einen guten Espresso hat sie sich aus dieser Zeit bis heute bewahrt. Eine eigene Kaffeemaschine gehört deshalb selbstverständlich zur Einrichtung ihres stilvollen Zimmers.